Vor mehr als zwei Jahren hat der Vater von Lea Pfeiffer das Mädchen in seine Heimat entführt. Nun haben die Mutter gleich zwei positive Nachrichten erreicht. Ist das die Wende?

Familie/Bildung/Soziales: Viola Volland (vv)

Elsa Pfeiffer ist vorsichtig mit ihren Gefühlen. Sie traut sich nicht, euphorisch zu sein. Aber sie spricht wieder von „Hoffnung“. Am 7. Oktober 2023 hatte ihr Ex-Partner David K. die damals zehn Jahre alte gemeinsame Tochter Lea aus dem Landkreis Ludwigsburg in sein Heimatland Slowenien entführt. Seit mehr als zwei Jahren schon kämpft die Mutter vor Gerichten in Deutschland und Slowenien um Leas Rückkehr. Sie hat für ihre Tochter das alleinige Sorgerecht.

 

Nun gibt es gute Nachrichten. Denn das Oberste Gericht von Slowenien hat eine Beschwerde des Vaters zurückgewiesen. Damit ist der Vollstreckungsbeschluss auf Leas Rückführung höchstrichterlich in Kraft gesetzt – ursprünglich war dieser vom Ludwigsburger Familiengericht gefällt und dann von einem Bezirksgericht in Slowenien bestätigt worden. Eine Anfechtung ist nicht möglich. Am 8. Oktober hat die Mutter den Beschluss des Obersten Gerichts zugestellt bekommen. „Richtig gefreut“ habe sie sich.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung beim Vater diagnostiziert

Was Elsa Pfeiffer ebenfalls Mut macht: Inzwischen liegt in einem weiteren Verfahren in Slowenien, das sie anstrengte, das psychologische Gutachten über Mutter, Vater und Tochter vor. In diesem wird dem Vater eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert, die ihn „bei der Ausübung der Elternrolle behindert“. Bei der Mutter seien laut dem Gutachten, das unserer Redaktion vorliegt, „keine Störungen oder Abweichungen im Bereich der psychischen Gesundheit festzustellen“.

Eigentlich, sollte man meinen, müsste es jetzt schnell gehen. Zumal Slowenien zu den Ländern gehört, die das Haager Kindesentführungsübereinkommen unterzeichnet haben. Doch der Fall zieht sich hin und Elsa Pfeiffer hat schon so viele Rückschläge erlebt, dass sie „gehemmt“ ist in ihrem Hoffen. Im Juni 2024 war ein Rückführungsversuch abgebrochen worden, weil Lea sich geweigert hatte, mitzukommen. Und auch jetzt ist damit zu rechnen, dass das Mädchen ähnlich reagiert. Dass David K. die Tochter manipuliert hat, wie es Elsa Pfeiffer immer gesagt hat, geht auch aus dem psychologischen Gutachten hervor.

Ein Bild aus besseren Zeiten. Foto: Privat

Die Zwölfjährige sei ihrem Vater gegenüber „bedingungslos loyal“, steht darin. Sie identifiziere sich stark mit ihm, suche seine Anerkennung und Bestätigung. „Die ganze Zeit sorgt sie für sein Wohlbefinden und gibt sozial erwünschte Antworten“, hat die Gutachterin bei der Interaktion zwischen Vater rund Tochter beobachtet. Das Mädchen zeige zudem einen „unerschütterlichen Willen“, in Slowenien zu bleiben.

Mutter ist mit dem kleinen Sohn in ihre alte Heimat gezogen

Die Psychologin fordert, „umfangreiche, kontinuierliche und klar strukturierte Kontakte mit der Mutter“, die „unverzüglich beginnen“ müssten. Lea erlebe „keinerlei emotionale Not beim Kontakt mit der Mutter“. Die Mutter gefährde Lea mit ihrem Verhalten und ihren Erziehungsmaßnahmen nicht, „schließlich stellte sie für Lea den größten Teil ihres Lebens eine sichere Bezugsperson dar“.

Im September, bei der letzten Gerichtsverhandlung in diesem Verfahren, habe sich der Wind gedreht, meint Elsa Pfeiffer. „Es war spürbar, dass sich alles gegen ihn gewendet hat“, meint sie. Bei „Fangfragen“ sei aufgefallen, dass David K. immer wieder notorisch lüge. So habe er auf die Frage, ob sein jüngerer Bruder mit im Haus wohne, geantwortet, das wisse er nicht. Der Bruder kam im Verfahren auf, weil er früher im Gefängnis saß – und sein Zimmer neben dem von Lea liegen soll.

Die Richterin habe bei der Verhandlung angeordnet, dass Lea in den Herbstferien zur Mutter kommen soll, das wäre eigentlich dieser Tage. Doch bisher hat die 36-Jährige keine entsprechende Nachricht erhalten. David K. fürchte vor einer Vollstreckung in Deutschland, wenn er Lea fahren lasse.

Eine Spendenkampagne läuft

Elsa Pfeiffer hat sehr turbulente Wochen hinter sich. Ihre neue Beziehung hat dem Druck nicht Stand gehalten. Elsa Pfeiffer hat den Landkreis Ludwigsburg verlassen und ist mit ihrem kleinen Sohn Mitte September in ihre alte Heimat zurückgekehrt. In der Nähe von Garmisch wohnt sie nun für eine sehr geringe Miete bei Freunden auf einer Etage in deren Haus. Dass sie wenig zahlen muss, ist gut, denn viel arbeiten konnte sie zuletzt nicht und sie hat enorme Geldnot. Durch die Gerichtsverfahren im Ausland ist die Mutter hoch verschuldet. Sie muss die Anwälte zahlen und die Fahrten nach Slowenien. Ob sie Weihnachten mit ihrer Tochter feiern kann? Sie hofft es. Sie hofft es sehr.

Wer die Mutter unterstützen will: Über die Plattform Gofundme läuft schon länger eine Spendenkampagne: https://www.gofundme.com/f/Lea-zurueckholen.