Vatikan Papst Franziskus und die bösen Gerüchte

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Der Vatikan dementiert sehr entschieden die Meldungen über eine Tumorerkrankung des Papstes. Die Gerüchte wurden verbreitet, während die große Bischofssynode in Rom tagt.

Papst Franziskus eröffnete Anfang Oktober die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie mit einem Gottesdienst im Petersdom. Foto: KNA
Papst Franziskus eröffnete Anfang Oktober die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie mit einem Gottesdienst im Petersdom. Foto: KNA

Rom - Jetzt wissen sie nichts mehr zu sagen. Nach tausend Lügen erfinden sie nun auch noch Krankheiten!” Wie genervt Pater Antonio Spadaro ist, geht aus seinem Aufschrei bei Twitter hervor. Spadaro ist Jesuit wie Franziskus, er gilt als einer der engsten Vertrauten des Papstes und er hat einen ebenso hellwachen wie beschützenden Blick auf das, was geschieht.

Passiert war in diesem Falle, dass der „Quotidiano Nazionale”, ein Verbund mittelitalienischer Lokalzeitungen, in der Nacht zum Mittwoch dem Papst einen Gehirntumor nachgesagt hatte. Einer der weltbesten Chirurgen auf diesem Gebiet, der Japaner Takanori Fukushima, sei eigens per Hubschrauber in den Vatikan geholt worden; die Untersuchung habe aber lediglich „einen braunen Flecken im Gehirn“ erbracht, „einen kleinen Tumor, der keinen Eingriff braucht“. Die Nachricht saß: Franziskus, der so Beliebte, krank! Am Gehirn auch noch! Kann so ein Mann die Kirche überhaupt noch vernünftig leiten?

So prompt und entschieden wie diesmal hat der Vatikan schon lange keine Meldung mehr dementiert. Noch in der Nacht erklärte Sprecher Federico Lombardi die Nachricht als „vollkommen unbegründet“. Am Mittwochmittag legte er nach: Er habe sich „bei allen notwendigen Stellen im Vatikan erkundigt, auch beim Papst selbst“: Es sei kein japanischer Arzt zur Visite im Vatikan gewesen, es habe keine Untersuchungen am Gehirn gegeben und auch keinen Hubschrauberflug. Außer den paar „Problemen mit den Beinen, die wir alle immer wieder sehen“, gehe es dem Papst gut.

Trotzdem lassen die Gerüchte aufmerken, geht doch in Rom dieser Tage die dreiwöchige Bischofssynode ins Finale. Da steht zur Debatte, ob die katholische Kirche ihre starre Ehe- und Familienmoral aufweichen soll, und Franziskus gilt – auch wenn er sich zu den einzelnen Fragen bisher gar nicht geäußert hat – als ein Vorkämpfer der Reform. Schon vor der Synode nutzten die verschiedenen Parteien alle möglichen Medien für ihre Zwecke.

Während der Beratungen wird eine Abneigung gegen Kirchenreformen immer deutlicher. Gerade in einem der Schlüsselthemen, der Zulassung von wieder verheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten, plädieren einige der dreizehn Arbeitskreise ausdrücklich gegen jede Änderung. Ein anderes Reizthema, den Umgang mit Homosexuellen, wollen manche gleich komplett aus dem für Samstag erwarteten Schlussdokument streichen. Das aber, so formulierte es die Gruppe “Englisch D” mit 21 Bischöfen aus 20 Nationen, „könnte die Glaubwürdigkeit der Kirche in Westeuropa und Nordamerika beschädigen.“