InterviewVDA-Präsident Wissmann „Es fehlt ein finanzieller lmpuls“

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Deutsche Hersteller bringen immer mehr Elektro- und Hybridmodelle auf den Markt. Doch der Absatz wächst nur langsam. Deutschlands oberster Autolobbyist will Elektroautos daher als Firmenwagen attraktiver machen.

Deutsche Hersteller bringen immer mehr Autos mit alternativen Antrieben auf den Mark. Unser Bild zeigt den BMW i8. Foto: Getty, Thomas Imo
Deutsche Hersteller bringen immer mehr Autos mit alternativen Antrieben auf den Mark. Unser Bild zeigt den BMW i8. Foto: Getty, Thomas Imo

Stuttgart – Am 19. und 20. März veranstaltet der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Filderstadt seinen jährlichen Technischen Kongress. Im Mittelpunkt stehen zwei Themenblöcke: Umwelt, Energie und Elektromobilität sowie Fahrzeugsicherheit und Elektronik. Mehr als 500 Teilnehmer aus vielen Ländern sowie hochrangige Vertreter aus Automobilindustrie, Wissenschaft und Politik werden zum größten Fachtreffen Europas erwartet. Vor diesem Innovationsgipfel verlangt Verbandspräsident Matthias Wissmann mehr staatliche Unterstützung, damit der Absatz von Elektroautos besser in Fahrt kommt.

Herr Wissmann, lange wurde den deutschen Autobauern vorgeworfen, dass sie bei alternativen Antrieben hinterherfahren. Jetzt können sie liefern, doch jetzt bremsen auch noch niedrige Spritpreise den Verkauf. Drohen all die Stromer und Hybridautos zu Ladenhütern zu werden?
Bei der Einführung alternativer Antriebe haben wir einen langen Atem. Denn auch wenn der Ölpreis momentan niedrig ist, werden fossile Ressourcen mittel- und langfristig knapper und teurer. Deswegen setzen wir weiter auf die Entwicklung immer umweltfreundlicherer Antriebsarten.
Wie ist die Position der deutschen Anbieter im internationalen Wettbewerbsvergleich?
Als wir vor einigen Jahren die Nationale Plattform Elektromobilität geschaffen haben, haben wir uns gemeinsam mit der Bundesregierung zwei Ziele gesetzt. Deutschland soll Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität werden. Damals war die deutsche Automobilindustrie bei der E-Mobilität noch nicht führend. Inzwischen bescheinigen uns Experten, dass wir zusammen mit den Amerikanern vorn liegen. In keinem anderen Land haben Kunden eine so große Auswahl an E-Fahrzeugen. Das heißt: Wir haben gewaltig investiert und enorm aufgeholt.
Wie sieht das Modellangebot heute aus?
Heute haben wir 17 Serienmodelle auf dem deutschen Markt: batteriebetriebene Elektroautos, Plug-in-Hybride mit Stecker zum Aufladen oder mit einem kleinen Verbrennungsmotor als Range Extender, mit dem die Reichweite eines Elektroautos erweitert werden kann. In diesem Jahr kommt noch einmal ein Dutzend E-Autos dazu. Das erste gesteckte Ziel der Leitanbieterschaft haben wir also zweifelsohne erreicht.
Leitmarkt ist Deutschland aber nicht.
Ja, da sind andere Länder weiter. Zwar haben die Verkäufe im vergangenen Jahr hierzulande um rund 70 Prozent zugelegt. Doch wir reden hier gerade einmal über rund 13 000 neu zugelassene Elektroautos. Um das für das Ende des Jahrzehnts angepeilte Ziel von einer Million Fahrzeugen zu erreichen, muss Deutschland kräftig Gas geben.
Der Bundestag hat das Elektromobilitätsgesetz beschlossen. Bringt das einen Schub?
Es ist richtig, dass Elektroautos Vorfahrt bekommen, indem sie etwa Privilegien beim Parken erhalten oder Busspuren benutzen dürfen. Was jedoch noch fehlt, ist ein zusätzlicher finanzieller Impuls. Wir brauchen eine Beschaffungsinitiative von Unternehmen und der öffentlichen Hand. Außerdem appellieren wir an die Bundesregierung, jetzt endlich Ernst zu machen mit dem Konzept einer Sonderabschreibung bei Firmenwagen.