Von Vegi über L.A. Signorina bis hin zu 5 und Mókuska: Von jeder dieser Gastros geistern mindestens zwei unterschiedliche Aussprachevarianten in Stuttgart herum. Wir haben bei den Gastronom:innen nachgefragt: Wie heißt es richtig, und warum?
First things first: Es heißt Tatti und nicht Tattis. Denn hinter dem Namen der Cafébar hinterm Rathaus versteckt sich kein Wirt oder keine Wirtin namens Tatti, sondern eine Kleinstadt in der Toskana.
Da wir aber schon dabei sind: Nicht nur beim Tatti herrscht in der Stadt Verwirrung bezüglich der Aussprache. Die einen sagen Vegi mit langem E und weichem G, die anderen eher Vedschi, wie das englische „Veggie“ ausgesprochen wird. Wiederum andere sprechen die Pizzeria am Marienplatz in feinstem Italo-Kalifornisch El Äi Signorina aus, während es eine genauso große Gruppe an Menschen in Stuttgart gibt, für welche die Punkte bei der Schreibweise L.A. Signorina keinerlei Bedeutung haben und die schlichtweg „La Signorina“ sagen.
Und überhaupt: Heißt das Gourmetrestaurant „5“ gegenüber der Königsbaupassagen jetzt Fünf oder Five? Wir haben mit den Gastronom:innen gesprochen und klären über die korrekte Aussprache auf.
Vegi: Veeegi oder Vedschi
Betriebsleiter des Falafel-Ladens Vegi in Stuttgart-Mitte, Leonard Schwalenberg, gibt Auskunft: Vegi wird tatsächlich Vedschi ausgesprochen. Das liegt an den Ursprüngen: „1995 wurde das Ganze gegründet von Konrad Krahmer und zwei seiner Freunde“, erklärt er. Die drei Freunde hatten den Imbiss „Vegi Voodoo King“ benannt, englisch ausgesprochen. Nach Krahmers frühzeitigem Tod erlosch jedoch das Markenrecht am Namen, sodass die letzten beiden Wörter im Namen des beliebten Falafel-Hotspots wegfielen und er nur noch Vegi hieß. Die Aussprache des übrig gebliebenen Begriffs blieb aber wie gehabt englisch.
Die gute Nachricht: „Mittlerweile haben wir die Rechte wieder“, sagt Leonard, „und der ursprüngliche Name wird wahrscheinlich auch wieder kommen.“
Mókuska: Mokuschka oder Mokusska
Stefan Dachale vom Café Mókuska hat schon alle möglichen Aussprachevarianten von Mókuska gehört: von Mókuska mit zischendem S und kurzem O bis Moussaka, wie der griechische Auberginenauflauf. Richtig spricht man es Mokuschka, mit langem O, SCH, und kurzem A. „Mókus heißt auf Ungarisch ‚Eichhörnchen‘“, erklärt er. Mókuska ist die verniedlichende Form des Wortes, auf Deutsch würde bei der Übersetzung etwas Schräges wie Eichhörnchenlein herauskommen. Auf einer Asienrundreise traf Stefan nette Ungar:innen, denen er von den damals schon bestehenden Plänen berichtete, eine Kaffeerösterei und Café mit einem Eichhörnchen als Logo und Maskottchen in Stuttgart zu eröffnen. Davon inspiriert, brachten sie ihn auf den Namen Mókuska.
„Das hatte mitunter zur Folge, dass ich am Anfang sehr oft von ungarischstämmiger Kundschaft auf Ungarisch angesprochen wurde, weil natürlich alle dachten, ich würde die Sprache auch sprechen“, erinnert er sich lachend. Er selbst hat es mit seinem Nachnamen auch nicht leicht, sagt er: „Leute, die wissen, dass ich im Schwabenländle wohne, machen aus ‚Dachale‘ gerne Dacherle – klingt schwäbischer.“
5: Fünf oder Five
Mit der Ziffer-Schreibweise macht man’s der Leserschaft nicht einfach: Heißt das Gourmetrestaurant mit Michelinstern und angeschlossener Bar und Café nun Fünf, Five, Cinque…? Küchenchef Alexander Dinter klärt auf: „Es heißt Fünf. Angelehnt an die fünf Leitlinien des Restaurants: ‚Augenblick, Leben, Leidenschaft, anders, frei‘.“ Die fünf am Eingang prangenden Wörter seien Kern der Unternehmenskultur des 2011 eröffneten Lokals, das seitdem für moderne, unprätentiöse Spitzenküche in Stuttgart steht.
Wenn’s mal in einer anderen Sprache ausgesprochen wird, auch nicht schlimm: Da die Gerichte im 5 von verschiedensten internationalen Küchen inspiriert sind, passe das auf eine andere Weise auch zum Konzept des Hauses, findet Dinter.
Paul & George: Paul und Georg oder Poool änd Tschordsch
Im Stuttgarter Sprachgebrauch wandeln die Aussprachevarianten irgendwo zwischen einem komplett englisch ausgesprochenen Paul and George und einem wilden Mischmasch der Sorte Paul (englisch) und (deutsch) George (wieder englisch). Was aber macht die Info mit einem, wenn man weiß, dass die Bar im Leonhardsviertel nach den beiden deutschen Architekten des im 19. Jahrhundert erbauten Hauses, Paul Schmoll und Georg Schmerlin, benannt wurde? Heißt das, man spricht’s eigentlich alles deutsch aus?
„Nein“, sagt Philipp Kirchmann vom Paul and George, „der Name wurde von Anfang an englisch ausgesprochen.“ Zum einen, weil sich die Inneneinrichtung an den Look von amerikanischen Bars in Zeiten der Prohibition in den 1920ern und 1930ern anlehnt. „Zum anderen, weil wir damit auch ein internationales Publikum ansprechen wollten.“
L.A. Signorina: El Äi Signorina oder La Signorina
Bei unserer Straßenumfrage gab es auch bei der L.A. Signorina keinen klaren Gewinner bei der Aussprache: Die eine Hälfte argumentierte mit den Punkten hinter den Versalien für ein englisch ausgesprochenes „L.A.“ wie die Abkürzung für Los Angeles, die andere damit, dass die Pizzeria am Marienplatz als auch der Begriff Signorina italienisch seien und es folgerichtig also nur La Signorina, übersetzt „die Dame“/“das Fräulein“, heißen kann.
Wie sich beim Besuch herausstellt: It’s L.A., Baby! Die Pizzeria schlägt eine Brücke zwischen L.A. und der Wiege der neapolitanischen Pizza: „Die Fronten der saisonalen Karten bilden den Sonnenaufgang in Los Angeles zur jeweiligen Jahreszeit ab“, erklärt Chiara Troiano, die gemeinsam mit ihrem Vater Francesco den Laden führt, und zeigt auf den pfirsichgelben Farbverlauf der Winterkarte. „Die weißen Pizzen sind außerdem benannt nach Straßen in Los Angeles, die roten nach Straßen in Napoli.“ Das also steckt hinter „Sunnyside Terrace“ und „Rancho Laguna“.
Harry’s Kaffeerösterei: Harry oder Härry
Bei Harry’s Kaffeerösterei darf man sich nicht vom englisch anmutenden Apostroph verwirren lassen: Harry wird deutsch ausgesprochen, nicht wie der Duke of Sussex, Prince Harry. Benannt sind die Rösterei, Cafés und Ladengeschäfte in Bad Wimpfen sowie in der Stuttgarter Innenstadt nach ihrem Gründer. „Und der heißt Harry“, sagt Tamara Rahm, die Tochter und heutige Geschäftsführerin des Familienunternehmens.
Wer die richtigen Aussprachen gerne im O-Ton hören möchte, klickt in unser Reel rein.