Vegane Wurst von Rügenwalder Mühle Wursthersteller erntet Shitstorm – und Solidarität

Von Sebastian Xanke 

Das Vorstellen ihrer neuen veganen Fleischalternativen hat dem Wursthersteller Rügenwalder Mühle einen Shitstorm eingebracht. Zahlreiche User und Internetpromis solidarisierten sich in der Folge mit dem Unternehmen und seinen Produkten.

Statt auf fleischliche Zutaten setzen vegane Produkte auf pflanzliche Inhaltsstoffe. Foto: dpa/Uwe Anspach
Statt auf fleischliche Zutaten setzen vegane Produkte auf pflanzliche Inhaltsstoffe. Foto: dpa/Uwe Anspach

Bad Zwischenahn - Der eine sieht sie als willkommene Fleischalternative, für den anderen sind sie Symbole des Niedergangs europäischer Kulturen: Vegan zubereitete Fleischprodukte, die statt tierischen, pflanzliche Zutaten beinhalten. Für das im niedersächsischen Bad Zwischenahn sitzende Unternehmen Rügenwalder Mühle hat diese Kluft am Mittwoch einen regelrechten Shitstorm bedeutet. „Nie wieder bei euch!“ und „Die Firma ist für mich gestorben!“, schreiben unzählige Nutzer des Kurznachrichtendiensts Twitter unter einen Post des Wurstherstellers. Was war geschehen?

Aus unserem Plus-Angebot: Wie gut ist vegetarische Wurst wirklich?

Der Hersteller hatte bereits vor einigen Tagen neue vegane Produkte vorgestellt, die nach Angaben des Unternehmens zu 100 Prozent mit Ökostrom hergestellt sein sollen. Deren Bezeichnungen reichen von “Mühlen Filet“ hin zu “Mühlen Hack“. Vielen Nutzern scheint gerade diese Namensgebung gegen den Strich zu gehen. Sie befürchten eine Verwechslungsgefahr zu mit Fleisch hergestellten Produkten.

In einer Stellungnahme erklärt Rügenwalder Mühle dazu: „Bei der Namensgebung unserer vegetarischen / veganen Produkte wollen wir bei Verbrauchern vor allem für Orientierung sorgen [...] Ähnlich wie bei alkoholfreiem Bier: Da kann sich auch jeder etwas darunter vorstellen, obwohl eines der zentralen Merkmale - der Alkohol – fehlt.“

Einigen Usern ging es jedoch um grundsätzlichere Positionen. Sie posteten Bilder von mit Fleisch zubereiteter Wurst und bezeichneten die veganen Alternativen als „geisteskranken Scheiß“.

Solidarität statt Hass

Die ersten Gegenstimmen zu dem Shitstorm ließen nicht lange auf sich warten – und bekamen prominente Unterstützung. So kommentierte Youtuber Rezo die teils hasserfüllten Tweets mit einem: „Ganz großes Uff in die Runde...“

Die Internetgrößen Gronkh und Pandorya wiederum erklärten öffentlich ihre Sympathie für die veganen Fleischalternativen. „Vielen Dank, dass ihr es Leuten wie mir ermöglicht, nicht auf den Geschmack verzichten zu müssen, obwohl man nach und nach umdenkt“, schrieb etwa Gronkh.

Auch Youtuber und Streamer Vik, besser bekannt als iBlali, findet die Reaktionen auf den Tweet des Wurstherstellers übertrieben.

Unternehmen reagiert gelassen

„Dass nicht alle Follower jeden unserer Posts super finden, damit können wir leben, denn egal ob Fleischfans, Flexitarier oder Veganer: Wir wollen niemanden bevormunden oder den Menschen vorschreiben, wie man sich zu ernähren hat“, teilt das Unternehmen mit. Die Community der Rügenwalder Mühle sei „sehr rege und am Dialog orientiert[e]“ – derartiger „Austausch“ sei also nicht ungewöhnlich.

Außerdem habe das Unternehmen neben der Kritik auch überdurchschnittlich viele positive Reaktionen bekommen. Diese seien eine „Bestärkung für uns, dass wir als Unternehmen auf dem richtigen Weg sind.“

Alternativen bereits seit 2014

Rügenwalder Mühle bietet nach eigenen Angaben seit Ende 2014 mitunter vegetarische Produkte im Sortiment an. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte der damalige Geschäftsführer und Inhaber des Wurstherstellers, Christian Rauffus, im November 2016: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir weg müssen von der Fleischmassenerzeugung.“

Diesen Kurs scheint Rügenwalder Mühle wohl auch beizubehalten. Unbeeindruckt von dem Shitstorm postete das Unternehmen am Dienstag auf Twitter ein Informationsvideo zum Thema nachhaltige Verpackungen.