Veganerin aus Überzeugung Genussvoll genießen, ganz ohne tierische Produkte

Von  

Selbstgemachtes Karotte-Apfel-Orange-Chutney und Zwiebelschmalz aus Kokosfett: Mareike Faul ist Veganerin. Für die Modeschülerin bedeutet dies eine ganzheitliche Lebenseinstellung.

Mareike Faul ist seit einem halben Jahr strikte Veganerin. Zuvor war sie erst Vegetarierin und verzichtete nach und nach auf immer mehr Tierprodukte. Foto: Leonie Hemminger
Mareike Faul ist seit einem halben Jahr strikte Veganerin. Zuvor war sie erst Vegetarierin und verzichtete nach und nach auf immer mehr Tierprodukte. Foto: Leonie Hemminger

Feuerbach - In Mareike Fauls Kühlschrank steht selbstgemachtes Karotte-Apfel-Orange-Chutney und Zwiebelschmalz aus Kokosfett. Am Fenster zum Balkon sind halbierte, bunt bemalte Sojamilchtüten aufgereiht, in denen Kresse und Radieschen-Samen gedeihen. Daneben stapeln sich alte Tomatensaft-Flaschen mit Linsen, Couscous und Haferflocken. „Ich bin ein kleiner Öko“, sagt die 21-Jährige und lacht.

Seit einem halben Jahr ist Mareike Faul strikte Veganerin, das heißt sie konsumiert keine tierischen Produkte. Sie isst also nichts, in dem Fleisch, Eier, Honig oder Milch enthalten sind. Auch bei Artikeln aus der Drogerie achtet sie auf das Zeichen der Sonnenblume, das vegane Produkte markiert. Alte Ledersachen, die sie noch besitzt, trägt sie auf, kauft aber keine neuen. „So gut es geht, nehme ich auch keine Medikamente – wegen der Tierversuche“, sagt die Feuerbacherin, die an der Kerschen­steinerschule Mode und Design studiert. „Vegan leben, das ist der einzig ethisch korrekte Weg“, ist sie sich sicher.

Ein fließender Übergang

Kein Fleisch zu essen, bedeutet für Mareike Faul keinen Verzicht, denn das hat ihr schon als Kind nicht geschmeckt. „Mit 16, 17 hab ich’s mal versucht, aber das fand ich total eklig.“ Der Übergang von der Vegetarierin zur Veganerin war für die 21-Jährige kein abrupter Schnitt, sondern fließend. Anfangs ließ sie Milch weg, weil sie die schlecht vertrug. „Das hat sich dann immer mehr gesteigert. Im Vordergrund war dabei der ethische Gedanke“, erinnert sie sich. Während ihre Klassenkameradinnen sich über Make-up und Nagellack unterhielten, beschäftigte sie sich mit Grundsatzfragen.

Allerdings verzichtete sie anfangs noch nicht konsequent auf Tierprodukte. „Ich war zu feige, Bekannten zu sagen, mach’ doch bitte was extra für mich.“ Den Schnitt, von Würzburg nach Feuerbach zu ziehen, nahm sie zum Anlass, auch gesellschaftlich zur Veganerin zu werden, wie sie es nennt. Bei Einladungen kündigt sie ihren Spezialwunsch seither entweder an oder bringt sich etwas zu Essen mit. „Ich bin nicht so verwöhnt, ich esse halt auch mal nur Nudeln mit Beilage“, sagt Mareike Faul. Und blöde Sprüche? „Da muss man drüberstehen.“ Wenn ihre Mitschüler in die Mensa gehen, setzt sie sich dazu und isst ihr mitgebrachtes Vesper. Die Leute, die von ihren selbst kreierten Gerichten etwas probieren, sind immer begeistert, erzählt die 21-Jährige. Sogar ihrer skeptischen, fleischliebenden Oma hätten ihre veganen Plätzchen gut geschmeckt.

Von Schokoaufstrich bis Tiefkühlpizza

Dass sie nicht jeden Imbiss an der Ecke besuchen kann, stört die Modeschülerin nicht, dafür kocht sie viel zu gerne selbst. „Ich bin ein saukreativer Mensch und lebe mich damit aus“, sagt sie. Außerdem sei das Angebot für Veganer inzwischen sehr groß, in jedem größeren Supermarkt reiche das vegane Sortiment vom Schokoaufstrich bis zur Tiefkühlpizza. „An Genuss mangelt es nicht. Oder sehe ich irgendwie unterernährt aus?“, sagt sie und lacht. Angst vor Mangelerscheinungen habe sie nicht, schließlich sei Antibiotika im Fleisch sicherlich nicht gesünder.

Veganerin zu sein, ist für Mareike Faul allerdings mehr als nur der Verzicht auf Tierprodukte. Vielmehr ist es für sie eine ganzheitliche Lebenseinstellung, bei der es darum geht, achtsam zu sein. Im Alltag fährt die 21-Jährige kaum mit dem Auto, wirft nach Möglichkeit keine Lebensmittel weg. Kleider kauft sie nicht mehr bei Geschäftsketten, die günstig in Asien produzieren lassen. Die Sachen, die sie auf Flohmärkten kauft oder die ihre Freundinnen ausrangieren und ihr schenken, sind zwar mitunter ebenfalls unter schlechten Bedingungen hergestellt, „aber wenn ich sie trage, werden sie wenigstens nicht weggeworfen“. Mit demselben Prinzip stellt die Modeschülerin aus Bettbezügen Kuscheltiere her, bastelt aus Knöpfen Ohrringe oder aus Zeitschriften Buttons oder sie näht aus benutzen Stoffen trendige Pullover. „Ich recycel aus alten Sachen neue. Damit versuche ich gerade, mir eine Existenz aufzubauen.“ Leben kann Mareike Faul davon noch nicht, weshalb sie neben ihrer Ausbildung jobbt: als Kellnerin in einem vegetarisch-veganen Restaurant in Feuerbach.

Sonderthemen



Unsere Empfehlung für Sie