Veganes Gold und Viegan Zwei vegane Restaurants öffnen, zwei beliebte schließen

Alexandra Donath hat das Restaurant Veganes Gold eröffnet (li.), Thanh Tinh Le serviert im Viegan Pho-Suppe. Foto: Lg/Max Kovalenko, Leif Piechowsky

IN der veganen Restaurantszene gibt es mit Veganes Gold und Viegan wieder zwei Sprößlinge in Stuttgart. Die Nachfrage nach rein pflanzlicher Küche ist offenbar groß. Für Körle und Adam sowie den Ladies Diner ist es sogar zu viel Geschäft geworden.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Alexandra Donaths Kopf „rattert beständig“. Lauter Rezepte purzeln dabei heraus, zum Beispiel Spitzkohl mit Tofu-Bacon, schwarzem Knoblauch und Biersoße oder Sellerie mit Süßkartoffel, Lauch, Kokos und Café-de-Paris-Sauce. Seit vier Jahren ernährt sich die 38-Jährige rein pflanzlich – und im Nachhinein betrachtet konnte ihr Weg nur in ein eigenes Restaurant führen. Mitte Oktober startete sie ihr Lokal „Veganes Gold“ im Stuttgarter Westen. In der Stadtmitte serviert Thanh Tinh Le ebenfalls erst seit ein paar Wochen vietnamesische Küche ohne tierische Produkte. „Es liegt an der Nachfrage“, erklärt der 21-Jährige die Eröffnung von Viegan. Allerdings müssen die Freunde der veganen Küche demnächst auch zwei Schließungen verkraften: Fürs Körle und Adam in Feuerbach ist am 14. Dezember endgültig der Ofen aus, fürs Ladies Diner in Esslingen läuft noch die Nachfolgersuche.

 

Zehn rein pflanzliche Restaurants in der Region Stuttgart

Von eins auf zehn in wenigen Jahren, so lautet die Bilanz für Stuttgart und die Region in Sachen vegane Restaurants. Der Soy Club startete Mitte 2023, im Köhler Stüble wird ebenfalls seither pflanzlich schwäbisch gekocht, Vegalena, Heaven’s Kitchen und das Energetic Life Café legten davor los. Mit Doendoen ist sogar der Döner rein pflanzlich geworden. Das Vhy ging im Juli 2021 an den Start, Super Jami Kitchen zählt mit neun Jahren seit der Gründung schon als Veteran. Und in Ludwigsburg sind die V-Bandits seit 2017 am Start. Nur King of Greens in Leonberg scheiterte: Nach vier Jahren musste Dominik Sacher für sein Lokal im Leo-Center Ende 2023 Insolvenz anmelden. In dem Einkaufszentrum kam er nicht auf ausreichende Kundenfrequenz.

Thomas Adam braucht erst einmal eine Pause vom Restarant. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone/Ferdinando Iannone

Alexander Körle und Thomas Adam, seit elf Jahren die veganen Pioniere in Stuttgart, geben ihr Geschäft trotzdem mit halbwegs gutem Gewissen auf. Ihr Lokal ist immer und auch bis zum Schluss ausgebucht. „Es wollen noch Tausende von Menschen zum Essen kommen“, berichtet Thomas Adam, der von dem Ansturm überwältigt ist. Dennoch bleibt er bei seinem Entschluss: „Irgendwann reicht es“, sagt der 60-Jährige, der das Feuerbacher Restaurant mit seinem Kompagnon Alexander Körle seit 24 Jahren betreibt. In seiner kleinen Küche bereitet er an einem Abend rund 100 Gerichte zu. Polentanocken mit Sauerkraut, Räuchertofu und Rotweinsoße gibt es aktuell unter anderem. Er und sein Kompagnon bräuchten nun einfach eine Pause – auch wenn die Gäste sie ständig vom Weitermachen überzeugen wollten. Von 15. Dezember an wird Körle und Adam Geschichte sein

Die meisten Stammgäste im Burger-Lokal sind geblieben

Jennifer Honnef vom Ladies Diner in Esslingen ist zum gleichen Schluss gekommen: Dabei hat sie erst vor einem Jahr und einem Monat das Fleisch von ihrer Speisekarte gestrichen, was für ein Burger-Lokal doch relativ revolutionär ist. Nur aus Milch hergestellter Cheddar-Käse und Vanilleeis stehen bei ihr noch als nicht vegane Produkte auf der Speisekarte. Nur zweimal hätte sich Gäste beschwert, dass es ihnen nicht schmecken würde, einmal hätten sie sich umgedreht und seien gegangen. „Das Publikum hat sich ein bisschen verändert“, sagt sie, „die meisten Stammgäste und viele Fleischesser sind aber geblieben.“ Die Umstellung sei richtig gewesen, findet sie deshalb, „ich haben noch nie so viele schöne Gespräche und positives Feedback erhalten“. Trotzdem soll zum Jahresende Schluss sein – nach mehr als 14 Jahren Selbstständigkeit will die 45-Jährige sich Zeit für sich nehmen. Interessenten für ihr Lokal gibt es, die Gespräche laufen noch.

Alexandra Donath startete mit ihrer Ernährungsumstellung erst einen Foodblog mit ihren Rezepten. Dann eröffnete sie mit Timo Hildebrand vom Vhy in der Stuttgarter Markthalle einen Stand für vegane Lebensmittel und Gerichte, der sich allerdings nicht lange hielt. „Das Angebot kam aber sehr gut an“, erzählt sie, „mir war schnell klar, dass ich mehr möchte.“ Von den Freunden und Kunden wurde sie darin bestärkt, ihre Marke Veganes Gold in ein Lokal zu verwandeln. An fünf Tagen gibt es in der Schlossstraße Frühstück und Lunch, Avocado-Brot, Reisnudeln mit Erdnusssoße und Scrambled Tofu mit Blattspinat zum Beispiel. Donnerstags bis samstags kocht sie auch ein Abendessen. „Der Markt ist da“, ist sich die 38-Jährige sicher. Kochkurse, Catering und Produkte bietet die Unternehmerin außerdem an. Mit dem Geschmack will sie ihre Gäste überzeugen und nicht mit den Zutaten. „Das ist sonst das falsche Signal“, weiß Alexandra Donath.

Die Gäste fragen zunehmend nach veganen Gerichten

Laut der Recherche von Trinh Viet Hoa vom Restaurant Akeno liegt sie damit genau richtig. In seinen beiden Lokalen in Stuttgart und Ludwigsburg fragten die Gäste immer öfter nach veganen Gerichten. Also entschloss sich der Onkel von Thanh Tinh Le, eine Alternative für die Gäste zu bieten, die sich gerne rein pflanzlich ernähren wollen. Sein Neffe kümmert sich um das Restaurant in der Straße Neue Brücke, weil er von der Familie am besten Englisch kann. „Es spricht ein jüngeres Publikum an“, berichtet er, und darunter seien viele internationale Gäste. An sieben Tagen in der Woche ist geöffnet, die Pho-Suppe und das Curry mit sechs verschiedenen Gemüsen und Tofu und Duftreis seien die Lieblingsgerichte. Die vietnamesische Küche bietet sich für vegane Gerichte an, nur an der Brühe für die Suppen musste der Koch ein wenig tüfteln, weil sie normalerweise aus Rinderknochen zubereitet wird. „Es wird immer besser“, sagt Thanh Tinh Le über die Resonanz seit der Eröffnung.

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