Veganes Hoffest in Remseck „Wir sind am Samstag überrannt worden“ – Kuchen, Burger und Co. kommen gut an

Auf der Speisekarte fanden sich Gerichte wie ein veganes Gulasch oder eine Schupfnudelpfanne mit Rosenkohl. Foto: Simon Granville

Das Vegane Hoffest des Hofes Leutenecker in Remseck zieht am Samstag so viele Besucher an, dass der Sonntag kurzfristig sogar abgesagt wurde. Eine Nachtschicht musste her.

Eigentlich war ja der Sonntag beim mittlerweile 4. Veganen Hoffest der Familie Leutenecker in Remseck über Instagram abgesagt worden. „Wir sind am Samstag komplett überrannt worden“, so Anja Beer-Leutenecker, eine der drei Töchter, die den elterlichen Hof als Veranstaltungsort etabliert haben: „Die Autoschlange stand zum Teil bis Oßweil.“ Dass vegane Kulinarik offensichtlich etliche Liebhaber findet, habe der Samstag deutlich gezeigt: „Einen solchen Ansturm hätten wir nicht noch einmal bewältigen können.“

 

Doch weil die Familie all jene Gäste, die sich vorab nicht im Internet informiert hätten, nicht enttäuschen wollte, fand das geplante Programm dann doch auch am Sonntag statt. Die Absage hat dennoch Wirkung gezeigt. Das Hoffest war zwar gut besucht, aber alles lief überschaubar ab. Das Dumme war nur: „Alles Essen, das für zwei Tage vorbereitet worden war, war beinahe schon am Samstag komplett verzehrt worden“, so die junge Unternehmerin. Eine Nachtschicht musste also her. „Zwar war das Kuchenangebot dann spärlicher, aber es gab für jeden genug.“

Kleine Messe ergänzt das Angebot

Ob Donauwelle, Brombeerkuchen, Snickers-Torte oder herzhafte Gerichte wie Kichererbsencurry, Pulled-Burger oder eine Schupfnudelpfanne mit Rosenkohl: Das Angebot wird auch am Sonntag eifrig von den Besuchern getestet. „Bei uns soll sich jeder willkommen fühlen“, sagt Beer-Leutenecker, die betont, dass bei dem Fest komplett alles vegan ist. Die meisten der befragten Gäste essen sonst schon gelegentlich auch Fleisch oder Fisch, freuen sich aber dennoch über die angebotene Vielfalt.

Die Besucher probierten sich durch das vielfältige Angebot. Foto: Simon Granville

So wie Gudrun Müller, die mit Tochter und Enkelin aus dem Kreis Esslingen angereist ist, um mal „etwas weg vom Fleisch zu kommen“. Sie staunt über das „tolle Ambiente und die Vielfalt auf dem Hof und dass alles so gechillt abläuft“. Das Ehepaar Dietz kommt direkt aus Remseck und ist zu Fuß gekommen. „Wir essen zwar auch Fleischprodukte, sind aber offen für Neues. Macht nix, wenn mal koi Fleisch dabei ist.“ Sie machen den Geschmackstest: Der Pulled-Burger erinnere ihn eher an „Gummi-Feta“. Seine Frau dagegen ist begeistert von der Schupfnudelpfanne mit Räuchertofu: „Das war superlecker und der Tofu gar nicht langweilig. Und man wird richtig satt.“

Andreas Holz wiederum nutzt das Hoffest, wie andere Anbieter auch, als Messe, um sich und seine Produkte bekannt zu machen. Holz hat im Herbst in Stuttgart die „Vegane Fleischerei“ eröffnet. Gulaschsuppe und Leberkäse stammen an diesem Sonntag dann auch von ihm. Zwar bekomme er in den Sozialen Medien oft auch negative Kommentare, im realen Leben aber kaum. „Hier ist überdies das netteste Publikum aller Zeiten“, kokettiert Andreas Holz.

Ist Veganismus auf dem Vormarsch?

Besucherin Jolanthe ist Hauswirtschaftsmeisterin und isst gerne auch mal Fleisch. „Der vegane Leberkäsweck aber hat mich positiv überrascht. Der war wirklich lecker. Es hätte vom Geschmack her auch Geflügel sein können.“ Ihr gegenüber sitzt Pascal Leisinger. Der stuft zwar die Konsistenz des Gulasch „als etwas seltsam“ ein, war vom Geschmack dann aber doch angenehm überrascht. Die Gruppe ist überzeugt, dass sich der vegane Trend weiter nach oben entwickelt. „Es ist heute auch viel einfacher, an die Produkte zu kommen, selbst im Supermarkt“, ergänzt Jolanthe.

Ein genießerisches Viererteam bildet auch eine vegan-vegetarisch orientierte Familie aus Schwäbisch Hall, die noch eine Freundin mitgebracht hat. Papa Dominik ist glücklich darüber, vorab nicht ins Internet geschaut zu haben: „Sonst wären wir jetzt gar nicht hier.“ Sein Fazit vom kulinarisch bunten Ritt durch die Speisekarte: „Wir würden sofort wiederkommen. Weil es unglaublich lecker ist. Und alles zu fairen Preisen.“ Die Erwachsenen, aber auch der siebenjährige Enno sind überzeugt, dass Veganismus sich ausbreiten werde: „Das mit dem Fleisch hört bestimmt auf, schon wegen dem Klimawandel.“

In einer Nachtschicht war unter anderem das Kuchenangebot wieder aufgefüllt worden. Foto: Simon Granville

Strikte Begrifflichkeiten und Festlegungen hingegen stören einige Besucher, so etwa einen jungen Mann aus Benningen. „Bewusste Ernährung ist für mich wichtig, aber es sollte alles nicht so festgefahren sein.“ Lutz Dannenberg etwa, der für alles offen sei, ist jedoch der Meinung: „Aus rein ideologischen Gründen vegan zu essen, halte ich für Quatsch. Von allem ganz normal zu essen, daran kann doch eigentlich nichts falsch sein.“

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