Venezianische Messe Drei Tage Venedig in der Barockstadt
Die Venezianische Messe hat zum ersten Mal seit 2018 wieder stattgefunden. Tausende kamen und haben sich von der Stimmung verzaubern lassen.
Die Venezianische Messe hat zum ersten Mal seit 2018 wieder stattgefunden. Tausende kamen und haben sich von der Stimmung verzaubern lassen.
Schon mal auf dem Ludwigsburger Marktplatz Walzer getanzt? Nein? Schade. Sollte man wirklich mal machen. Es ist schon ziemlich magisch auf der Piazza. Ludwigsburg hat sich für drei Tage in Venedig verwandelt. Die Rialtobrücke steht vor der evangelischen Stadtkirche, gleich werden dort beim Kostümdefilee die schönsten Masken und Gewänder präsentiert. Aber vorher dreht sich am Samstagabend die Barockstadt im Dreivierteltakt, der TSC Ludwigsburg tanzt den Schneeballwalzer mit dem Publikum der Venezianischen Messe.
Vorher, bei Tageslicht, geht es noch relativ überschaubar zu auf dem Marktplatz. Man flaniert an den Ständen vorbei, die Schmuck, Masken, Gewänder und mehr präsentieren. Man trinkt ein Gläschen Vino und lässt den Blick über die Piazza schweifen, Kostümträger aus der ganzen Welt bringen den venezianischen Karneval nach Ludwigsburg. Man lauscht der Musik – Arien, Operette, italienische Hits – man stärkt sich mit Pasta und Antipasti für die venezianische Nacht, die vor einem liegt.
Die Dämmerung kommt, und die Piazza wird voller und voller, die Kirchen tauchen in buntes Licht, Künstler und Besucher in fantasievollen Gewändern posieren für Fotos. „Die Stimmung ist überragend“, sagt Elmar Kunz, stellvertretender Geschäftsführer von Tourismus und Events Ludwigsburg.
Die Wettervorhersage hatte den Veranstaltern der Venezianischen Messe im Vorfeld Kopfzerbrechen bereitet. Und ja, bei der Künstlerprozession am Freitagabend vom Blühenden Barock in die Innenstadt kam ein ordentlicher Regen herunter. Auch am Samstagnachmittag blieb es nicht trocken, doch alles in allem war es dann doch besser als befürchtet. „Wir hatten größere Bedenken, aber wir sind zum Glück nicht im Wasser versunken.“ Und: „Niemand hat sich vom Regen die Stimmung trüben lassen“, so Kunz. Natürlich habe der eine oder andere im wertvollen Kostüm die Flucht ergriffen, als die Tropfen kamen, „aber sobald es trocken war, waren alle wieder da. Ein riesen Respekt an die Künstler.“
Der Blick auf den rappelvollen Marktplatz am Samstagabend habe versöhnlich gestimmt. Klar ist aber auch, dass die Besucherzahl von der letzten Venezianischen Messe 2018 nicht geknackt wurde. Damals waren es 55 000, die bei dem Ludwigsburger Event dabei waren. Angesichts des Wetters diesmal „werden wir dieses Niveau nicht erreichen“, so Kunz. Dazu hätten dann doch einige Spontanbesucher gefehlt. Genaue Zahlen werde es aber erst später geben.
Trotz der vierjährigen Pause der Venezianischen Messe – coronabedingt fiel das zweijährlich stattfindende Event 2020 aus – seien die Künstler und die Besucher der Veranstaltung treu geblieben, betont Kunz. Er freut sich vor allem über den Nachwuchs. Viele Familien mit Kindern waren auf dem Marktplatz, nicht wenige davon mit Maske. „Die Zukunft ist gesichert“, so Elmar Kunz.
Was ihn ebenfalls freut, ist, dass der Funke beim Publikum übergesprungen ist. „Die Leute haben mitgetanzt und mitgesungen.“ Und sie haben gestaunt und große Augen gemacht – bei Akrobatik, Musik, Schauspiel, Feuerzauber, Comedy, Stelzentheater und vielem mehr.
Auf zehn Spielflächen wurde Programm geboten. Auf der Piazetta hinter der evangelischen Kirche etwa artistisches Straßentheater rund um einen Café-Wagen mit atemberaubender Radfahrt und Zuckerwatte. Oder auf der Hauptbühne mit Liedern der Gruppo di Musica Popolare. Oder in der Kirche, wo ein Gondelpaar mit Akkordeon und Gesang den eher ruhigeren Part übernahm. Mit Tukkers Connexion war ein Retro-Stunt-Team vor Ort, das Teatro Due Mondi bespielte die kleine Bühne mit der Komödie „Rossini Flambé“, Lichtarello brachte eine Feuershow auf die Bühne, die Jugendstelzengruppe aus Ludwigsburg trat auf, das Stuttgarter Operettenensemble brachte Arien und Canzoni zu Gehör, und, und, und . . .
Drei Tage venezianischer Karneval also mit Licht- und Lasershow statt Feuerwerk, mit farbenfrohen Kostümen, mit Vino und Cappuccino, mit la Dolce Vita, mit gelöster Stimmung. „Man hat gemerkt, dass die Leute nach der langen Zeit förmlich danach gedürstet haben“, sagt Elmar Kunz. Das bisschen Regen am späten Samstagabend hat dann auch fast keiner mehr so richtig wahrgenommen. Und, mal ehrlich: Zum Karneval in Venedig ist das Wetter auch nicht besser. Im Gegenteil.