Vera Kosova ist die AfD-Kandidatin im Wahlkreis Nürtingen Ihr Ziel: Lernen und noch besser werden

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Vera Kosova wirbt im Bundestagswahlkampf um Stimmen für die Alternative für Deutschland (AfD). Es ärgert sie, dass viele Menschen der ernsthaften Diskussion über ihre Ziele aus dem Weg gehen.

Vera Kosova genießt die heimelige Atmosphäre in Echterdingen. Foto: Ines Rudel
Vera Kosova genießt die heimelige Atmosphäre in Echterdingen. Foto: Ines Rudel

Leinfelden-Echterdingen - Wird Vera Kosova eine fremdenfeindliche Gesinnung vorgeworfen, dann könnte sie viel dagegenhalten. Sie selbst stammt aus Usbekistan, ihre Mutter ist Jüdin, ihr Vater gehört dem griechisch-orthodoxen Glauben an und ihr Kind erzieht sie gemeinsam mit dem Lebenspartner in der römisch-katholischen Tradition. So weit ausholen kann die 34 Jahre alte Fachärztin der Kardiologie, die bei der Bundestagswahl am 24. September als Direktkandidatin für die Alternative für Deutschland (AfD) im Wahlkreis Nürtingen aufgestellt ist, in der Regel allerdings nur ganz selten. „Mit den Leuten, die uns am Informationsstand im Vorbeigehen als Nazis beschimpfen, ist kein Gespräch möglich“, sagt sie.

Vera Kosova sucht – auch im Wahlkampf, auch am Infostand auf der Straße – den demokratischen Diskurs. „Wir sind eine junge Partei. Wir lernen noch, und wir können noch besser werden. Konstruktive Kritik hilft uns dabei“, sagt sie. Im Gegenzug müsse eine demokratische Gesellschaft die ernsthafte Diskussion über das System aushalten und nicht, wie im Wahlkampf häufig geschehen, die AfD-Kandidaten bei Podiumsdiskussionen ausgrenzen.

Im Alter von 15 Jahren nach Deutschland gekommen

Als Vera Kosova und ihre Eltern im Jahr 1998 als jüdische Kontingentflüchtlinge in Hessen Aufnahme gefunden hatten, war auch sie mit Ausgrenzung konfrontiert worden. „Ich konnte kein Wort Deutsch. Es war nicht einfach damals, als junges Mädchen Fuß zu fassen“, erinnert sie sich. Sie hat Fuß gefasst, erfolgreich. Vor wenigen Wochen hat sie ihre Ausbildung als Fachärztin der Kardiologie in Heidelberg erfolgreich abgeschlossen. Jetzt erwartet sie das zweite Kind und überbrückt die Zeit mit einem freiberuflichen Lehrauftrag. Seit drei Jahren wohnt sie mit ihrem Lebenspartner in Leinfelden-Echterdingen. Dort hat sie auch ihren Herzensort gefunden. Im Dreieck zwischen Kirche, Rathaus und Gasthaus fühlt sie sich wohl. „Hier ist der Mittelpunkt des kommunale Miteinanders“, sagt sie.

Den Weg zur AfD hat sie über ihre eurokritische Einstellung gefunden. Drei Jahre lang hat sie sich mit dem AfD-Programm beschäftigt, im März 2016 schließlich hat sie die Mitgliedschaft beantragt. Inzwischen ist sie nicht nur zur Bundestagskandidatin im Wahlkreis Nürtingen gewählt worden, sondern auch zur Sprecherin im AfD- Kreisverband Esslingen.

Mehr Geld für das Gesundheits- und Sozialsystem

Die Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Union hält sie aufrecht. Die Millionen, mit denen das marode Griechenland unterstützt wird, würde Kosova lieber im deutschen Gesundheits- und Sozialsystem belassen. „Die Menschen hier müssen im Krankheitsfall immer mehr zuzahlen und das Rentenniveau sinkt immer weiter“, sagt sie. Beides bringe sie nicht zusammen mit den euphorischen Meldungen, wonach es dem Land so gut gehe, wie noch nie.

Das Wahlprogramm ihrer Partei ist für sie das Ergebnis eines basisdemokratischen Prozesses. „Es bildet ab, was ich fühle", sagt sie. Dem Lagerdenken – hier der liberal-wirtschaftliche Flügel, dort die national-konservativen Vertreter – erteilt sie eine Absage. Besonders am Herzen liegt ihr die Sozial- und Gesundheitspolitik, auch wenn sie zugibt, dass es der AfD als junger Partei auf diesem Feld noch an Kompetenz fehlt. Auch hier gelte: „Wir lernen noch, und wir können noch besser werden.“

Besser, so ihre Überzeugung, könnte die Gesellschaft in Deutschland werden, wenn sie am Beispiel der Schweiz lernen würde. „Die Möglichkeit, bei Volksentscheiden über den richtigen Weg abzustimmen hat dort auch zur Folge, dass im Alltag viel mehr über Politik und ihre Auswirkungen diskutiert wird“, sagt sie.




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