Verabschiedung von Rainer Arnold Sigmar Gabriel als Überraschungsgast

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Beim Abschiedsfest für das SPD-Urgestein Rainer Arnold ist an diesem Samstagnachmittag überraschend der deutsche Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel in Unterensingen aufgetaucht. Er ließ es sich nicht nehmen, sich persönlich bei seinem Weggefährten zu bedanken.

Rainer Arnold hat nichts davon geahnt, dass seine Genossen den Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (rechts) zu seinem Abschiedsfest eingeladen haben. Foto: Ines Rudel 9 Bilder
Rainer Arnold hat nichts davon geahnt, dass seine Genossen den Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (rechts) zu seinem Abschiedsfest eingeladen haben. Foto: Ines Rudel

Unterensingen - Es ist tatsächlich nichts durchgesickert. Bis zuletzt hatten die Genossen dicht gehalten, dass anlässlich der stimmungsvollen Abschiedsfeier für Rainer Arnold hoher SPD-Besuch ins Udeon nach Unterensingen kommen würde. Gegen 16.30 Uhr an diesem Samstagnachmittag wurde das Geheimnis gelüftet. Da betrat der noch amtierende deutsche Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel unter großem Beifall die Halle, um seinem langjährigen Weggefährten persönlich gute Wünsche für den Ruhestand zu überbringen. Und er wollte sich für dessen Arbeit – Arnold ist ein geschätzter Experte für Verteidigungspolitik – bedanken. Obwohl, das mit dem Dankeschön sagen sei in der SPD so eine Sache, scherzte der Überraschungsgast: „Aber wenn es geschieht, dann freut man sich ganz besonders.“

Großer Respekt über die Parteigrenzen hinaus

Es war Rainer Arnold in der Tat anzusehen, dass er sich über all die guten Wünsche und das Lob für seine Arbeit während fast zwei Jahrzehnten im Bundestag gefreut hat. Die Halle im Udeon war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nahezu die gesamte kommunale und regionale SPD-Prominenz war versammelt, aber es waren auch Politiker aus dem konservativen Lager der Einladung gefolgt. Dass Rainer Arnold sowohl beruflich als auch menschlich über die Parteigrenzen hinaus großen Respekt genießt, zeigte sich bei der Abschiedsparty einmal mehr.

Der Experte für verteidigungspolitische Fragen „wird fehlen“, ist sich Gabriel sicher, „menschlich, fachlich und politisch“. Der 67-Jährige habe Verantwortung übernommen, etwa wenn es um die Frage ging, ob deutsche Soldaten in Krisengebiete entsandt werden sollten. Dann habe er „mit Kompetenz, Erfahrung, Überzeugungskraft und Sensibilität“ zu einer Meinungsbildung und Entscheidungshilfe im Bundestag beigetragen, so Gabriel. Dabei habe er stets „Bodenhaftung und Weitblick“ bewiesen, was eine gute Haltung sei, „um sich den Herausforderungen der heutigen Zeit zu stellen“, so Sigmar Gabriel. Rainer Arnold sei ein Beispiel dafür, „dass man auch in Berlin nicht vergessen muss, was die Menschen bewegt“. Natürlich ließ sich Gabriel die Gelegenheit nicht nehmen, vor den Vertretern der Parteibasis auch auf die für die SPD bittere Bundestagswahl einzugehen und einen Ausblick auf die künftige Ausrichtung seiner Partei zu geben.

Doch im Mittelpunkt stand am Samstagnachmittag der Abschied von Rainer Arnold. Und der ließ es sich nicht nehmen, den musikalischen Rahmen gemeinsam mit befreundeten Musikern selbst zu gestalten. Gleich zu Beginn schaffte er es, innerhalb von zwei Minuten den ganzen Saal zum Mitsingen zu bewegen. Und nachdem er das von ihm auf schwäbisch komponierte, ein wenig melancholisch beseelte Lied „Zeit“ – nach der Melodie von Tom Waits’ Hit „Time“ – vorgetragen hatte, brandete Beifall auf, der nicht nur den scheidenden Abgeordneten durchaus rührte.

100 Reden und 1040 Gläser Sekt

Seine Mitarbeiter im Nürtinger Wahlkreis- und im Berliner Abgeordnetenbüro hatten einen Film vorbereitet, der einen Abriss seiner 19 Jahre als Bundestagsabgeordneter gab. In dieser Zeit hat er unter anderem genau 100 Reden im Plenum gehalten und sieben Wahlkämpfe geführt sowie angeblich 1040 Gläser Sekt getrunken und fünf Kilogramm an Gewicht zugelegt.

Jetzt bleibt Rainer Arnold Zeit, seinen Tagesablauf selbst zu bestimmen, wenn gleich er ehrenamtlich für eine friedliche, soziale und solidarische Welt arbeiten wolle. Doch künftig kann er nach Herzenslust musizieren, fotografieren wandern, radeln und reisen – das Wohnmobil steht schon vor dem Haus. Seine erste Reise im Ruhestand führt ihn mit seiner Frau Margit – man mag es kaum glauben – ausgerechnet nach Berlin, um die Stadt mit ihren Museen und Theatern auch einmal am Tag erleben zu können, wie er erklärte. Auf die vergangenen Jahre als Profi-Politiker blicke er gerne zurück: „Es war gut und jetzt kommt wieder etwas Gutes.“




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