Veränderung in Leinfelden-Echterdingen Ihr Fokus richtet sich wieder voll auf die Wirtschaft

Angelika Goldak hat als Wirtschaftsförderin der Stadt Leinfelden-Echterdingen große Firmen aber auch Kleinstunternehmer im Blick. Foto: Natalie Kanter

Angelika Goldak hat vier Jahre lang das Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung in Leinfelden-Echterdingen verantwortet. Nun hat sie das Stadtmarketing abgegeben. Was sind dafür die Gründe, welche Vorteile hat das?

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Ein Treibhaus für Neuunternehmen zu schaffen, einen Ort, an dem sich Gründerinnen und Gründer ausprobieren können – das ist eine Vision von Angelika Goldak, die immer konkreter wird. Die Ausschreibungen für das temporäre Gründer- und Technologiezentrum vorzubereiten, das in Leinfelden auf einer städtischen Fläche an der Max-Lang-Straße entstehen soll, ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben in den kommenden Monaten. Jungunternehmer werden dort an die Hand genommen, müssen weniger Miete zahlen. „Die Stadt ist der Initiator. Ein Investor und ein Betreiber werden noch gesucht“, sagt sie.

 

Die 58-Jährige will dazu beitragen, dass sich Betriebe in der Stadt ansiedeln, dort im besten Fall bleiben, vor allem nicht ins Ausland abwandern. Dafür brauche die Wirtschaft gute Rahmenbedingungen. Dafür müssten maßvoll neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden. Bestehende Gebiete – wie im Echterdinger Norden – gelte es neu zu ordnen. „Wir haben mittlerweile sehr viele Dienstleister in Leinfelden-Echterdingen“, sagt sie. Der Raumbedarf habe sich verändert.

Seit Juli hat Angelika Goldak wieder mehr Zeit, sich um die Belange der örtlichen Wirtschaft zu kümmern, Gespräche zu führen, ihre Lotsenfunktion und Vermittlerrolle auszufüllen. Sie will Brücken zwischen den Unternehmen, der Stadtverwaltung, Verbänden und Partnern wie der Industrie und Wirtschaftsvereinigung, dem BdS und der IHK bauen. Angelika Goldak hält die Bestandspflege für besonders wichtig. 3000 Unternehmen gibt es im Stadtgebiet. „Der breite Sockel sind Single- und Kleinstunternehmen“, sagt sie. Sie ist nun wieder ausschließlich die Wirtschaftsförderin der Stadt Leinfelden-Echterdingen.

Ein emotionaler Prozess

„Ich bin das sehr gerne“, sagt sie. Auch wenn es ihr überhaupt nicht leicht gefallen sei, das Feld des Stadtmarketings, das sie in den vergangenen vier Jahren neu aufgestellt hat, wieder loszulassen und sich von den Kolleginnen, die sie für das Team ausgesucht hat, zu verabschieden. „Das war auch ein emotionaler Prozess“, sagt sie. Das Stadtmarketing von Leinfelden-Echterdingen wurde in eine GmbH ausgegliedert, die nun bei der Filderhallen GmbH angedockt ist. Hintergrund: Diese Unternehmensform darf mehr als die Stadtverwaltung. Beispielsweise ist sie nicht dem Neutralitätsgebot unterworfen, wie das eine Kommune ist. Sie darf mehr Werbung für Institutionen und Vereine betreiben.

Nils Jakoby ist der Geschäftsführer der neuen Stadtmarketing- und Filderhallen GmbH, deren Gesellschafterin die Stadt ist. Isabelle Scheinig leitet das Geschäftsfeld Stadtmarketing. Es wird mit Volldampf an einer neuen Stadtmarketing-Homepage gearbeitet, die laut Jakoby im Dezember ans Netz gehen wird. Auf Instagram und Facebook und dem Stichwort „LE erleben“ finden sich erste Informationen.

Alles hatte damit angefangen, dass im Herbst 2019 ein Maßnahmenpaket zum Stadtmarketing von vielen Stadträten abgeschmettert worden war. „Zu wenig Konzept, zu viel Sammelsurium, zu wenig Bürgerbeteiligung“, lautete damals deren Einschätzung. Es galt, das Aufgabenfeld neu aufzustellen. Dafür hatte der damalige Rathauschef Roland Klenk dann Angelika Goldak ausgesucht. Von März 2020 an hatte sie eine Doppelfunktion: Sie leitete die Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. „Da war ordentlich Druck dahinter“, sagt sie. „Der Gemeinderat wollte, dass man aktiv wird.“ Das Ziel: Die Identität der Bürger mit ihrer Stadt und das Image der Stadt nach außen fördern. Eine Maßnahme dafür war die sogenannte LE-Card . Inhaber dieser Einkaufskarte können in Leinfelden-Echterdingen von Rabatten profitieren. Städtische Angestellte genießen Vorteile. Damit dient sie auch der Mitarbeitergewinnung.

Es wurde der Initiativkreis Stadtmarketing gegründet, indem Akteure der Werbegemeinschaft Echterdingen, des Verbundes Leinfelder Geschäfte und des Bundes der Selbstständigen, aber auch andere Gesichter auftauchten. Man wollte den Ortsmitten von Echterdingen und Leinfelden ein eigenes Profil geben und Leerstände beheben. Gleichzeitig war da die Pandemie mit all ihren Einschränkungen, Regeln und Gesetzen. Angelika Goldak hat in regelmäßigen Mailings an die Unternehmer und Selbstständigen versucht, die jeweiligen Verordnungen zu erklären und klarzustellen, was diese für die örtlichen Betriebe bedeuten.

Aus dem Initiativkreis kam dann der Ruf danach, eine GmbH zu gründen, berichtet sie. Man habe sich dadurch mehr Flexibilität und eine höhere Geschwindigkeit versprochen. Die Wirtschaftsförderin musste das Stadtmarketing loslassen, ist sich aber sicher, dass auch künftig die Themen ihres Teams mit jenen der neuen GmbH eng verknüpft sein werden. Der Austausch miteinander müsse eine geübte Praxis werden. „Denn wir haben sehr viele Schnittmengen“, sagt sie.

Verbunden mit der Natur

Herkunft
Angelika Goldak ist auf einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb bei Tübingen aufgewachsen. Sie habe eine besondere Beziehung zur Natur, sagt sie. Ihr sei die Koexistenz von Wirtschaft und Landwirtschaft wichtig.

Ausbildung
Die 58-Jährige kommt aus der Verwaltung, hat Immobilienfachwirtin gelernt und ein Teilzeitstudium Wirtschaftsförderung absolviert. Im November 2007 hat sie bei der Stadt Leinfelden-Echterdingen angefangen. Sie war zunächst persönliche Referentin des damaligen Oberbürgermeisters Roland Klenk.