Verärgerte Anwohner in Stuttgart-West Die Polizei betont: Am Feuersee geht es um Befriedung

Junge Menschen feiern am Feuersee in Stuttgart-West. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Anwohner in Stuttgart-West ärgern sich über nächtliche Ruhestörung und vermüllte Plätze. Der Vorwurf: Die Polizei tue nichts gegen die Feierwütigen. Doch die Beamten verteidigen ihr Vorgehen.

S-West - Am Feuersee geht es seit Wochen rund. Müllberge und Ruhestörungen überschatten die Stimmung zusehends. Angesichts dieser Zustände fühlen sich Anwohner schutzlos und werfen die Frage nach der Rolle der Ordnungskräfte auf. Warum, fragen sie, bekommen Ordnungsamt und Polizei die Lage nicht in den Griff? Stundenlang dauere es, bis eine Streife nach einem Anruf eintreffe – wenn überhaupt. Ein weiterer Vorwurf: Die Beamten treten zu „handzahm“ auf, wie es heißt, lassen sich von den Feierwütigen einlullen, statt sie zu maßregeln.

 

Ordnungskräfte, die nachts am See patrouillieren?

Die CDU-Fraktion im Bezirksbeirat West hat jüngst in einem Antrag gefordert, die Stadt solle Ordnungskräfte abstellen, die auch nachts am See patrouillieren. Bislang wird die Polizei bis 23 Uhr vom Gemeindevollzugsdienst unterstützt. Doch die Stadt winkt ab: „Mit der aktuellen personellen Ausstattung sind nächtliche Kontrollen nicht möglich“, sagt Stadtsprecherin Nora Lenz-Gaspary auf Anfrage. Mit dem Antrag will die Fraktion die Polizei unterstützen. Denn den schwarzen Peter will man nicht ihr allein zuschieben.

Das Revier ist gleich für mehrere Hotspots zuständig

Stefan Hartmaier, Leiter des Reviers 3, sagte vor Kurzem bei seiner Vorstellung im Bezirksbeirat, die personelle Ausstattung des Reviers sei gut, auch wenn man gleich für mehrere Hotspots zuständig sei, darunter neben dem Feuersee auch für den Marienplatz und den Erwin-Schoettle-Platz. Genau genommen arbeiten zwischen 100 und 140 Beamte auf dem Revier, womit es laut Polizeisprecher Stefan Keilbach eines der größeren in der Stadt ist. Damit nicht genug: Wenn im Revier „High Noon“ herrscht, können auch Kräfte aus anderen Revieren zur Unterstützung anrücken. Zudem, so Keilbach, werde das Revier von Kräften der Sicherheitskonzeption Stuttgart unterstützt. Im Rahmen der Initiative von Bundespolizei, Polizeipräsidium und Stadt Stuttgart sind an den Wochenenden zusätzliche Schutzpolizisten in der Innenstadt im Einsatz, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen zu verbessern.

Straftaten haben Priorität vor Ordnungswidrigkeiten

Doch warum lassen die Beamten trotz dieser eigentlich guten Voraussetzungen die durch den massiven Lärm gestörten Anwohner stundenlang warten? Dafür führt Keilbach mehrere Gründe an. „Es gibt Nächte, in denen die Streifen mit erheblichen Straftaten beschäftigt sind“, sagt er. Diesen gehe man zuerst nach, bevor man auf Ordnungswidrigkeiten wie Ruhestörungen reagiere. „Es ist okay, die Polizei wegen einer Ruhestörung anzurufen. Aber Vergewaltigungen, Betäubungsmitteldelikte oder Auto-Poser sind einfach wichtigere Einsatzlagen“, so der Sprecher.

Die Beamten seien derzeit zudem damit beschäftigt, die Einhaltung der Coronaregeln zu kontrollieren – auch das schaffe Mehrarbeit. Die nächtlichen Massenaufläufe am Feuersee lassen aber selbst einen erfahrenen Polizisten wie Stefan Keilbach staunen. Zwischen den Zeilen lässt er durchblicken, dass es eine einfache Lösung für die Gemengelage nicht geben werde. Bei einer Ansammlung von mehreren hundert Menschen könne man nicht einfach mit einem Mannschaftswagen ankommen und „massiv auftreten“. Das, so Polizeisprecher Keilbach, würde eher zu einer Eskalation führen. Stattdessen gehe es um die Befriedung der Situation. Von der Idee, den Konflikt einfach durch ein größeres personelles Aufgebot zu lösen, dürfe man sich deshalb nicht allzu viel versprechen.

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