Etliche Straßenfeste sollen auf der Kippe stehen. Foto: Lichtgut
Stuttgarter Stadtteilfeste stehen auf der Kippe. Der Grund: mögliche neue Auflagen der Stadt. Müssen wir bald aufs Land fahren, um wieder richtig zu feiern?
Laue Sommernächte, ein Getränk auf der Bordsteinkante, Livemusik und fröhliches Stimmengewirr, das durch die Gassen schallt – in den warmen Monaten versüßen Stadtteilfeste, Hocketse und Partys im Quartier einem regelrecht das Leben.
Nun sollen jedoch etliche dieser Feste auf der Kippe stehen. Aufgrund von Beschwerden von Anwohnern, aber auch wegen grundsätzlicher Fragen etwa zur Sicherheit, habe es bei den Ämtern der Stadt Gespräche über mögliche neue Auflagen gegeben, erklärt der Bezirksvorsteher von Stuttgart-West, Bernhard Mellert. Auch die Stadt Stuttgart bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass derzeit entsprechende Gespräche geführt werden. Wie mögliche neue Auflagen konkret aussehen könnten, lässt sie bislang jedoch offen.
Werden es am Ende einige wenige schaffen, alles Lebenswerte wegzuklagen, bis in der Landeshauptstadt selbst im Sommer ab 19 Uhr sprichwörtlich die Gehsteige hochgeklappt werden? Finden Spaß und Ausgelassenheit künftig nur noch im Urlaub statt? Schwärmen Sabine und Günther nach der Rückkehr aus Italien noch davon, wie lebendig es war, dass selbst um 22 Uhr noch Trubel durch die Gässchen und Piazze zog – um dann in Stuttgart ein Straßenfest zu verdammen, das sie drei Nächte lang um den Schlaf bringt?
Feste wie die Westallee, das Feuerseefest oder die Lange Ost-Nacht locken nicht nur viele Menschen auf die Straßen Stuttgarts. Sie verbinden auch die Nachbarschaft – zumindest für ein paar Momente. Schließlich wohnt man nicht nur im selben Viertel, geht zur Arbeit, ringt um die letzten Parkplätze oder streitet über Räum- und Streupflichten im Winter.
Das Heusteigviertelfest, wie man es kennt, findet auch im Jahr 2026 nicht statt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Lasst uns (wenigstens ein bisschen) laut sein!
Man darf auch einmal das Leben feiern. Und ein bisschen laut sein. Von mir aus auch ein bisschen unvernünftig.
Müssen wir bald alle in einem gemieteten Bus nach Hintertupfingen fahren, um mal wieder ein bisschen Spaß auf einem Dorffest zu haben? Was in der Provinz das Feuerwehrfest ist, sind in der Stadt eben die Stadtteilfeste: Momente der generationenübergreifenden Enthemmung, der Leichtigkeit, des gemeinsamen Feierns. Ich möchte jetzt nicht wie jemand aus dem Stadtmarketing klingen – aber genau das sind am Ende doch die Dinge, die das Leben in einer Stadt und in einer lebendigen Nachbarschaft wirklich lebenswert machen.