Die neue Landesbauordnung will Bürokratie verringern, auch Bauen im Bestand erleichtern. Eine Chance für die Esslinger Altstadt? Das ist Thema beim Altstadtviertele.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Wohnraum schaffen, ohne Charisma, Charme und Charakter der Esslinger Altstadt zu beeinträchtigen: Neue Lockerungen im Baurecht sollen das ermöglichen. Um bauliche Veränderungen in der denkmalgeschützten City geht es beim nächsten Altstadtviertele am Donnerstag, 3. Juli.

 

Der Denkmalschutz soll jedoch nicht ausgehebelt werden. Die Arbeit der Behörde sei wichtig und notwendig, betont Rena Farquhar, Referentin beim kommenden Altstadtviertele. Aber für alle, denen beim Ämter-Jogging der Atem auszugehen drohe, seien Erleichterungen im Baurecht geschaffen worden. Farquhar kennt sich aus: Als Referatsleiterin für Bauordnungsrecht im Stuttgarter Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen war die Esslinger FDP-Stadträtin an der Novellierung der Landesbauordnung (LBO) beteiligt.

Drei- bis viermal im Jahr greift das Esslinger Altstadtviertele heiße Themen auf. (Archivfoto) Foto: Roberto Bulgrin

Mitte März hatte der baden-württembergische Landtag die Neuerungen ihren Angaben zu Folge abgesegnet, und sie sehen auch eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren vor. Wer in der Esslinger Altstadt im Bestand bauen möchte, muss zunächst einmal alle erforderlichen Unterlagen zusammensuchen und einen Antrag stellen, sagt Farquhar. Das müsse weiterhin gemacht werden. Doch sollte die Bearbeitungsbehörde innerhalb von drei Monaten nichts von sich hören lassen, gelte die Anfrage als genehmigt. Aber natürlich nur, wenn alle erforderlichen Unterlagen vorliegen, betont Farquhar noch einmal. Mancher Behörde werde damit zwar eine bittere Kröte zum Schlucken gegeben, aber angesichts von knappem Wohnraum, hohen Preisen und teuren Mieten sei dringend Handlungsbedarf gegeben.

Ausbau von Dachgeschossen in der Esslinger Altstadt

Bauen im Bestand soll aber auch auf andere Weise erleichtert werden. Unter dem Titel „Die neue LBO als Wendepunkt?“ möchte Rena Farquhar beim Altstadtviertele Beispiele für die Anwendung in der Innenstadt anführen. Der Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnungen etwa könne nun preisgünstiger erfolgen. Der Speicher selbst müsse bei einem solchen Vorhaben nach den Vorgaben des Brandschutzes zwar weiterhin ertüchtigt werden. Die Wände im restlichen Teil des Gebäudes müssten gemäß der neuen Landesbauordnung aber nicht mehr feuerwiderstandsfähig gestaltet werden: „Unten im Haus müssen Bauherren fast nichts mehr machen“, teilt die Stadträtin mit. Viel Geld könne so gespart werden.

Bei ihrem Vortrag wird es vor allem um die Auswirkungen der LBO-Gesetzänderungen auf Esslingen gehen. In einem zweiten Impulsreferat möchte der Esslinger Architekt Stefan Bräuning nach eigenen Angaben „anschauliche Beispiele der letzten 15 Jahre für das Bauen im Bestand der Esslinger Altstadt vorstellen“. Zum Großteil würden Wohnhäuser und gemischt genutzte Gebäude thematisiert. Eingegangen wird an dem Abend auch auf aktuelle und künftige Projekte in der Altstadt.

Aktuelle Themen bei Veranstaltungsreihe Altstadtviertele

Vereinfachte Bauprozesse sind also der Inhalt des nächsten Esslinger Altstadtvierteles. Die Veranstaltung am Donnerstag, 3. Juli, um 19 Uhr im Bürgersaal des Alten Rathauses wird von Pfarrer Christoph Schweizer moderiert. Der Eintritt ist frei. Zur Stärkung gibt es Brezeln, Esslinger Wein und weitere Getränke.

Drei- bis vier Mal im Jahr nimmt sich das Esslinger Altstadtviertele unter dem Dach des örtlichen Geschichts- und Altertumsvereins (GAV) aktuelle Themen vor, die Bürgern unter den Nägeln brennen. Die Problemstellung wird in kurzen Impulsreferaten angeschnitten, um dann im Plenum diskutiert zu werden. Unterschiedliche Moderatoren begleiten durch die Abende.