Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer blickt zurück und nach vorn – und freut sich über seinen Amtskollegen aus Niedersachsen.

Ohne Handschlag fand er statt, dafür seit dem Beginn der Coronapandemie wieder in der Gemeinschaftshalle, der „guten Stube“: Der Einladung Thomas Schäfers (CDU) zum Neujahrsempfang folgten am Sonntag viele Bürgerinnen und Bürger. Der Rathauschef freute sich auch darüber, dass er den Bürgermeister der Stadt Hemmingen in Niedersachsen höchstpersönlich begrüßen konnte, der später heiter seine Heimat vorstellte.

Hemmingen besucht Hemmingen

Trotz Corona und obwohl „der geschätzte Kollege“ Claus-Dieter Schacht-Gaida (SPD) nun im „wohlverdienten Ruhestand“ sei, seien die Kontakte nicht abgerissen – wie das auch der Besuch der Macher der Bauhofkultur bei der Eröffnung des Bauhofs in der Saarstraße gezeigt habe, so Schäfer, als er Schacht-Gaidas Nachfolger Jan Dingeldey (CDU) willkommen hieß.

Und dann eine Neujahrsansprache hielt, die „ein wenig in Moll gefärbt“ sei, weil dies auch die Zeiten seien. „Wir erleben Krisen, die sich überlagern, teilweise gegenseitig verstärken, teilweise bedingen. Die Gleichzeitigkeit der Krisen fordert Staat und Gesellschaft enorm“, stellte Schäfer fest und auch, dass „die Krise sich zum Normalzustand entwickelt hat“. Auf die Flüchtlingskrise 2015 bis 2017 sei die Pandemie gefolgt, dann der Krieg in der Ukraine mit „multiplen Krisen nebeneinander“ als Folge: Flüchtlinge, Inflation, eine unsichere Energieversorgung – „und über allem die auch in Europa immer spürbarer werdende Klimakrise“. Da „wir uns in einem multiplen Krisenmodus befinden“, sei gesellschaftlicher Zusammenhalt wichtiger denn je.

„Wachstum mit Maß und Ziel“

Aber: Die Leistungsfähigkeit des Staates, der Städte und Gemeinden habe ihre Grenzen erreicht, die Gesamtheit der staatlichen Leistungsversprechen sei nicht mehr erfüllbar. „Es geht darum, auch künftig das für die Legitimation von staatlichem Handeln wichtige Vertrauen in den Staat und die Demokratie zu sichern“, betont Schäfer. Die Leistungsfähigkeit des Staates sei ein elementarer Vertrauensfaktor.

Trotzdem, freilich sei nicht alles schlecht: Der Bauhof wurde neu gebaut, die Kita Laurentiusstraße wird zurzeit errichtet. Das Baugebiet „Südlich der Pestalozzistraße“ nimmt Gestalt an, ebenso das Bahnhofsareal. Dabei sehe die Gemeinde „Wachstum mit Maß und Ziel“ vor und habe zugleich immer die Ausgaben wie Einnahmen im Blick. Auch deshalb will Hemmingen verstärkt mit anderen Kommunen zusammenarbeiten, im Sinne eines interkommunalen Gewerbegebiets in Schwieberdingen etwa, das höhere Gewerbesteuereinnahmen bringt. In Kürze wisse man, ob das Gebiet realisiert werden könne oder nicht, sagte Schäfer. Vor dem Hintergrund der Suche nach einer neuen Deponie meinte der Bürgermeister, er sei sich sicher, „dass wir in den nächsten Monaten weiterhin wachsam werden bleiben müssen“.

„Quantensprung in Sachen Digitalisierung“

Zu den „sehr positiven Entwicklungen“ zählt der Rathauschef den Umbau von Edeka und Aldi. Ein „richtiger Quantensprung in Sachen Digitalisierung“ stehe noch ins Haus: Die Telekom baut die Ortslagen von Hemmingen flächendeckend mit Glasfaser aus. Der Rasenplatz auf der Sportanlage wird erneuert, ein Beachvolleyball-Feld entsteht, nach den Sommerferien werden im Neubau der Glemstalschule schon Schüler unterrichtet. Auch hat der Gemeinderat beschlossen, den Bereich zwischen Altem Rathaus, Bibliothek und Gebäude Hauptstraße 4 künftig Werner-Nafz-Platz zu nennen. Die Umbenennung werde vorgenommen, wenn das 40-Jahr-Bestehen der Bücherei gefeiert wird.