Wie bleibt Familie Familie, wenn der Job ruft? Finkbeiner, Tress und Meissner-Bebrout sind zu Gast bei unserer Veranstaltung „Family Business in der Gastronomie“. Melden Sie sich an!
Sonntag ist Familientag bei den Finkbeiners in Baiersbronn. Dann gibt es gefüllte Paprika oder Spätzle mit Linsen und Saitenwürstchen. Gekocht von Sebastian Finkbeiner, der das Küchenhandwerk von der Pike auf gelernt hat und schwäbische Hausmannskost zu schätzen weiß. Auch seine Eltern Renate und Heiner kommen oft vorbei zum Sonntagsschmaus. Die Themen? Das Weltgeschehen, die Kinder. Doch meistens dauert es nicht lange, bis das Kerngeschäft der Traube Tonbach zur Sprache kommt. In einem so großen Familienunternehmen bleibt das Geschäftliche auch am Familientag präsent – selbst am Sonntag.
Wie gelingt das: der Spagat zwischen Familienunternehmen und Familienleben? Wie tritt man in die Fußstapfen der Eltern und kann gleichzeitig Innovationen vorantreiben? Wie lassen sich neue Geschäftsfelder entwickeln? Und wie arbeitet man als Paar zusammen, wenn man nicht aus einer Gastronomen-Familie kommt?
Vier Gastronomen, ein Thema: Family Business
All diese Themen werden am Mittwoch, 25. Februar 2026, bei Treffpunkt Foyer und StZ im Gespräch diskutiert.
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Sebastian Finkbeiner kommt aus Baiersbronn angereist, Simon Tress von der Schwäbischen Alb sowie Alina Meissner-Bebrout mit ihrem Mann Steffen aus Ulm. So unterschiedlich ihre Konzepte sind – sie eint alle, dass sie ihr Unternehmen als Familien führen.
Simon Tress war, wie er heute sagt, ein „typischer Koch“: ständig unter Strom, mitunter cholerisch. Getrieben vom Erfolg, nimmt er mit der Nationalmannschaft der Köche an Wettbewerben teil, kocht für Politiker und Bands wie Iron Maiden. Die Nachricht, dass es seinem Vater gesundheitlich schlecht geht, erreicht ihn in Brasilien. Er kommt so schnell es geht zurück auf die Schwäbische Alb, nach Ehestetten, einem kleinen Ort mit nicht einmal 500 Einwohnern. Der frühe Tod des Vaters stellt die Familie, bestehend aus vier Brüdern und der Mutter Inge Tress, vor große Herausforderungen. Wie soll es weitergehen? Wie kann man an das bereits Erreichte anknüpfen?
Bereits 1950 stellte der Großvater von Simon Tress den Betrieb auf Demeter um und war damit seiner Zeit weit voraus. Und auch das, was Simon Tress heute im Feinschmeckerlokal 1950 anbietet, ist zukunftsweisend: Alle Zutaten – mit Ausnahme des Salzes – stammen aus einem Umkreis von maximal 25 Kilometern. Dreimal im Jahr wechselt die Speisekarte. Laut Simon Tress soll nichts verschwendet werden.
Seit 2024 wird das Restaurant mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Simon Tress ist nun Sternekoch, aber vor allem auch Unternehmer mit seinen Brüdern. Die Familie betreibt unter anderem das Restaurant Rose, den Gasthof Friedrichshöhle, die Wimsener Höhle und eben das 1950. In jedem gut sortierten Supermarkt findet man die Konterfeis der vier Brüder auf Suppen- und Curryverpackungen. Heute steht Tress vor neuen Herausforderungen: Wie kann ein Bio-Sternekoch Convenience Produkte anbieten? Wie liefert man Qualität an Kantinen und Schulen? Wie viele Mitarbeitende braucht es für Restaurants am Bodensee und im Alnatura Campus Darmstadt? Und wie bleibt Zeit für die Familie?
Traube Tonbach – Sternenglanz in Baiersbronn
Sebastian Finkbeiner (45) kennt die Hotellerie von Kindesbeinen an. Ob die Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten wollen, um die Geschäfte des renommierten Hotels Traube Tonbach mit der dreifach besternten Schwarzwaldstube zu übernehmen, war ihnen freigestellt. Bedingung aber war: Erfahrungen mussten andernorts gesammelt werden. So lernt Sebastian Finkbeiner Koch, mit Stationen wie dem Tantris in München unter Hans Haas. Er geht nach Irland, um sein Englisch zu verbessern, studiert an der Fachhochschule, macht den Bachelor in Hospitality Management in Melbourne, macht ein Management-Training in Thailand, um dann mit 29 Jahren in den elterlichen Betrieb zurückzukommen.
Sebastian Finkbeiner ist keiner, der klagt, aber durchaus über die Herausforderungen berichtet, vor denen die Branche steht. Die Traube Tonbach hat in den vergangenen Jahrzehnten einiges erlebt: die mediale Krise rund um den Weggang von Harald Wohlfahrt, der Brand der Schwarzwaldstube, die Coronapandemie, die das Gastgewerbe weltweit lahmlegte.
Stillstand kennen die Finkbeiners nicht. Auf dem Parkhausdeck wurde temporär die Schwarzwaldstube als Pop-Up-Restaurant etabliert. Über die Gastronomie in Baiersbronn hinaus treibt Sebastian Finkbeiner das Unternehmen weiter nach oben. „Es war mein persönlicher Ansporn, etwas zu schaffen, was einen positiven Beitrag zum Unternehmen leistet“, erklärt Sebastian Finkbeiner. Heute gibt es unter dem Label „Traube Tonbach“ ganz schön viel: wie etwa das Stadioncatering beim Karlsruher SC und Betriebskantinen. Die nächsten Schritte stehen an: der große Umbau des Hotels, eine Mammutaufgabe in vier Bauabschnitten in den nächsten fünf Jahren.
Große Pläne in Ulm – das Projekt „Maison Meissner“
Von Baugenehmigungen und Handwerkerorganisation hat das Ehepaar Meissner vermutlich auch zu berichten. Derzeit steht ein großes Projekt inmitten von Ulm an: ein Boutiquehotel mit dem Namen „Maison Meissner“, das erste gemeinsame Objekt der beiden. Dass Alina Meissner-Bebrout, 35 Jahre alt, neben kulinarischem Gespür auch unternehmerisch denken kann, hat sie in den letzten Jahren bewiesen.
Alina wächst in einem kleinen Ort im Unterallgäu ohne kulinarischen Background auf: ihre Mutter ist Physiotherapeutin, ihr Vater Pianist. Sterneküche ist ihr ein Fremdwort. Aber kochen, das mochte sie schon immer. Ihre Kindheit schmeckt nach Reis, Bohnen und Hühnchen, einem Gericht der karibischen Heimat Aruba ihres Vaters. Alina startet mit 17 Jahren in einem besternten Restaurant, dem Landhaus Henze in Probstried bei Kempten. Sie mag das Arbeiten in der Küche, den direkten Ton – und eben die klassische Sterneküche mit all ihrer Präzision. Sie blättert in Magazinen, ist fasziniert von den kunstvoll arrangierten Gerichten der Haute Cuisine.
Und so landet sie bei Sven Elverfeld im Drei-Sterne-Restaurant Aqua in Wolfsburg. Hier lernt sie, was Perfektion heißt, wie Gemüse mit dem Geodreieck abgemessen und dann geschnitten wird, damit wirklich jeder Teller gleich rausgeht. Nach Stationen in Tirol und auf Mallorca landet sie in Baden-Württemberg. „Ich habe mich in Ulm verliebt“, sagt Meissner-Bebrout, was im doppelten Sinn zu verstehen ist. In die Stadt und in ihren jetzigen Mann. Steffen Meissner, 45 Jahre alt, ist als Autohändler selbstständig, vermietet die Eventlocation Zollager. Er ist es gewohnt, dass man keinen regulären Alltag hat, wenn man mit einer Köchin verheiratet ist.
Wenn beide frei haben, kocht meist Steffen Meissner
Alina beweist Mut, als sie mit gerade einmal 24 Jahren ohne Geldgeber ihr kleines Restaurant eröffnet. Heute hat das Bibraud einen Stern vom Michelin, es gibt das Bistrokonzept Edda. Sie wird eine der Darstellerinnen von „Star Kitchen“ auf Amazon Prime und Tim Raue von da an nicht nur Fan, sondern auch ein bisschen Mentor. Sie steht stellvertretend für eine neue Generation am Herd und sagt: „Man muss schauen, dass die Bedingungen in der Gastronomie so sind, dass man gerne dort arbeitet.“ Wenn sie das Ulmer Ehepaar frei hat, steht meist Steffen in der Küche. Was es dann gibt? „Gerne mal Lasagne.“
Veranstaltung: Family Business in der Gastronomie
Termin
Am Mittwoch, 25. Februar 2026, findet die nächste Veranstaltung von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten statt – das Thema: Family Business in der Gastronomie.
Gäste
Alina Meissner-Bebrout und Steffen Meissner (Bibraud, Edda, Maison Meissner), Sebastian Finkbeiner von der Traube Tonbach, Simon Tress von den Tress Brüdern von der Schwäbischen Alb
Moderation
Anja Wasserbäch (Kulinarik-Autorin der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten)
Datum
Mittwoch, 25. Februar 2026
Uhrzeit
19:00 Uhr
Ort
Look 21, Türlenstraße 2, 70191 Stuttgart