In diesem Jahr wird die Reformation in Stuttgart, der Region und im übrigen Land in vielen Hundert Veranstaltungen gefeiert. Wir haben eine kleine Auswahl getroffen.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Stuttgart - Selten ist ein solcher Aufwand betrieben worden wie für den 500. Jahrestag der Reformation: Allein in Baden-Württemberg wurden mehrere Theaterstücke zu Martin Luther und dessen Umfeld geschrieben, mehrere Oratorien werden zu Ehren des Reformators in diesem Jahr uraufgeführt, die Zahl der Ausstellungen zu fast allen Aspekten der Reformation ist kaum noch zu überblicken. Jede Kirchengemeinde im Land hat ihr eigenes Programm mit Vorträgen, Gottesdiensten, Kulturveranstaltungen und Tagungen. Martin Luther Superstar!

Dabei war das Jahr 1517, das jetzt so im Mittelpunkt steht, für Württemberg und Baden gar nicht so relevant. In Stuttgart und dem Herzogtum Württemberg wurde die Reformation erst 1534 eingeführt; am 16. Mai hielt der Hofprediger Konrad Oettinger in der Stuttgarter Stiftskirche den ersten evangelischen Gottesdienst. Immerhin, in Pforzheim gab es schon 1519 eine protestantische Messe, und zumindest eine heutige baden-württembergische Stadt hat Martin Luther auch persönlich besucht. Das war Heidelberg; im April 1518 verteidigte er dort seine Thesen.

Aus der großen Zahl der Veranstaltungen in diesem Jahr haben wir rund zwei Dutzend ausgewählt – es ist, natürlich, eine subjektive Auswahl. In ihr soll sich die Vielfalt der Angebote aus Theologie, Kultur, Geschichte und Festveranstaltungen widerspiegeln; aber auch die zentralen Veranstaltungen der württembergischen Landeskirche wurden aufgenommen.

Neben den realen gibt es im Netz zahlreiche spannende digitale Veranstaltungen. So sammelt etwa die Evangelische Kirche in Deutschland das Vaterunser in 500 Sprachen (www.reformaction2017.de/vaterunser). Auf Gotisch und auf Kinyarwanda kann man es sich schon anhören.

Landeskirchenmusikfest in Stuttgart: Klang der Freiheit

Chöre, Bands, Orchester, Ensembles, gebildet von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen, zeigen an einm Wochenende, was Kirchenmusik heute so alles sein kann. Mit dabei das Stuttgarter A-cappella-Quintett „Die Füenf“ – zusammen mit mehr als 1000 Kindern in der Porsche-Arena.

Ausstellung der Landeskirche in Stuttgart

Persönlich kam Martin Luther nie nach Württemberg, Held. Seine reformatorischen Ideen verbreiteten sich aber im Süden des Reiches, zuallererst durch seine Schüler. Die Ausstellung der evangelischen Landeskirche geht dieser Entwicklung nach.

Feier der Landeskirche in Stuttgart

Mit einem großen ökumenischen Fest feiert die Landeskirche zentral in Stuttgart. Auf dem zweitägigen Programm neben einem großen Festgottesdienst unter anderem: Pop, Gauthier-Dance, Aktionen, Talks, Workshops und ein Jugendfestival.

Ausstellung in Albstadt-Ebingen

Hohenzollern, das dritte eigenständige Bundesland neben Württemberg und Baden, war bis zur Revolution 1850 katholisch – erst mit der Übernahme durch Preußen bildeten sich fünf evangelische Kirchengemeinden, die bis 1950 einen selbständigen Kirchenbezirk in der Kirche der altpreußischen Union bildeten. An diese besondere Geschichte wird in der Ausstellung „Evangelisch in Hohenzollern“ erinnert.

Freilichtschauspiel in Altshausen

Vor der eindrucksvollen Kulisse des Schlosses Altshausen, des Sitzes des württembergischen Herzogs, führen 24 Laienschauspieler und 67 Statisten das Theaterstück „Martin Luther“ von Jutta Golitsch auf. Dargestellt werden die wichtigsten Ereignisse rund um die Reformation in den Jahren 1515 bis 1525. Der Musikverein und die Gelben Husaren Altshausen werden ebenfalls mitwirken.

Ausstellung in Böblingen

Ohne Martin Luther hätte es den Bauernkrieg 1525 in dieser Form nie gegeben – alle Aufständischen beriefen sich auf die Freiheit des Glaubens und auf die Freiheit zum eigenständigen Denken. In einer Sonderausstellung widmet sich das Deutsche Bauernkriegsmuseum in Böblingen deshalb den positiven und negativen Facetten der Person Luthers. Auch in der Dauerausstellung wird die „verhängnisvolle Wechselwirkung“ ausführlich dokumentiert.

Kunst in Pforzheim

Das Hohenwart-Forum, das evangelische Tagungs- und Bildungszentrum in Pforzheim, hat 20 Künstlerinnen und Künstler aufgefordert, einen zentralen reformatorischen Text auszuwählen und diesen ins Bild zu setzen. Die drei besten Arbeiten erhalten einen Preis, alle Kunstwerke sind das Jahr über ausgestellt.

Weitere Veranstaltungen zum Luther-Jahr

Mannheim Pop-Oratorium Luther. Die Freiheit, selbst zu denken. SAP-Arena, 11. Februar, 19 Uhr, auch an anderen Orten.

Vaihingen/Enz Martin Luther, Untertan und Freigeist. Ein Reformationsprogramm von „Dein Theater“, Peterskirche, 18. Februar, 19 Uhr, auch an weiteren Orten, Stücke auch zu Katharina von Bora und Philipp Melanchthon

Biberach „Heilendes Erinnern“, ökumenischer Bußgottesdienst „Was haben wir uns angetan?“, Stadtpfarrkirche, St. Martin, 12. März, 11 Uhr.

Biberach Religion & Freiheit, interreligiöser Poetryslam zum Reformationsjubiläum, Martin-Luther-Gemeindehaus, Waldseestr. 18-20, 25. März, 20 Uhr

Schorndorf Skulpturen 17, Kunstprojekt an der gotischen Stadtkirche, 1. April bis 10. November,

Heidelberg Der Festgottesdienst „500 Jahre Heidelberger Disputation“ mit Margot Käßmann findet am 29. April, 11 Uhr, in der Heiliggeistkirche statt.

Wertheim Ein feste Burg ist unser Gott, Chorfest mit offenem Singen auf der Wertheimer Burg, 6. Mai, 10 bis 18 Uhr

Weil der Stadt „Hier Brenz! – Feuer und Flamme für Reform(ation)“, Skulpturenweg, 7. Mai bis 31. Oktober, Eröffnung am 7. Mai um 16.30 Uhr in der Brenzkirche, Paul-Reusch-Str.3.

Maulbronn Des Menschen Wille, Luther-Oratorium des Ev. Seminars in Maulbronn (Uraufführung), Klosterkirche, 20. Mai, 19 Uhr und 21. Mai, 18 Uhr. www.seminar-maulbronn.de.

Schwäbisch Hall Brenz 1548, Freilichtstück von Harald Müller (Uraufführung), Premiere ist am 17. Juni um 20.30 Uhr, Große Treppe vor der Kirche St. Michael

Wackershofen Ein feste Burg ist unser Gott, Beispiele der volkstümlichen Reformationsverehrung im 19. Jahrhundert, Ausstellung im Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall, 24. Juni bis 5. November

Ludwigsburg Wir sind so frei! Ökumenisches Fest zum Reformationsjubliäum, Marktplatz, 1. und 2. Juli

Schwäbisch Gmünd Kreuz und quer verbunden, ökumenischer Gottesdienst am Fest Kreuzerhöhung, mit dem katholischen Bischof Gebhard Fürst, dem evangelischen Landesbischof Frank Otfried July sowie Vertretern der armenischen, griechisch-orthodoxen und syrisch-orthodoxen Kirche, Heilig Kreuz Münscher, 14. September 18 Uhr.

Reutlingen Der Luther Schwabens: Matthäus Alber, Ausstellung im Heimatmuseum Reutlingen, Oberamtei-straße 22, 8. Oktober 2017 bis 11. Februar 2018,

Mannheim Kernräume der Reformation – Der Südwesten und Europa, Wanderausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, 29. Oktober 2017 bis 2. April 2018.

Stuttgart Von Matthäus Alber bis Kartharina Zell, Persönlichkeiten der südwestdeutschen Reformationsgeschichte, Vortrag von Susanne Schenk, Dienstag, 7. März, 19 Uhr, Hospitalhof Stuttgart-Mitte, Büchsenstraße 33.

Die Reformation im Alltag, Geschlechterbeziehungen und Familienbild, Vortrag von Sabine Holtz, Universität Stuttgart, Dienstag, 6. Juni, 19 Uhr, Hospitalhof, Büchsenstraße 33.

Flucht vor der Reformation, Ausstellung mit Begleitprogramm, Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg , Schlossstraße 92, noch bis zum 8. Juni.

„Ein menschlich Hertz ist wie ein Schiff auff eim wilden Meer“ – Martin Luther und der Psalter, Konzert, Ensemble Cosmedin, Donnerstag, 16. März, 19 Uhr, Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Infos:

Luther im Spiegel: Von Lessing bis Thomas Mann, Lesung und Gespräch mit Friedrich Dieckmann, Mittwoch, 29. März, 19 Uhr, Hospitalhof.