Veranstaltungsreihe im „Alimentari da Loretta“ Kontroverse unter Genießern

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Slow Food Stuttgart startet eine Veranstaltungsreihe bei Loretta Petti über gute Lebensmittel. Beim Auftakt dreht sich alles um Vor- und Nachteile von regionalen Produkten.

Alexander Lorenz und Markus Wagner  diskutieren über regionales Essen. Foto: Nina Ayerle
Alexander Lorenz und Markus Wagner diskutieren über regionales Essen. Foto: Nina Ayerle

S-Süd - Nichts hat in der italienischen Kultur einen so hohen Stellenwert wie das Essen, das mehr durch die Qualität der Zutaten als durch aufwendige Zubereitung besticht – und vor allem Genuss bedeutet. Es wundert nicht, dass die Bewegung Slow Food ausgerechnet dort vor rund 30 Jahren entstanden ist, als die ersten internationalen Fast-Food-Ketten in dem südeuropäischen Land eröffnet wurden.

Loretta Petti, die Besitzerin des Alimentari da Loretta in der Römerstraße 8, verwendet nur „Produkte, von denen sie die Wurzel kennt“, wie sie sagt. Für eine Veranstaltungsreihe des Conviviums Slow Food Stuttgart zum Thema „Was ist ein gutes Lebensmittel?“ ist ihre Kulturgarage deshalb der perfekte Ort. Nicht nur weil es sich um einen gemütlichen Ort mit guter Küche handelt , sondern weil Petti auch die Ziele von Slow Food unterstützt, sagte Alexander Lorenz, der Leiter der Stuttgarter Gruppe.

Regio gilt als das neue bio

Zum Auftakt drehte sich bei einem üppigen italienischen Buffet und Rotwein am Mittwochabend alles um regionale Produkte und ihre Qualität. Das Thema treffe den Nerv der Zeit, betonten die Verantwortlichen. „Regio ist ja längst das neue Bio“, so Lorenz zu den rund 25 Teilnehmern. Wegen der kurzen Transportwege gelten regionale Produkte gemeinhin als umweltfreundlich, überzeugen durch Frische und Nährstoffgehalt – und beim Kauf unterstützt man zudem die örtliche Landwirtschaft, argumentieren die Befürworter.

Eine Teilnehmerin in der Runde äußerte sich skeptisch dazu. Die Herkunft als Qualitätsmerkmal genüge nicht, wenn ein Produkt aus konventioneller Landwirtschaft komme und der Bauer Pestizide einsetze, sagte sie. Ulrike Storz, ebenfalls Mitglied im Vorstand von Slow Food Stuttgart, gab vor allem zu bedenken, dass Markennamen nicht unbedingt 100 Prozent regionale Herkunft garantieren. So würden den Verbrauchern bei der Bezeichnung „Schwarzwälder Schinken“ falsche Dinge vorgegaukelt. Ihre Vereinskollegin Renate Bechstein ergänzte, dass es für dieses Siegel tatsächlich genüge, wenn die Verpackung aus der Region stamme oder das Produkt dort fertiggestellt wurde. Das sei immer dann der Fall, wenn ein Produkt lediglich das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ trage. Auf den Allgäuer Emmentaler ist hingegen Verlass. Der hat nämlich eine geschützte Herkunftsbezeichnung.

In Italien haben viele noch ihren eigenen Gemüsegarten

Für Loretta Petti ist die Gleichgültigkeit gegenüber den Inhaltsstoffen in Lebensmitteln typisch deutsch. „In Italien bauen viele noch Obst und Gemüse in ihrem eigenen Garten an“,sagte sie.

Alexander Lorenz zog am Ende ein Fazit der Debatte: Wirklich gute Lebensmittel sind saisonale Produkte, sie sind nachhaltig und haben faire Preise. Wenn sie dann noch regional sind, umso besser. Wer wirklich alles richtig machen will, der braucht ein eigenes Stückle, so Lorenz . Wer darüber hinaus noch Hühner hält, ist fast schon der Streber unter den Regio-Fans.

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