Verarztet Wie kraftvoll sind die Beeren?

Von Christine Pander 

Viele Frauen schwören auf Cranberry-Produkte, um einer Blasenentzündung vorzubeugen. Aber hilft die rote Frucht tatsächlich bei Harnwegsinfektionen?

Eine Frucht Foto: Cranberry Marketing Committee
Eine Frucht Foto: Cranberry Marketing Committee

Stuttgart - Es brennt und zwickt entsetzlich beim Wasserlassen, der Bauch schmerzt, und jeder Toilettengang wird zur Qual. Schätzungen zufolge leidet mehr als die Hälfte der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung. Und oft kehren die lästigen Infekte wieder. Die Hälfte aller Frauen, die bereits eine Blasenentzündung hatten, erkrankt während eines Jahres erneut. Betroffene gibt es daher viele. In Internetforen lautet einer der beliebten Ratschläge: „Eine Kur mit Cranberry-Produkten wirkt Wunder.“

Die Mittel dazu werden in Apotheken und Drogerien in Form von Säften, Sirup, Pulver, Kapseln und Tabletten angeboten. Gerade in den Saft der Cranberries werden viele Erwartungen gesetzt, zum Beispiel, dass er Infekte vorbeugend verhindern oder später sogar heilen könne. Die rote Beere, die im Deutschen unter dem Namen Moosbeere bekannt ist, stammt aus Übersee. Sie erinnert ein wenig an die heimische Preiselbeere, ist aber dreimal so groß. Immer häufiger ist sie auch in Säften oder Müslimischungen zu finden. Doch was ist dran an besagter Wirkung der Beeren? Sind sie der Gesundheit tatsächlich zuträglich?

Cranberries enthalten Proanthocyanidine. Diese Stoffe kommen in Pflanzen vor und gehören zur Gruppe der Flavanole. Die Proanthocyanidinen sollen es Bakterien erschweren, an der Blasenwand haften zu bleiben. Ein internationales Forschernetzwerk der Cochrane Collaboration hatte die Früchte nun genauer im Visier. Die Wissenschaftler haben untersucht, ob die Cranberry-Produkte bei Betroffenen, die immer wieder unter einer Harnwegsinfektion leiden, weiteren Infektionen vorbeugen können. Dazu haben die Experten alle Studien aus dem Themengebiet zu einer systematischen Übersicht zusammengefasst.

Insgesamt werteten sie dafür 24 Studien mit rund 4500 Probanden aus. Die Mehrzahl davon waren Frauen. Die meisten Studien gingen der Frage nach, ob Produkte mit Cranberries einer erneuten Blasenentzündung besser vorbeugen können als ein Placebo ohne wirksame Inhaltstoffe. Die Forscher überprüften Säfte, Tabletten und Kapseln. Ein Teil der Probanden erhielt beispielsweise für eine Studie täglich eine Portion Cranberry-Saft, eine Vergleichsgruppe schluckte die gleiche Menge gefärbtes, mit Geschmackstoffen versetztes Wasser.

Die Auswertung der Studien zeigte: Blasenentzündungen traten bei allen Probanden ähnlich häufig auf – egal, ob sie das Cranberry-Produkt oder ein Placebo eingenommen hatten. Der Forschergruppe der Cochrane Collaboration zufolge eignen sich Cranberry-Produkte demnach nicht, um Harnwegsinfektionen vorzubeugen.

Bei einer Blasenentzündung, einer sogenannten Zystitis, entzündet sich die Schleimhaut der Harnblase. Meist wird diese Entzündung von Bakterien verursacht, die über die Harnröhre in die Blase gelangen. Sobald sie sich in der Blasenwand festgesetzt haben, vermehren sie sich. Frauen sind häufiger von einer Blasenentzündung betroffen als Männer, weil bei ihnen die Harnröhre kürzer ist.

Wenn Cranberries keinen ausreichenden Effekt zeigen, was hilft dann, um vorzubeugen? Empfehlungen, wie man Blasenentzündungen vermeiden kann, gibt es viele. Zum Beispiel ausreichend trinken, Unterkühlungen vermeiden, das Immunsystem mit viel Obst stärken, vorübergehend auf Sex verzichten. Doch auch wer all diese Ratschläge befolgt, hat das Risiko nicht zwangsläufig gebannt. Keiner der Ratschläge ist wissenschaftlich belegt.

Solange sich die Beschwerden auf Harnblase und Harnröhre beschränken, sprechen Mediziner von der unkomplizierten Blasenentzündung, der Zystitis. Von einer komplizierten Zystitis sprechen sie, wenn die Entzündung auf die Nieren übertritt. Das ist dann der Fall, wenn die Bakterien über die Harnleiter bis in die Nieren aufsteigen und dort eine Nierenbeckenentzündung verursachen. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer schwachen Immunabwehr und Patienten mit vorgeschädigten Nieren. Eine unkomplizierte Blasenentzündung kann einen komplizierter Verlauf nehmen, wenn zu den Symptomen Schmerzen in der Nierengegend, Fieber und möglicherweise Übelkeit und Erbrechen kommen. Nierenbeckenentzündungen sollten deshalb rasch behandelt werden. Den Experten zufolge sind sie aber sehr selten; Blasenentzündungen haben bei ansonsten gesunden Frauen keine schwerwiegenden Folgen.

Dafür gibt es Studien zur Wirksamkeit von Antibiotika. Bei akuten Blasenentzündungen helfen sie meist sehr schnell. Bei manchen Patientinnen treten jedoch Nebenwirkungen wie Verdauungsstörungen, Hautausschlag oder Pilzinfektionen auf. Eine zu häufige Einnahme von Antibiotika erhöht zudem die Gefahr, dass die Krankheitserreger immer widerstandsfähiger gegen die Medikamente werden und die Präparate dann nicht mehr richtig wirken.

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