Verband der Automobilindustrie Hildegard Müller wird neue VDA-Chefin

Von Thorsten Knuf 

Daimler-Chef Ola Källenius begrüßt die künftige VDA-Präsidentin mit vielen Vorschusslorbeeren. Am 1. Februar wird Hildegard Müller ihr neues Amt als Präsidentin des Autoverbands antreten.

Schon vor 20 Jahren an einflussreicher Position: Hildegard Müller (links) an Seite der damaligen CDU-Generalsekretärin Angela Merkel. Müller  war seinerzeit  Mitglied des CDU-Bundesvorstands und Chefin der Jungen Union. Foto: SZ Photo
Schon vor 20 Jahren an einflussreicher Position: Hildegard Müller (links) an Seite der damaligen CDU-Generalsekretärin Angela Merkel. Müller war seinerzeit Mitglied des CDU-Bundesvorstands und Chefin der Jungen Union. Foto: SZ Photo

Berlin - Nach wochenlangem Hin und Her hat sich die Führung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) darauf verständigt, wer die Lobby-Organisation künftig leiten und wieder schlagkräftiger machen soll: Die ehemalige Staatsministerin und Energiemanagerin Hildegard Müller (52) wird zum 1. Februar neue Präsidentin des Verbands. Das teilte der VDA am Freitag in Berlin mit. Müller folgt auf Bernhard Mattes, der sein Amt zum Jahresende wie angekündigt niederlegt.

Die Autobranche ist mit mehr als 800 000 Beschäftigten Deutschlands wichtigster Industriezweig. Die ehemalige CDU-Politikerin Müller ist bestens in der Berliner Politik verdrahtet – was eine entscheidende Qualifikation für ihren neuen Posten ist.

Müller hat Erfahrungen in Industrie, Politik und Verbandsarbeit

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius und der Chef der Kirchhoff Automotive Holding, Arnd Kirchhoff, sagten in ihrer Eigenschaft als VDA-Vizepräsidenten: „Wir freuen uns, mit Hildegard Müller eine erfahrene Managerin als VDA-Präsidentin gewonnen zu haben.“ Sie seien der Überzeugung, dass Müller die Aufgabe meistern werde, „den VDA in einem sich schnell wandelnden Umfeld in die Zukunft zu führen“. Porsche-Chef und VW-Vorstand Oliver Blume verwies auf Müllers umfangreiche Erfahrung in Industrie, Politik und Verbandsarbeit. BMW-Chef Oliver Zipse sagte, der VDA müsse den Wandel in der Industrie „begleiten und für die Gesellschaft verständlich machen“.

Die Branche befindet sich angesichts von Elektromobilität, Digitalisierung und Klimaschutz im Umbruch, betroffen sind gleichermaßen Autohersteller wie Zulieferer. Aufgrund des Dieselskandals ist überdies das Ansehen der Branche ramponiert. Der bisherige VDA-Chef Mattes, der früher in Diensten des Ford-Konzerns stand, galt im Umgang mit diesem Problem als ausgesprochen blass. Er hatte im September völlig überraschend seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt – und zwar ausgerechnet während der Automesse IAA in Frankfurt.

Auch Günther Oettinger war im Gespräch

Hildegard Müller war in den vergangenen Wochen immer wieder als mögliche Mattes-Nachfolgerin genannt worden. Allerdings gab es offenkundig auch andere Interessenten. Im Gespräch war unter anderem der scheidende EU-Kommissar und ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Er möchte nach seinem Ausscheiden aus der Politik an diesem Wochenende eine zweite Karriere in der Wirtschaft machen. Möglicherweise hätte es bei einer Tätigkeit für den VDA aber Probleme mit den Ethikregeln der EU-Kommission gegeben.

Auch der ehemalige Bundesminister und SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel stand wohl zeitweise beim VDA hoch im Kurs, sagte dann aber von sich aus ab. Gabriel stammt aus Niedersachsen und unterhält gute Beziehungen zum VW-Konzern.

Kein Platz mehr beim Energieunternehmen Innogy

Mit Hildegard Müller bekommt der Verband nun eine Präsidentin, die schon zahlreiche Führungspositionen in Politik und Wirtschaft innehatte. Bis Oktober war sie Netzchefin des Energieunternehmens Innogy, einer der größten Betreiber von Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland. Weil die Innogy-Netze vom früheren Eigner RWE zum Konkurrenten Eon wechselten, war für Müller kein Platz mehr im Unternehmen und sie auf der Suche nach einem neuen Job.

Vor ihrer Tätigkeit bei Innogy leitete Müller fast acht Jahre lang als Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Davor hatte sie bereits in der Politik Karriere gemacht: Von 1998 bis 2002 war sie Chefin der Jungen Union, von 2002 bis 2008 Mitglied des Bundestages und daneben ab 2005 Staatsministerin in Angela Merkels Kanzleramt. Dort war sie unter anderem zuständig für die Beziehungen des Bundes zu den Ländern.

Müller selbst erklärte laut VDA-Mitteilung: „Die Automobilindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie steht national und international für Ingenieurkunst, Qualität und Effizienz.“ Die Branche stehe aber vor gewaltigen Herausforderungen. „Ich bin mir sicher: Mit einem Angebot, das auf Klimaschutz setzt und die Digitalisierung nutzt, um für noch mehr Komfort und Sicherheit in den Fahrzeugen zu sorgen, wird die deutsche Automobilindustrie auch in Zukunft weltweite Maßstäbe setzen können.“