Verbindung Stuttgart-Berlin Seltenes Schauspiel – ICE fährt noch bis Samstag über Marbach

Der ICE-Sprinter passiert am Donnerstag den Bahnhof in Benningen. Foto: Tobias Ableitner

Einen ICE auf dem Neckarviadukt bei Marbach (Kreis Ludwigsburg)? Das gab es seit über einem Jahrzehnt nicht. Bis Samstag verkehrt hier aber die neue Verbindung Stuttgart-Berlin.

Ludwigsburg: Andreas Hennings (hen)

Es mag ein unscheinbares Detail sein – für Bahnfans im Kreis Ludwigsburg geschieht derzeit aber Außergewöhnliches: Seit Donnerstag und noch bis Samstag verkehrt die ICE-Sprinter-Verbindung StuttgartBerlin über die Bahnstrecke Ludwigsburg – Marbach – Backnang.

 

Ein ICE auf dieser Strecke ist eine absolute Rarität. „Bis wir vor ein, zwei Monaten erfahren haben, dass es diese Umleitung geben wird, war ein ICE bei uns ‚daheim’ ein Ereignis, das vielleicht einmal im Jahrzehnt eintritt. Das zu erleben, ist für uns als Trainspotter an der kleinen Murrbahn das ultimative Ziel gewesen“, fasst Tobias Ableitner aus Benningen seine Begeisterung in Worte. „Für so etwas lässt man alles stehen und liegen.“ Trainspotter sind Personen, die Züge leidenschaftlich gerne beobachten und fotografieren.

Im Morgenrot: Der ICE überquert das Neckarviadukt zwischen Benningen und Marbach. Foto: Klaus Warthon

Entsprechend fotografierte Ableitner nun die ICEs in seinem Heimatort und auch am Bahnhof Favoritepark. Wolfram Stegmaier, ebenfalls Trainspotter, ging einen Schritt weiter: Er kaufte für Freitagmorgen ein Ticket, um mit dem ICE von Stuttgart bis zum ersten Halt in Nürnberg zu fahren – und damit durch seinen Heimatort Erdmannhausen. „Es war eine tolle Sache, mal nicht mit der S-Bahn, sondern mit dem ICE über das Neckarviadukt zwischen Benningen und Marbach und auch durch Erdmannhausen zu fahren. Eine Mitfahrt war natürlich bei dieser absolut seltenen Gelegenheit Pflicht“, schildert er das Erlebnis.

Noch zwei Durchfahrten am Samstag

Der Zug war kaum schneller als ein Regionalzug – laut Bahn-Sprecherin Ursula Eickhoff gelten je nach Abschnitt Höchstgeschwindigkeiten von 90 (etwa in Erdmannhausen) oder 120 Stundenkilometern. In Benningen sind es 80.

Dass die mit dem Fahrplanwechsel geschaffene ICE-Sprinter-Verbindung, die am Donnerstag just ihre große Premiere feierte, über Ludwigsburg und Marbach geleitet wird, hängt mit einer Baustelle zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen zusammen. Am Samstag betrifft dies noch zwei Züge, ab Sonntag wird über Waiblingen verkehrt: Den ICE um 7.03 Uhr ab Stuttgart – er wird wenig später den Kreis Ludwigsburg durchqueren. Und in der Gegenrichtung den ICE, der um 21.19 Uhr in Stuttgart erwartet wird. Er dürfte den Landkreis kurz vor 21 Uhr passieren.

Laut Ableitner und Stegmaier war auf dieser Strecke zuvor wahrscheinlich seit 2012 kein ICE unterwegs, mit Ausnahme von zwei, drei Leerfahrten. Damals war die kleine Murrbahn nach einem Unwetter die einzige freie Strecke zwischen Stuttgart und München. Wann es die Umleitung wieder geben wird, ist unklar. Das hängt auch vom Fortschritt von Stuttgart21 ab.

„Wir haben ewig darauf gewartet, den ICE hier in Benningen zu sehen“, sagt auch der dortige Bürgermeister Klaus Warthon, der großer ÖPNV-Verfechter ist und ebenfalls die Gelegenheit nutzte, das seltene Schauspiel zu beobachten – am Donnerstag am Bahnhof, am Freitag dann im Morgenrot am großen Neckarviadukt.

Der Fotokalender für 2026 zeigt besondere Bahn-Momente in der Region. Foto: Tobias Ableitner

Fotokalender mit Zügen im Kreis Ludwigsburg

Passend zum Thema hat Tobias Ableitner jüngst mit seinem Trainspotter-Freund Ruben Bosio einen Fotokalender für 2026 mit dem Titel „Eisenbahnverkehr zwischen Enz, Neckar und Murr“ mit besonderen Zug-Ansichten auch aus dem Kreis Ludwigsburg fertiggestellt. Für 13 Euro ist er bestellbar über kleine.murrbahn@t-online.de oder 0175/9004785.

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