Verbraucherschützer warnen Preise bei Online-Angeboten schwanken oft und extrem

Von Daniel Gräfe 

Wer im Internet günstig einkaufen will, braucht einen guten Riecher für den richtigen Zeitpunkt. Laut einer Studie der Verbraucherzentralen verändern sich die Preise besonders bei Elektronik, Autoteilen und Mode teils drastisch. Was Verbraucher tun können.

Digitaler Einkaufswagen eines Onlinehändlers: Wer im Internet Waren bestellt, sollte die Preise über einige Zeit beobachten. Bei vielen Produkten schwanken sie schon im Verlauf weniger Wochen teils extrem. Foto: dpa-Zentralbild
Digitaler Einkaufswagen eines Onlinehändlers: Wer im Internet Waren bestellt, sollte die Preise über einige Zeit beobachten. Bei vielen Produkten schwanken sie schon im Verlauf weniger Wochen teils extrem. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Wer beim größten deutschen Mode-Onlinehändler Zalando eine Hose kaufen möchte, braucht ein gutes Händchen für das richtige Timing: Innerhalb weniger Tage schwankte der Preis für ein und dieselbe Hose um 120 Euro. Kaufte ein Kunde am 14. Februar dieses Jahres ein, bezahlte er 79,95 Euro, am Tag darauf waren es 199,95 Euro. Das ist eines der Ergebnisse der Marktwächter der Verbraucherzentrale Brandenburg. Diese hatten zu Jahresbeginn fünf Wochen lang die Preise von 1133 Produkten bei 16 Online-Händlern in Deutschland untersucht.

Demnach änderten 15 der 16 untersuchen Händler regelmäßig die Preise für rund ein Drittel ihres Angebots, im Schnitt einige Mal. Die Artikel wurden dabei sowohl teurer wie auch günstiger. Am häufigsten änderte der Baumarkt Obi die Preise für ausgewählte Produkte, nämlich 32-mal. Besonders oft wurden Artikel in den Bereichen Elektronik, Apotheken, Autoteile und Mode modifiziert. Dazu zählen die Online-Shops von Mediamarkt, Comtech, Sanicare, Doc Morris, ATU, Otto und Zalando.

Dieselben Produkte waren teils doppelt so teuer wie kurz zuvor

Große Unterschiede gab es auch bei der Höhe der Preise. Wurden die Preise bei einem Produkt angepasst, änderte sich in jedem dritten Fall der Preis bis zu 100 Prozent und mehr. Im Fall eines oft verkauften Samsung-Handys lagen im Falle von Mediamarkt 220 Euro zwischen dem niedrigsten und höchsten angebotenen Preis. „Hier lohnt es sich, den Preis eines Produktes über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten“, raten die Verbraucherschützer. Dies gelte auch für günstigere Produkte wie für USB-Kabel, wo der Preis in einem Beispiel zwischen 1,75 und 6,79 Euro schwankte. Aufpassen sollte auch, wer mehrere Produkte bei einem Online-Händler bestellt. So senkten die Versandapotheken Doc Morris und Sanicare an einzelnen Tagen die Preise bestimmter Produkte, um gleichzeitig andere Artikel zu verteuern.

Warum die Online-Händler so oft die Preise verändern, darüber können die Experten nur spekulieren. „Sie reagieren auf Wettbewerber. Wenn einer ändert, ändert der andere auch“, sagt Constanze Gaßmann von den Marktwächtern. Es gebe auch saisonale Gründe, um für die Winterware rechtzeitig zum Beginn des Frühjahres aus den Lagern zu bekommen – so wie man es im stationären Handel kenne. Das trifft auch bei schlechter Nachfrage zu. Welche Rolle dabei die individuelle Kaufkraft und das Kaufverhalten eine Rolle spielen, soll im Herbst untersucht werden. So könnten die Preise variieren, wenn man von Stuttgart mit einem teuren iPhone dieselbe Hose zur selben Zeit bestellt oder mit einem Billig-Handy von der Schwäbischen Alb. Studien hierfür gibt es noch kaum. Allerdings sehen Branchenexperten die individualisierten Preise als weiteren Trend. Bei einigen Anbietern entdeckten die Studienmacher bestimmte Muster: So konnten die Kunden Autobatterien und Reifen beim Onlinehändler ATU nachmittags günstiger kaufen als am Vormittag des Folgetages – sie sparten dabei bis zu 30 Prozent. Mediamarkt senkte im Untersuchungszeitraum immer am frühen Abend die Preise – und hob sie tags darauf wieder an.

Bei ATU sollte man nachmittags Reifen kaufen und bei Mediamarkt abends bestellen

Mit den ständigen Preisanpassungen tun sich die Internethändler keinen Gefallen, betont Marktwächter-Teamleiterin Kirsti Dautzenberg – das hätten schon frühere Studien gezeigt. Die Schwankungen sorgten bei den Verbrauchern für Verunsicherung. „Der Kunde kann nicht einschätzen, ob er bei seinem Kauf gerade spart oder drauf zahlt. Zudem hat er keinen verlässlichen Referenzpreis mehr, an dem er den Wert eines Produkts bemessen kann.“ Dazu komme ein verletztes Gerechtigkeitsgefühl – selbst wenn ein Kunde ein Produkt zu einem günstigeren Preis kaufen könne, so Dautzenberg: „Am Ende könnte sich der Online-Handel mit seinen Preisexperimenten selbst schaden.“

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt, Preise online aufmerksam zu beobachten, vor allem zu unterschiedlichen Tageszeiten und über mehrere Tage hinweg. „Gerade bei größeren Anschaffungen oder Reisen kann sich das rentieren“, sagt Oliver Buttler, Abteilungsleiter für Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht. Ratsam sei auch, die Preise von unterschiedlichen Endgeräten wie PC oder Tablet abzufragen und nach dem Surfen die Chronik des Browsers zu löschen: „Die Preise hängen auch vom verwendeten Endgerät ab“, so Buttler. „Stellt ein Onlinehändler fest, über welches Gerät und Betriebssystem ein Kunde nach einem Produkt sucht, signalisiert dies die mögliche Kaufkraft und das Interesse, was ebenfalls zu einem höheren individuellen Preis führt.“