Kupferkabel: Das Metall ist bei Dieben wegen des hohen Materialwerts gefragt. Foto: dpa/Naupold
Nach einem Kupferdiebstahl im großen Stil in München türmen Unbekannte mit einem Lastwagen. Dieser wird wenig später auf einem Parkplatz am Engelbergtunnel entdeckt. Die Bundespolizei ermittelt.
Spuren eines groß angelegten Buntmetalldiebstahls in München führen nach Leonberg, genauer gesagt bis kurz vor den Engelbergtunnel. Dort, auf dem Parkplatz Engelberg in Fahrtrichtung Stuttgart, ist ein Lastwagen entdeckt worden, der offenbar mit der Tat in der bayerischen Landeshauptstadt in Verbindung steht.
Kupferdiebstahl im großen Stil, der Laster bleibt zurück
Wie die Bundespolizei berichtet, war es in der Nacht auf Dienstag, 8. April, auf einem Betriebsgelände der Deutschen Bahn in München-Riem zu jenem Diebstahl gekommen. Nach Angaben der Bahn seien gut 500 Meter Kupferkabel von einem Lagerplatz entwendet worden, das für die sogenannte 2. Stammstrecke in München vorgesehen ist. Der Wert der Kabel beläuft sich auf rund 15 000 Euro.
Bilder von Überwachungskameras zeigen laut der Polizei, dass vier unbekannte Täter mit einem Lastwagen auf das Gelände fuhren und die Kabel auf die Ladefläche luden. Anschließend flüchteten sie, wohin, ist nicht bekannt. Auf den Videoaufzeichnungen war jedoch das Kennzeichen des Lasters zu erkennen. Allerdings stellte sich heraus, dass das Nummernschild manipuliert war – es gehörte zu einem anderen Fahrzeug, wurde also unrechtmäßig am Lkw angebracht.
Die Ermittlungen der Polizei führten nun zu jenem Lastwagen, der verlassen am Parkplatz am Engelbergtunnel an der A 81 bei Leonberg entdeckt wurde.
Am Mittwochmorgen hatte sich die Informationskette in Gang gesetzt: Die Verkehrspolizeiinspektion Ludwigsburg informierte die Bundespolizeiinspektion München darüber, dass der zur Fahndung ausgeschriebene Laster auf dem Parkplatz Engelberg kurz vor dem Nordportal des Tunnels an der A 81 gefunden wurde – leer, aber noch immer versehen mit den bei dem Diebstahl verwendeten, offenbar gestohlenen Kennzeichen. Die Beamten der Bundespolizei sicherten Spuren und öffneten dabei auch die Ladefläche. Vom Diebesgut fehlte jedoch jede Spur.
Kupferdiebstahl: Diebesgut vielleicht auf dem Parkplatz umgeladen
Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Lastwagen am Dienstag, 8. April, zwischen 2 Uhr in der Nacht und 15.30 Uhr auf dem Parkplatz abgestellt wurde. „Es ist nicht auszuschließen, dass das Kupfer noch vor Ort auf ein anderes Fahrzeug umgeladen wurde“, schreibt die Bundespolizei zu den Geschehnissen. Es sei aber auch möglich, dass dies bereits vorher woanders zwischen München und Leonberg geschehen sei.
Teures Kupfer: Der Wert des Metalls ist in der Vergangenheit angestiegen. Foto: djd/Shutterstock
Der Laster ist inzwischen abgeschleppt worden und wird bei der Bundespolizei als Beweismittel verwahrt. Zeuginnen und Zeugen, die im betreffenden Zeitraum verdächtige Beobachtungen gemacht haben – insbesondere im Bereich des Parkplatzes am Engelbergtunnel oder entlang der möglichen Fahrtroute – werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 089/5 15 55 00 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.
Kupfer steht bei Dieben seit vielen Jahren hoch im Kurs. Die Preise für Buntmetalle haben auf dem Weltmarkt in den vergangenen Jahren stark angezogen. Zudem wird speziell Kupfer für eine Vielzahl von elektronischen Geräten benötigt. Auch in Leonberg gab es Diebstähle: Vor eineinhalb Jahren sorgte der Fund von unzähligen leeren Kabel-Ummantelungen in einem Gebüsch an der Renninger Straße für Aufsehen. Auch an anderen Stellen im Stadtgebiet tauchten öfter die Überreste von Diebstählen auf.
Prozess um Kupferdiebstahl zu Ende gegangen
Erst vor Kurzem ging nach knapp sieben Wochen am Landgericht Stuttgart ein großer Prozess um Kupferdiebstähle zu Ende. Auch in Leonberg hatten sich die insgesamt neun Täter zwischen September 2023 und April 2024 bedient. Das Gericht verhängte mehrere Gefängnisstrafen, konkret ging es um Kupfer im Wert von fast 100 000 Euro. Angeklagt waren Taten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
Steffen Grabenstein, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, merkte bereits beim Fund der Kabelverkleidungen in Leonberg an: „Solche Verladevorgänge gehen nicht gerade heimlich vonstatten.“ Wer also Beobachtungen außerhalb der normalen Arbeitszeiten auf Baustellen mache, solle sich unbedingt bei der Polizei melden. „Wir überprüfen lieber einen Hinweis zu viel als zu wenig.“
Bahn kennzeichnet Kupferdiebe versteckt
Der Pressesprecher wusste noch von einer Besonderheit zu berichten – von der sich die Täter im aktuellen Fall aber nicht abschrecken ließen: Die Deutsche Bahn versieht ihre Kupferleitungen demnach häufig mit einer Art „künstlicher DNA“ – also mit Aufdrucken, die nur unter UV-Licht zu sehen sind und Rückschlüsse auf die Herkunft geben. Ob dies bei der Beute beim groß aufgezogenen Kupferklau in München-Riem auch der Fall ist, ist nicht bekannt.