Die Gewerkschaft Verdi lässt den Tarifkonflikt der Luftsicherheitskräfte eskalieren. Nach der ersten Warnstreikwelle am Montag folgen an diesem Dienstag weitere Aktionen insbesondere an den Flughäfen Stuttgart, Karlsruhe und Frankfurt.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Die Gewerkschaft Verdi weitet die bundesweiten Warnstreiks im Luftsicherheitsbereich aus. Von Montagabend an sind auch Flughäfen in Baden-Württemberg betroffen – ebenso Frankfurt, München und Hamburg. Schon für diesen Montag hatte Verdi Beschäftigte von sechs internationalen Airports im Norden und Westen der Republik zu ganztägigen Aktionen aufgerufen. Dort sollen bis zu zwei Dritteln der Flüge entfallen. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV mussten die Airlines bereits „eine hohe dreistellige Zahl an Flugverbindungen streichen“.

Der Warnstreik beginnt am Montagabend

Am Flughafen Stuttgart sowie in Karlsruhe/Baden-Baden soll der Warnstreik in der Personal- und Warenkontrolle am Montagabend um 21.30 Uhr beginnen und 24 Stunden später enden. In der Fluggastkontrolle sind Arbeitsniederlegungen am Dienstag von 3 Uhr (Baden-Baden 0.00 Uhr) bis 24 Uhr geplant. Der Frankfurter Betreiber Fraport riet bereits sämtlichen Gästen, die am Dienstag in Frankfurt zusteigen wollten, von der Anreise ab. Es werde während der Streikdauer keine Möglichkeit geben, den geplanten Flug zu erreichen. Umsteigen soll möglich sein.

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Verdi reagiert damit auf bisher drei erfolglose Verhandlungsrunden mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) über höhere Entgelte für die bundesweit etwa 25 000 Sicherheitskräfte. Das Angebot der Arbeitgeber sei unzureichend, weil es in keiner Weise die Preisentwicklung aufgreife. „Vor allem zur Angleichung der regionalen Löhne liegt kein Angebot vor – trotz der Zusage der Arbeitgeber, darüber in dieser Tarifrunde zu verhandeln“, monierte Verdi-Verhandlungsführer Wolfgang Pieper.

Mindestens ein Euro mehr pro Stunde verlangt

Die Arbeit der Luftsicherheitskräfte müsse finanziell attraktiv bleiben, um die dringend benötigten Fachkräfte zu gewinnen. Daher sollte der Lohn um mindestens einen Euro pro Stunde angehoben werden. Darüber hinaus bräuchte es für die Luftsicherheitskräfte Fracht und Personen/Warenkontrolle mit behördlicher Prüfung eine Anhebung auf die Lohnhöhe der Luftsicherheitsassistenten (Fluggastkontrolle) nach dem Grundsatz gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Für die Luftsicherheitskräfte in der Bordkartenkontrolle, der Sicherung von sicherheitsempfindlichen Bereichen, der Flugzeugbewachung mit Qualifizierung und bestandener Prüfung sowie der Dokumentenkontrolle solle bundesweit das gleiche Stundenentgelt gezahlt werden. Bisher würden diese Beschäftigten regional unterschiedlich bezahlt.

„Flughäfen als Schauplatz in einem Arbeitskampf missbraucht“

Die Tarifverhandlungen werden am 16. und 17. März in Berlin fortgesetzt. Der Flughafenverband ADV kritisierte den Streikaufruf als „unverhältnismäßig und überzogen“. „Wir appellieren an die Tarifpartner, zu den strittigen Punkten eine Übereinkunft am Verhandlungstisch zu suchen“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Die Flughäfen würden als Schauplatz in einem Arbeitskampf missbraucht, bei dem sie noch nicht einmal Tarifpartei seien. Zudem falle der ganztägige Warnstreik in eine Zeit, in der die Flughäfen nach wie vor von hohen coronabedingten Verlusten gezeichnet seien.

Im Auftrag der Bundespolizei bei privaten Dienstleistern angesiedelt

Der ADV rät allen Reisenden, sich bei ihrer jeweiligen Fluggesellschaft zu erkundigen, ob der Flug stattfindet. Der Verband BDLS kritisiert die Streikmaßnahmen auch mit Blick auf die Lieferungen von Hilfs- und Versorgungsgütern sowie Reisen von Helfern in die Ukraine als „unangebracht“.

Die Passagierkontrolle ist eine hoheitliche Sicherheitsaufgabe des Staates. Das Personal an den Passagier- und Handgepäckkontrollen, die so genannten Luftsicherheitsassistenten, sind im Auftrag der Bundespolizei bei privaten Sicherheitsdienstleistern beschäftigt.

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