Verdi-Streik Für mehr Lohn und Respekt

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Am Mittwoch sind die Busse der Esslinger Verkehrsbetriebe im Depot geblieben. Die Gewerkschaft Verdi hat 500 Streikende auf die Straße gebracht.

Im Streik vereint: Kubanischer Revolutionär und Esslinger Busfahrer Foto: Horst Rudel
Im Streik vereint: Kubanischer Revolutionär und Esslinger Busfahrer Foto: Horst Rudel

Esslingen - Der eintägige Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Mittwoch den öffentlichen Nahverkehr in Esslingen lahmgelegt. Die Linienbusse des Städtischen Verkehrsbetriebs waren zum Schichtbeginn um 4 Uhr im Depot geblieben. Auch die Bauhofmitarbeiter der Stadt hatten geschlossen die Arbeit niedergelegt, ebenso das Personal von zwei Kindertagesstätten. Acht weitere Betreuungseinrichtungen und das städtische Klinikum Esslingen hatten einen Notbetrieb organisiert. Schließlich hatten sich auch Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei in die Streikfront eingereiht, die sich um 11.30 Uhr formiert hatte.

Unter den schrillen Klängen von Trillerpfeifen und mit wehenden Fahnen waren die rund 500 Verdi-Bediensteten, darunter auch Abordnungen aus Eislingen, Geislingen und Göppingen, gegen Mittag vom Gewerkschaftshaus in der Julius-Motteler- Straße zur Kundgebung auf den Esslinger Rathausplatz gezogen.

Diakonie erstmals mit dabei

Mit besonders starken Beifall war dort die Rede von Wolfgang Lindenmaier aufgenommen worden. Für den Vorsitzenden der Gesamtmitarbeitervertretung der unter dem Dach des Diakonischen Werks Württemberg angesiedelten Stiftung Jugendhilfe ist der Auftritt vor der Streikversammlung eine Premiere gewesen. Erstmals in der Geschichte der württembergischen Diakonie hatten sich deren Mitarbeiter an einem Arbeitskampf beteiligt. Unter dem Motto „Lieber streiken als betteln“ hatte sich der Arbeitnehmervertreter der Kirchenorganisation den Forderungen seiner Verdi-Vorredner angeschlossen: 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro, und die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden im öffentlichen Dienst.

Hasta victoria siempre

Und so flatterte auf dem Rathausplatz die blau-weiße Fahne der Diakonie mit der schwarz-roten Che-Guevara-Banner um die Wette. Das darauf abgedruckte legendäre Zitat des Revolutionärs „Hasta victoria siempre“– sinngemäß übersetzt: bis zum immer währenden Sieg – ist allerdings von den Redebeiträgen auf dem Podium nicht immer gedeckt gewesen. Der Blick der Gewerkschaft richtet sich nicht in die Ewigkeit, sondern vorerst einmal auf die nächste Verhandlungsrunde. Dann, so die Forderung, müssten die Arbeitgeber endlich ein Angebot vorlegen.

„Dass bisher noch kein Angebot auf dem Verhandlungstisch liegt, ist eine Sauerei“, nahm Verdi-Bezirksgeschäftsführer Martin Gross kein Blatt vor den Mund. Die Befürchtung, mit ihrem Anliegen und ihrer Arbeit nicht ernst genommen zu werden, hat die Streikversammlung auch dazu bewogen, dem regelmäßig wiederkehrende Ruf nach „Respekt und Anerkennung“ den kräftigsten Beifall zu spenden.

Im Gegensatz zum benachbarten Stuttgart sind in Esslingen die Mülleimer am Mittwoch geleert worden. Lediglich in der Obertorstraße hat es eine viertelstündige Verspätung gegeben – als die private Müllabfuhr warten musste, bis der Streikzug der Kollegen vom öffentlichen Dienst die Straße passiert hatte.




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