Das gewerkschaftliche Leitmotiv einer generellen Vier-Tage-Woche ist in den Wogen der Wirtschaftskrise weitgehend untergegangen. An seine Stelle ist der Plan getreten, bei der Arbeitszeit für Entlastungen zu sorgen. Dies spiegelt sich auch im Forderungspaket von Verdi und Beamtenbund zur Tarifrunde für Bund und Kommunen.
Hier geht es nicht um eine pauschale Arbeitszeitverkürzung, sondern um mehr Flexibilität und Arbeitszeitsouveränität für Beschäftigte in Schichten, an Wochenenden oder bei Bereitschaftsdiensten. Die Bedürfnisse der Menschen sind so vielschichtig wie der öffentliche Dienst insgesamt – der gemeinsame Nenner vieler Kräfte ist das Gefühl, den Anforderungen mit Stress und Arbeitsverdichtung nicht mehr bis zum Rentenalter gewachsen zu sein, wie im Mai eine große Verdi-Umfrage gezeigt hat.
So weit – so nachvollziehbar. Mit neuen Arbeitszeitmodellen kann der öffentliche Dienst noch attraktiver werden, als er in Teilen für den Nachwuchs schon ist. Die Idee eines „Meine-Zeit-Kontos“ erscheint innovativ – inwieweit sie als Wahloption für alle Beschäftigten umsetzbar ist, lässt sich aber angesichts der Vielfalt im öffentlichen Dienst noch nicht sagen.
In der Industrie wird eine ähnliche Wahlfreiheit gut angenommen. Zur Ehrlichkeit gehört jedoch dass 35 Wochenstunden in einer Amtsstube in puncto körperliche Belastung nicht gleichzusetzen sind mit 35 Stunden im produzierenden Gewerbe, weshalb Klagen über vermeintliche Benachteiligungen angesichts von höheren Stundenzahlen im öffentlichen Dienst nur bedingt stichhaltig sind.
Acht Prozent mehr Gehalt angepeilt
Klar ist, dass derlei Erleichterungen einen Preis haben, weil sie die Arbeitgeber Geld kosten. Bei der vorigen Tarifrunde hatten die beiden Gewerkschaften 10,5 Prozent höhere Einkommen gefordert – nun sollen es vor allem mit Verweis auf die zurückliegende Inflation und zur Stabilisierung der Binnenkaufkraft immerhin noch acht Prozent sein. Ihre Offensive hält also an, wenngleich die Verteilungsspielräume eher kleiner geworden sind.