Verein Athleten Deutschland Darum will Karla Borger Präsidentin werden

Eine Frau mit Haltung: Beachvolleyballerin Karla Borger Foto: dpa/Frank Molter

Die Stuttgarter Beachvolleyballerin Karla Borger stellt sich zur Wahl – sie möchte neue Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland werden. Das Problem: Vorgänger Max Hartung hinterlässt große Fußspuren.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Stuttgart - Max Hartung (32) hat sich einen Namen gemacht. Als Weltklasse-Fechter mit dem Säbel, aber auch als einer, der abseits der Planche eine scharfe Klinge zu führen versteht. Hartung war vier Jahre lang das Gesicht von Athleten Deutschland, dem Verein, der Leistungssportlerinnen und -sportlern eine Stimme gibt. Der Präsident verstand sich als Vorkämpfer, als Vermittler, als Verwirklicher. Nun geht es um sein Vermächtnis. Hartung hat nach den Olympischen Spielen die Karriere beendet, jetzt verabschiedet er sich auch von seiner Rolle als Chefsprecher – und hinterlässt große Fußstapfen. Was Karla Borger nicht davon abhält, sich um seine Nachfolge zu bewerben.

 

Die Beachvolleyballerin aus Stuttgart stellt sich bei der virtuellen Mitgliederversammlung an diesem Samstag ebenso zur Wahl wie die Rollstuhlbasketballerin Mareike Miller und der Wasserballer Tobias Preuß. Wie ihre Chancen stehen, vermag sie nicht einzuschätzen, ihre Lust auf den Job aber ist groß. „Ich fände es extrem cool, als Präsidentin von Athleten Deutschland Verantwortung zu übernehmen“, sagt Borger (32), „ich würde sehr gerne daran arbeiten, den Verein weiterzuentwickeln.“

Der Verein hat 1400 Mitglieder

Der Vorteil: Wer auch immer auf Hartung folgt, kann sich auf ein festes Fundament stützen, das seit der Gründung 2017 entstanden ist. Das Budget liegt bei 500 000 Euro pro Jahr, es gibt eine hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle, eine juristische Beratung und 1400 Mitglieder. „Wir hatten die Idee, die Stimme der Athleten zu stärken, und wir sind stolz darauf, was wir aufgebaut haben“, sagt Max Hartung (32), der – quasi als letzte Amtshandlung – in dieser Woche mit deutlichen Worten kritisierte, dass die Sportlerinnen und Sportler nicht in die Suche nach der neuen Führungskraft des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eingebunden sind. „Hartung ist im und für den deutschen Sport geradezu beispielgebend gewesen“, meint Dagmar Freitag, die langjährige Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, „er stand für eine neue Generation mündiger und konstruktiv-kritischer Athleten.“

Zu dieser Gruppe zählt sich allerdings auch Karla Borger. Die zweimalige Olympiateilnehmerin und Vizeweltmeisterin ist nicht nur Gründungsmitglied des Vereins – die Beachvolleyballerin ist auch eine Athletin mit Haltung. Egal ob es um sie selbst geht (2017 wurde sie vom eigenen Verband gemobbt, weil sie sich weigerte, dessen Zentralisierungspolitik mitzumachen), um die Rechte der Frauen (2021 weigerte sie sich wegen der Kleidervorschriften, ein Turnier in Katar zu spielen), um Doping oder sexualisierte Gewalt im Sport: Borger sagt ihre Meinung. Und zugleich hat sie sich Gedanken darüber gemacht, was bei Athleten Deutschland noch besser laufen könnte.

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Die sportlichen Ambitionen bleiben hoch

In der Bilanz seiner Amtszeit erinnert Hartung an die Schwierigkeiten während der Coronapandemie („Wir hätten gerne im direkten Kontakt mehr Athleten erreicht“). Genau hier will die Stuttgarterin ansetzen. „Max Hartung hat in seinem Wirken für die Sportlerinnen und Sportler großen Mut bewiesen, daran würde ich gerne anknüpfen“, sagt Karla Borger, die zuletzt Athletenvertreterin im Beachvolleyball war, „aber ich denke auch, dass man an der Basis noch mehr helfen und unterstützen könnte. Für mich fühlt es sich danach an, als sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um in die Verantwortung zu gehen.“ Was nichts an ihren sportlichen Ambitionen ändert.

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Es ist zwar immer noch nicht entschieden, ob es das Team Karla Borger/Julia Sude, das zuletzt das World-Tour-Finale auf Sardinien gewann, auch nächste Saison noch geben wird. Borger aber will auf jeden Fall weiterspielen – mit dem Fernziel, an den Olympischen Spielen 2024 in Paris teilzunehmen. Egal ob als neue Präsidentin von Athletin Deutschland oder als Präsidiumsmitglied. „Ich werde mich für den Verein engagieren, für welche Position auch immer ich letztlich gewählt werde“, sagt sie, „wenn ich bei Turnieren bin, gilt meine Konzentration dem Sport. Aber zwischendurch bleibt noch genügend Zeit, um mich anderweitig einzubringen. Das habe ich ja auch schon oft genug bewiesen.“

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