Verein aus Stuttgart-Vaihingen Die Initiative Schellack wird 20

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Der Verein hilft Drogenabhängigen, die sich zurück ins Leben kämpfen wollen und kämpft dabei selbst oft ums Überleben.

Die Initiative Schellack ist für Inge Will und Ingo Hochmann eine Art Heimat geworden. Foto: Alexandra Kratz
Die Initiative Schellack ist für Inge Will und Ingo Hochmann eine Art Heimat geworden. Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Nach einem rauschenden Fest mit viel Tamtam ist Inge Will und Ingo Hochmann nicht zumute. Dabei hätten die beiden Vereinsvorsitzenden eigentlich einen Grund zum Feiern. Denn die Initiative Schellack wird 20 Jahre alt. 1996 kaufte die Medizinerin Ursula Dorn das Haus an der Siedlerstraße 7 in Stuttgart-Vaihingen und legte damit den Grundstein für den Verein, der sich kurze Zeit später gründete. Das Ziel war und ist es, ehemaligen Drogenabhängigen zu helfen, endgültig von ihrer Sucht loszukommen. Bei der Initiative Schellack finden sie ein Dach über dem Kopf und eine sinnvolle Beschäftigung. In dem Haus an der Siedlerstraße 7 gibt es drei Zimmer und eine Gemeinschaftsküche. Zum Haus gehört außerdem eine Garage. Dort restauriert Hochmann mit derzeit zwei Mini-Jobbern alte Möbel. Mit dem Naturprodukt Schellack und viel Liebe zum Detail bringen sie das Holz wieder auf Hochglanz.

An diesem Morgen sitzen Will und Hochmann in der Gemeinschaftsküche vor ihren Tassen mit heißem Cappuccino. „Es war keine leichte Zeit“, sagt Hochmann und meint damit vor allem die jüngeren Jahre in der Vereinsgeschichte. Ursula Dorn hat den Verein immer unterstützt – finanziell und moralisch. Inzwischen ist die alte Dame demenzkrank, sie lebt in einem Pflegeheim. Sie erkennt Ingo Hochmann und Inge Will nicht mehr. „Das ist sehr traurig“, sagt Hochmann. Dorn unterstützt die Initiative Schellack auch weiterhin mit Geld. So hat sie es verfügt, und der Betreuungsverein Filder setzt diesen Wunsch um. Aber die Gründerin und gute Seele des Vereins fehlt trotzdem.

Der Verein arbeitet zu marktüblichen Preisen

Es sind die vielen kleinen Dinge, die Will und Hochmann Mut machen. „Die Auftragslage ist gut. Dafür sind wir unseren Kunden dankbar“, sagt Hochmann. Der Verein arbeitet zu marktüblichen Preisen, weil er der freien Wirtschaft keine Konkurrenz machen kann und darf. Auch Spenden seien immer wieder auf dem Vereinskonto eingegangen. „Und wir sind dankbar für die gute Nachbarschaft“, ergänzt Inge Will, die im Umkreis sogar eine gute Freundin gefunden hat.

„Glück haben wir auch mit unseren aktuellen Mini-Jobbern“, sagt Hochmann. Der Jury und der Andy seien zwei Macher. „Mit ihnen geht es aufwärts. Auf einmal passiert wieder was“, sagt Will. Der Verein bringt das Haus wieder auf Vordermann. Im Laufe der Jahre haben viele Menschen dort vorübergehend ein Zuhause gefunden. „Und jeder hat etwas zurückgelassen“, sagt Hochmann. Mittlerweile hat der Verein vier Container mit Müll entsorgt, ein fünfter soll folgen. Das ein oder andere Zimmer hat einen neuen Anstrich bekommen. Von außen haben die Vereinsmitglieder das Haus bereits vor sieben Jahren mit viel Engagement und Eigenarbeit saniert.

Inge Will veröffentlich im Oktober ihr neues Buch

So etwas wie ein Geburtstagsgeschenk gibt es auch. Denn Inge Will hat ihr zweites Buch so gut wie fertig. Im Oktober soll es mit dem Titel „Overkill“ im Handel erhältlich sein. Es geht darin auch um die Geschichte der Initiative Schellack, das Schicksal ihrer Familie und ihrer Freunde. Will bekommt immer wieder eine Gänsehaut, wenn sie daran denkt. Unter dem Pseudonym Ina Kamikaze veröffentlichte sie vor zwei Jahren ihre erste Erzählung „Im freien Fall. Wagnis Leben“.

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