Verein Chloroplast in Stuttgart-Weilimdorf Grünes ist wichtig für das Stadtklima

Von Georg Linsenmann 

Chloroplast Stuttgart, ein Verein für Urban Gardening und Kulturförderung, hat zu seinem Frühlingsfest auf das Walz-Areal in Stuttgart-Weilmdorf geladen. Umweltminister Franz Untersteller überreichte eine Auszeichnung und OB Fritz Kuhn betonte, weshalb das Projekt so wichtig für Stuttgart ist.

Der Verein Chloroplast hat zum Frühlingsfest aufs Walz-Areal geladen. Foto: Georg Linsenmann
Der Verein Chloroplast hat zum Frühlingsfest aufs Walz-Areal geladen. Foto: Georg Linsenmann

Weilimdorf - Die Paletten-Hochbeete auf dem Walz-Areal haben sich weiter vermehrt. Drinnen und draußen. Allein draußen sind es jetzt über 60 an der Zahl. Robuste Kohlrabi streben bereits in die Höhe, der krausblättrige Kerbel zum Beispiel regt sich aber höchstens im Verborgenen. Und die allermeisten Beete sind noch dicht mit Stroh und Pferdemist bedeckt: „Man muss erst noch die Eisheiligen abwarten, bis Mitte Mai kann es immer noch Frost geben, wie im vorigen Jahr“, weiß Tobias Hirt.

Der OB riecht an der Zitronenmelisse und zupft am Dill

Für ihn und die Mitstreiter von Chloroplast Stuttgart, dem gemeinnützigen Verein für Urban Gardening und Kulturförderung, ist es ein ganz besonderer Tag: Nachdem Umweltminister Franz Untersteller schon die Aufwartung gemacht hatte, zur Überreichung der Auszeichnung im Sonderwettbewerb „Soziale Natur – Natur für alle“ im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt, schaut nun auch noch Oberbürgermeister Fritz Kuhn vorbei. Für die Führung durch das Gewächshaus der einstigen Gärtnerei nimmt er sich an diesem Samstagmorgen alle Zeit der Welt. Riecht an der Zitronenmelisse, zupft am Dill, erfreut sich an der Vielzahl der bereits prächtig entwickelten Vorzucht. Besonders interessiert er sich für die Anlagen, mit denen an Kreislaufprozessen für nachhaltige Lebensmittelproduktion experimentiert wird. Für die „Wurm-Terra-Ponik“ also und für die Aquaponik, in der „eine Situation wie am Nil vor dem Dammbau“ simuliert wird, was Hirt bis in die Details darlegt. Im Becken tummeln sich die Tilapia-Buntbarsche, an den Öffnungen der Rohre, durch die das Wasser geleitet wird, gedeiht üppiges Grün.

Kuhn ordnet das Projekt in größeren Zusammenhang ein

Draußen dann, wo sich schon Dutzende Gäste zum Frühlingsfest einfinden, Anlass von Kuhns Besuch, ist er dann voll des Lobes für die Chloroplasten – und ordnet das Projekt in einen größeren Zusammenhang ein: „Unsere Stadt muss grüner werden. Und wir dürfen dabei nicht nur an grüne Inselchen denken, sondern brauchen eine grüne Infrastruktur. „Es gehe um eine „Rückeroberung für das Stadtklima“, auch mit Blick auf heiße Sommer und die kühlende Wirkung von Grün: „Sonst werden mehr Menschen gesundheitliche Probleme bekommen.“ An diesem Projekt gefalle ihm aber „nicht nur die Öko-Kiste, sondern auch, wie Sie das mit sozialen und kommunikativen Aspekten zusammenbringen und hier einen offenen Treffpunkt schaffen“. Dabei habe auch „die Zusammenarbeit mit den benachbarten Flüchtlingen große Bedeutung“. Kurzum: „Sie zeigen, was man machen kann und wie es geht. Damit motivieren Sie auch andere Leute. Ich will Ihnen dafür meine große Anerkennung aussprechen. Was Sie machen, ist wertvoll für die Stadt.“

Anlaufpunkt für viele Menschen

Das ist auch Musik in den Ohren von Christoph Pelka, Student der Landschaftsarchitektur und einer der Mitstreiter von Hirt, der Technologie-Management studiert: „Diese Anerkennung bedeutet uns sehr viel“, sagt Pelka, „die Kleinstrukturen, die wir hier schaffen und pflegen, indizieren biologische Vielfalt für Pflanzen und Insekten. Außerdem ist es ein Anlaufpunkt für ganz viele Menschen. Ich denke, dass es jetzt auch im Stadtbezirk angekommen ist, dass wir hier etwas Ernsthaftes machen“, erklärt er. Und weil justament ein Schmetterling vorbei flattert, fügt er hinzu: „Für mich als Stadtmensch ist das ein Ort, der glücklich macht.“

Mit „großer Sympathie“ schaut auch Rüdiger Walz, Eigentümer des einstigen Gärtnerei-Areals, auf das Projekt. Er wird dabei auch grundsätzlich: „Die globalen Warenströme bei Lebensmitteln sind ein Irrsinn. Wir sollten unseren Kindern die Welt ja eigentlich besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben. Hier wird gezeigt, dass es auch anders gehen kann. Und das ist keine Spinnerei! Sie haben auch das Wirtschaftliche im Auge. Hier produzieren und auf dem Löwen-Markt verkaufen: Das geht! Die Anerkennung, die Chloroplast jetzt bekommt, ist voll verdient.“

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