Verein für Heimatpflege Gerlingen Aus einem Vortrag wird eine Broschüre

Albrecht Sellner (li.) und Jürgen Wöhler in der Gerlinger Petruskirche. Foto: /Simon Granville

Der Verein für Heimatpflege Gerlingen hat jetzt die Broschüre „Die Kreuzigung Jesu in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ von Albrecht Sellner veröffentlicht.

 

Sie ist quadratisch, handlich und birgt einen wahren Schatz: die Broschüre mit dem Titel „Die Kreuzigung Jesu in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ von Albrecht Sellner, die der Verein für Heimatpflege Gerlingen jetzt herausgegeben hat. Die abgebildeten Kunstwerke reichen von Paul Gauguin über Karl Schmidt-Rottluff und Hans Arp bis zu Adolf Valentin Saile. Es ist ein Band, in dem man immer wieder gerne blättert, bei einem oder mehreren Bildern hängen bleibt und sie auf sich wirken lässt. Die kurzen Texte mit Erklärungen zu jedem Werk von Albrecht Sellner ergänzen das, was man sieht. Auf dem Titelblatt ist das Kreuzigungsbild von Alexander Bogen zu sehen, das im Petrushof hängt. Sellner, der den Künstler persönlich kenngelernt hat, erzählt, Bogen habe aus dem Warschauer Ghetto fliehen können und auch anderen zur Flucht verholfen. Der Künstler ging später nach Israel und hatte in Tel Aviv sein Atelier. Was von Bogens Familie übrig geblieben sei, fände sich in dem Bild, betont Sellner: Es ist eine Puppe. Das Werk konnte er 1998 als Bürgermeister für die Stadt Gerlingen erwerben.

„Das war so interessant, dass ich mich eingearbeitet habe“

Sellners Kontakt zu Alexander Bogen, der lange Zeit Präsident der israelischen Künstlervereinigung war, entstand durch einen Besuch in Tel Aviv, den Sellner mit Freunden aus dem Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge in Freudenthal unternahm. „Ich habe ihn dann eingeladen“, erzählt Sellner. Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft. „Bogen hat zwei oder drei Kreuzigungsbilder gemalt,“ weiß Albrecht Sellner. Das Bild war ursprünglich als Geschenk des Staates Israel an den Vatikanstaat vorgesehen, wie Sellner erzählt. „Dort wäre es untergegangen. In Gerlingen kann es jeder sehen,“ sagt der ehemalige Bürgermeister, der die Kunstsammlung in seiner Stadt aufgebaut hat.

Albrecht Sellner schöpft in dem Heft aus seinem reichen kunsthistorischen Wissen. „Neben Jura habe ich auch Kunstgeschichte studiert,“ sagt er. Auslöser war die Bekanntschaft mit Lily Hildebrandt, einer Meisterschülerin von Adolf Hölzl. Durch sie habe er Hölzl, Willi Baumeister und Oskar Schlemmer kennengelernt. „Das war so interessant, dass ich mich eingearbeitet habe.“ Schließlich habe er die Bekanntschaft von Hunderten von Künstlern gemacht, sagt er rückblickend. „Darunter waren auch Frauen, die damals ja nicht studieren durften.“

„Es wäre schade, wenn der Vortrag in der Schublade verschwindet“

Der Grundstock für die Broschüre war ein Vortrag über das Bild der Kreuzigung im Laufe der Zeit, den Albrecht Sellner im Januar beim Männerkreis der Matthäusgemeinde in Gerlingen gehalten hat. Jürgen Wöhler, der Vorsitzende des Heimatpflegevereins, war klar: „Es wäre schade, wenn der Vortrag in der Schublade verschwindet.“ Er wusste, dass man daraus etwas machen muss. Noch am selben Tag bot der Verein Sellner an, die Gestaltung einer Broschüre organisatorisch zu unterstützen und die Druckkosten zu übernehmen.

Wöhler und Sellner waren sich schnell einig, dass sich die Beiträge darin auf die Kunstwerke des 20. Jahrhundert beschränken sollten. Sellner fügt hinzu: „Es war uns außerdem wichtig, künstlerisch hochwertige Kreuzigungsdarstellungen aus Gerlingen und der Umgebung mit einzubeziehen.“ Was auch nachvollziehbar ist, da es sich um ein Heft des Heimatpflegevereins in Gerlingen handelt. Und es ist interessant zu sehen, was für Darstellungen der Kreuzigung Jesu sich ganz in der Nähe finden.

Der Band konzentriert sich auf Werke des 20. Jahrhunderts

Auch wenn sich der Band auf Werke aus dem 20. Jahrhundert konzentriert, so gibt der Kunstexperte Sellner in seiner Einführung auch einen Einblick in die Entwicklungsgeschichte der Kreuzigungsbilder in verschiedenen Zeiten und Epochen.

Die Broschüre „Die Kreuzigung Jesu in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ von Albrecht Sellner ist für fünf Euro im Stadtarchiv Gerlingen, Rathausplatz 1, Telefon 0 71 56 / 205-7406 erhältlich.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Gerlingen