Verein für Jugendhilfe Damit die Daten bleiben, wo sie hingehören

Von Kathrin Klette 

Verein für Jugendhilfe startet ein Pilotprojekt mit einem sicheren Messenger-Dienst.

Der Messenger ist speziell auf die Bedürfnisse des VfJ zugeschnitten – und trägt sogar das vereinseigene Logo. Foto: factum/Bach
Der Messenger ist speziell auf die Bedürfnisse des VfJ zugeschnitten – und trägt sogar das vereinseigene Logo. Foto: factum/Bach

Renningen - „Geh’ nach der Schule noch zu Lara. Bis später.“ Wer auf dem Handy solche Nachrichten über den Messenger „Whats­App“ versendet, macht sich gewöhnlich keine Gedanken über Daten­sicherheit. Bei Gesprächen über Firmen­geheimnisse sieht das schon ganz anders aus. Ganz zu schweigen von sensiblen ­persönlichen Daten.

In einer dezentralen Wohngruppe für Mädchen in Renningen, einer Einrichtung des Vereins für Jugendhilfe (VfJ) im Kreis Böblingen, startet heute ein außergewöhnliches Pilotprojekt: Mit einem eigenen Messenger, entwickelt vom deutschen Startup-Unternehmen „APPbyYOU“, möchte der VfJ seinen jungen Bewohnerinnen eine moderne Kommunikationsplattform bieten – ohne dass die Sicherheit ihrer Daten und derer von anderen Bewohnerinnen gefährdet ist.

„Viele Jugendliche benutzen mittlerweile gar keine E-Mails mehr“, weiß Maria Stahl, Vorstandsvorsitzende des VfJ. „Heute läuft alles über WhatsApp.“ Vonseiten der jungen Bewohner sei deshalb schon öfter der Wunsch geäußert ­worden, dieses Angebot auch für die Wohngruppe nutzen zu dürfen. Doch WhatsApp, das zum Sozialen Netzwerk Facebook Inc. gehört, ist wegen seiner Sicherheitslücken und des fragwürdigen Umgangs mit persönlichen Daten höchst umstritten. „Hinzu kommt: Wer jünger ist als 16 Jahre, darf WhatsApp gar nicht benutzen“, sagt Philipp Löffler vom VfJ. „Nur weiß das kaum jemand, weil sich so gut wie niemand die Nutzungsbedingungen durchliest.“ Für eine Einrichtung wie die VfJ-Wohngruppe also eine denkbar ungünstige Plattform, um Informationen auszutauschen.

Ein Monat vom ersten Gespräch bis zur Umsetzung

„So entstand die Idee: Wir brauchen einen Dienst auf WhatsApp-Basis, mit dem wir die Datensicherheit wahren können“, berichtet Maria Stahl. Und dieser Idee folgten sehr schnell Taten. Über persönliche Kontakte kam ein Gespräch zwischen Maria Stahl und dem Geschäftsführer von APPbyYOU, Thomas Teufel, zustande. Das war vor rund einem Monat. Jetzt wird der Messenger-Dienst in einem Pilotprojekt in Renningen das erste Mal eingesetzt. Die ­Investitionssumme für das speziell auf den VfJ zugeschnittene Angebot lag Stahl ­zufolge im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Die spezielle Plattform trägt den Namen „Company Messenger“ und wird bereits von einigen Firmen genutzt, damit Mitarbeiter und Partner sich auf einer sicheren Plattform austauschen, quasi chatten können, erklärt Thomas Teufel. Vom Prinzip funktioniert der Dienst genauso wie Whats­App. Mit dem Unterschied, dass sich sämtliche Daten und Gespräche auf einem eigenen Server befinden. „Die Rechte an den Chats verbleiben beim Unternehmen oder in diesem Fall beim VfJ“, erklärt Thomas Teufel. Speziell für die Wohngruppe in Renningen bedeutet das: Nur wer das Passwort vom VfJ bekommt, kann den Chat und die übrigen Dienste überhaupt nutzen. Die persönliche Telefonnummer ist für die ­anderen Nutzer nicht sichtbar, nur der eingetragene Name. „Und wenn die Mädchen uns wieder verlassen, können wir ihre ­kompletten Verläufe wieder löschen“, sagt Philipp Löffler.

Samt Hausordnung und Arztterminen

Über den reinen Messenger-Dienst ­hinaus bietet das Programm noch weitere Funktionen. „Die Mädchen finden darüber die Hausordnung, den Putz- und Küchenplan, S-Bahn-Fahrpläne, wichtige Telefonnummern und mehr“, erklärt Maria Stahl. Auch Termine mit Ärzten und Thera­peuten können dort vermerkt werden. „Das spart sogar administrative Arbeit“, sagt Marc Biadacz, Mitglied im VfJ-Verwaltungsrat. Denn über den Messenger könnten die Therapeuten auch die Teilnahme eines Jugendlichen am Gespräch bestätigen. Eingetragen wird das in Bereichen des Messengers, auf die nur die Betreuer ­Zugriff haben, nicht die Mädchen.

„Auch für uns ist das hier ein Leuchtturmprojekt“, sagt Thomas Teufel. Denn das Unternehmen hat die in dieser Form einzigartige Entwicklung davor nur für ­Firmen umgesetzt. Im sozialen Bereich sei dies nun eine Premiere, die er gerne weiterentwickeln wolle. Der Verein für Jugendhilfe wird nun zusammen mit den Bewohnerinnen in Renningen den Messenger im Alltag erproben. „Die Mädchen können damit garantiert richtig schnell umgehen“, ist sich Maria Stahl sicher. „Unser Ziel ist es, dass wir das Konzept später auch in unseren anderen Wohngruppen umsetzen.“