Verein in Münster Schwäbisch-griechische Gastfreundschaft

Von Georg Linsenmann 

Für rund 460 000 Euro hat die Schützengesellschaft Tell die Vereinsgaststätte modernisiert und erweitert. „Das Tell“ ist ein Ankerpunkt des Lebens im Stadtbezirk.

Die Bezirksvorsteherin Renate Polinski, der Vereinsvorstand Frank Schellmann sowie die Pächter Aris Efthymiadis mit Frau und Tochter bei der Wiedereröffnung Foto: Linsenmann
Die Bezirksvorsteherin Renate Polinski, der Vereinsvorstand Frank Schellmann sowie die Pächter Aris Efthymiadis mit Frau und Tochter bei der Wiedereröffnung Foto: Linsenmann

Münster - D

as Vereinsheim an der Burgholzstraße, idyllisch über dem Neckar und mit Blick auf die Mühlhäuser Weinberge gelegen, ist nicht irgendein Vereinsheim. „Das Tell“ ist ein Ankerpunkt im Leben des Stadtbezirkes. Hier werden die Feste gefeiert, wie sie fallen. Nicht zuletzt Familienfeste. Hochzeiten, runde Geburtstage, Taufen. Hier trifft man sich nach den Bestattungen auf dem nahen Friedhof, aber auch zum sogenannten Leichenschmaus, um sich bei diesem Ritual wieder ein wenig dem Leben zuzuwenden. So stellt der Vereinsvorsitzende Frank Schellmann fest: „Unsere Vereinsgaststätte begleitet die Bürger von Münster von der Wiege bis zur Bahre.“

Das vor 40 Jahren gebaute Lokal hatte allerdings eine Auffrischung nötig: „Uns war klar, da muss man was tun“, erzählt Schellmann, „und als Inge Heidenreich, die langjährige Pächterin und Seele des Lokals, ihren Abschied in den Ruhestand ankündigte, da haben wir uns zur Modernisierung entschlossen. Denn nur so kann das Tell bleiben, was es immer war: ein Anziehungspunkt von Münster.“

Dafür musste der Verein ordentlich Geld in die Hand nehmen: 460 000 Euro insgesamt. Davon waren 380 000 Euro förderungsfähig, sodass die Stadt 76 000 Euro zuschoss. Der 170 Mitglieder starke Verein trug rund 2000 Arbeitsstunden an Eigenleistung bei.

Pächterwohnung wird saniert

In dieser Summe steckt nicht nur eine neue, zeitgemäße Inneneinrichtung der Gaststätte mit ihren 120 Sitzplätzen, sondern auch die Sanierung der Pächterwohnung. Darüber hinaus wurde auf der Südseite ein Wintergarten angebaut. Er kann geöffnet werden, was im Verbund mit der zugehörigen Terrasse die Zahl der Plätze im Vergleich zu vorher fast verdoppelt. Auf der Ebene der Parkplätze entsteht auch ein kleiner Kinderspielplatz, was die Funktion als Familien-Gaststätte weiter stärken soll.

Die Bezirksvorsteherin Renate Polinski zeigte sich bei der Wiedereröffnung sehr angetan von der Modernisierung, lobte die Eigenleistung des Vereins und dessen Arbeit insgesamt und stellte fest: „Diese Vereinsgaststätte, die auch die wirtschaftliche Basis des Vereins darstellt, ist ein wichtiges Element im Gefüge des Stadtbezirkes“. Rolf Zondler von der Arbeitsgemeinschaft der Vereine in Münster (Arge) erinnerte daran, dass das Vereinsheim schon „mehrfach Um- und Ausbau“ erlebt habe. Die jetzige Modernisierung nannte er einen „Meilenstein in der Geschichte der Schützengesellschaft“. Andreas Goldmann vom Handels- und Gewerbeverein versprach handfeste Unterstützung: „Wir werden gleich eine der nächsten Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen hier abhalten.“

Das war natürlich Musik in den Ohren von Aris Efthymiadis, dem neuen Pächter des Tell. Er entstammt einer griechischen Gastronomenfamilie. Er ist in Waiblingen aufgewachsen, hat dort Abitur gemacht und dann Informatik studiert: „Da lernt man Klarheit und Ordnung“, stellt er fest. Seit 16 Jahren ist er gastronomisch aktiv. Nach einigen Jahren in Karlsruhe, im „badischen Ausland“, will er wieder im Schwabenland heimisch werden – und die Gäste mit „schwäbisch-mediterraner Küche begeistern“. Dass beide Elemente authentisch zum Zuge kommen, dafür sollen die beiden Köche sorgen. Efthymiadis’ Credo: „Wir wollen mit Klassikern überzeugen und mit wechselnden mediterranen Spezialitäten die kulinarische Neugierde unserer Gäste wecken.“ So freut sich Frank Schellmann auf „schwäbisch-griechische Gastfreundschaft als ein Stück Urlaub in Münster“.

Sonderthemen