Verein Mantrailer in Filderstadt Mit feiner Nase dem Verdächtigen hinterher

Hund Jani sucht nach der Versteckperson,  Frauchen Uschi Wohlfahrt versucht, mit ihm Schritt zu halten. Foto: Eileen Breuer
Hund Jani sucht nach der Versteckperson, Frauchen Uschi Wohlfahrt versucht, mit ihm Schritt zu halten. Foto: Eileen Breuer

Hunde haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Damit sie mit ihren Spürnasen auch Tätern auf die Spur kommen, trainieren die Mitglieder des Vereins Mantrailer aus Filderstadt regelmäßig mit ihren Tieren. Wir waren bei einer Verfolgungsjagd dabei.

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Filderstadt - Jani steckt seine Nase in den Schnee. Der Rüde hat eine Spur erschnuppert. Seine Pfoten tapsen schnell über die Schneedecke, die Leine zwischen seinem Frauchen und ihm ist gespannt. Dann bleibt Jani stehen, hebt ein Bein und pinkelt gegen den Baum. „Manchmal muss er eben auch seine privaten Bedürfnisse befriedigen“, sagt sein Frauchen Uschi Wohlfahrt. Sie kommt mit Jani, einem Altdeutschen Hütehund mit Australian-Shepherd-Einschlag, seit einem Jahr zum Training der Mantrailer Filderstadt. Die Mantrailer setzen sich aus einer Gruppe von Personen zusammen, die das Geruchsorgan des Hundes darin fördern wollen, Spuren zu verfolgen. Seit 2013 sind sie ein eingetragener Verein. Jede Woche trainieren die Hundebesitzer ihre Tiere darin, menschliche Fährten aufzunehmen. An diesem Tag sind sie in Ostfildern unterwegs.

Auf einem Parkplatz treffen sich Herrchen, Frauchen und Hunde. Von dort aus startet das Training. Eine sogenannte Versteckperson, kurz VP, soll gesucht werden. Die Hundebesitzer wechseln sich immer damit ab, sich zu verstecken. Bevor sich die VP auf den Weg macht, reibt sie sich mit einem Tuch über das Gesicht. Dadurch wird nicht nur der Geruch abgetragen, sondern auch Hautpartikel. Das Taschentuch steckt die VP in eine Tüte. Die lässt sie beim Startpunkt zurück.

Die gelbe Warnweste bedeutet, dass es losgeht

Dann geht es auf Verstecksuche. Vom Parkplatz aus läuft sie einmal um ein Schulgebäude. Diesen Ort können die Mantrailer nur sonntags oder abends nutzen. Dann sind dort wenige Menschen unterwegs. Die VP nimmt mit Absicht nicht immer die naheliegenden Wege, das würde ein Verdächtiger bei einer echten Verfolgungsjagd ja auch nicht. Vom Parkplatz aus geht es einen Weg entlang, quer über einen Platz und dann anschließend Treppenstufen hoch zu einem kleinen Feldweg. Der führt an einem Schulgebäude vorbei und endet auf einer weiteren Fläche. Direkt neben dem Schulgebäude führen ein paar Stufen zu einem Nebeneingang. Dort unten neben der Tür versteckt sich die VP.

Jani streunert derweil noch zwischen den anderen Herrchen und Frauchen umher, lässt sich von jedem sein braun-schwarzes Fell streicheln. Er ist heute als erster an der Reihe, die Spur der sich versteckenden Person zu verfolgen. Frauchen Uschi Wohlfahrt legt ihm das Geschirr an: Die gelbe Warnweste soll nicht nur davor schützen, dass Auto- oder Radfahrer den Hund übersehen. Sie ist auch das Zeichen dafür, dass jetzt gearbeitet wird. Das Frauchen hält ihm den offenen Plastikbeutel mit dem Geruchsträger unter die Nase. „Trail!“, sagt Uschi Wohlfahrt – daraufhin geht es los. Jani beginnt sofort, an der Leine zu ziehen. Er hat eine Spur erschnuppert. Seinen Kopf hält der Rüde tief, er rümpft seine Nase.

Der Hund lernt schnell, was er tun soll

Der Geruchssinn eines Hundes ist um das Hundertausendfache feiner als der des Menschen. „Das Tolle ist, dass Hunde sich den Geruch auch merken können“, sagt Jutta Sagert. Die Trainerin begleitet Frauchen und Hund auf der Strecke. Man müsse sich die Gerüche wie ein Orchester vorstellen, in dem ganz viele Instrumente spielen. Der Hund könne darin die Trompete heraushören. Trotzdem nehme der Hund alle Gerüche, wie die eines weggeworfenen Brötchens oder anderer Hunde, die den Weg kreuzen, wahr. Deshalb markiert Jani zwischendrin auch sein Revier, indem er das Bein an einem Baum hebt. Dann aber konzentriert der Rüde sich wieder. Schnell läuft er den Weg bis zum Platz ab. Dort wird es schwierig: Drei Wege führen von dem offenen Gelände weg, die Versteckperson könnte auch über die Wiese gelaufen sein. „Wir wollen davon wegkommen, dass die Hunde sich an den Wegen orientieren, sie sollen sich auf den Geruch konzentrieren“, sagt Trainerin Sagert. Der Rüde läuft zum ersten Ausgang des Platzes. Er folgt dem Weg, schnuppert, richtet seinen Kopf immer wieder auf. Janis Blick schweift zu seinem Frauchen. Die Leine schleift über dem Boden, Jani läuft vom linken Ende des Bordsteins zum rechten. Dann bleibt er stehen. „Wir müssen auch lernen, den Hund zu lesen, falls er keine Partikel mehr findet“, sagt Jutta Sagert. „Der Hund weiß nach drei Monaten, was er tun muss“, sagt Trainer Lothar Barthel. Er ist geprüfter Hundeführer mit 20 Jahren Erfahrung. „Das Schwierige ist nicht das Training mit dem Hund, die Schwierigkeit ist dann der Mensch“, sagt er.

An manchen Stellen heißt es: Endstation

Frauchen Uschi Wohlfahrt hat Jani angemerkt, dass er nicht mehr weiter weiß. Also geht sie mit ihm an die Stelle zurück, an der sie sicher ist, dass Jani die Spur dort noch gerochen hat. Und schon ist die Leine wieder stramm gespannt. Jani tastet sich am Gras entlang zum zweiten Ausgang: Doch auch hier wieder – Endstation. Der Hund lässt sich von ein paar Enten auf dem Teich ablenken. „Kontrolle“, ruft ihm sein Frauchen zu. Doch Jani wühlt lieber ein bisschen im Schnee, auf dem Rücken liegend rollt er hin und her. Wohlfahrt nimmt es gelassen: Ein bisschen Spaß muss auch sein. Die Ablenkung sei mit eine der größten Schwierigkeiten, sagt Lothar Barthel. „Für uns steht der Spaß im Vordergrund“, betont er. Doch inzwischen werden die Mantrailer auch von der Polizei angefordert. 2016 halfen sie dabei, der Spur eines verdächtigen Asylbewerbers nachzugehen.

Ein Weg ist noch übrig. Jani nimmt die Fährte auf, sein Frauchen kann nur mit Mühe mithalten. Er hechtet die Treppen hinauf, dann irrt er wieder ziellos herum. Es dauert ein paar Minuten, bis seine Nase das wahrnimmt, was er will: den Geruch der Versteckperson. Jani heftet den Blick auf den Boden, seine Nase streift am Schnee entlang. Er nimmt die erste Treppenstufe, dann die zweite, die dritte, die vierte. Er hätte die gesuchte Person schon sehen können, aber Jani arbeitet nicht mit den Augen, sondern mit der Nase. Die stößt plötzlich an eine Jeans. Der Blick des Rüden geht nach oben. Und dann: das erlösende Bellen. Hier ist er, scheint Jani damit seinem Frauchen mitteilen zu wollen.

Uschi Wohlfahrt kommt immer wieder gerne mit Jani zum Training der Mantrailer: „Es ist ja ein Grundbedürfnis der Hunde, Spuren zu folgen. Es macht Spaß, dabei zuzuschauen, wie der Hund arbeitet.“




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