Verein Mountainbike Stuttgart "Wir erwarten von der Stadt einen Dialog auf Augenhöhe"

Von Daniela Eichert 

Mountainbiker sind keine Stubenhocker. Wegen Corona kommen die Mitglieder des frisch gegründeten Vereins Mountainbike Stuttgart gerade aber nicht alle gemeinsam an die frische Luft. Zusammen vieles auf den Weg bringen geht trotzdem, sagt der Erste Vorsitzende Benedikt Herré im Gespräch.

Die Uhren stehen in Stuttgart noch nicht auf fünf vor zwölf für den Mountainbike-Sport. Im Gegenteil. In der Neckarmetropole ist viel Potenzial für Biker finden die Gründungsmitglieder des Vereins Mountainbike Stuttgart. Foto: Marcus Euerle 5 Bilder
Die Uhren stehen in Stuttgart noch nicht auf fünf vor zwölf für den Mountainbike-Sport. Im Gegenteil. In der Neckarmetropole ist viel Potenzial für Biker finden die Gründungsmitglieder des Vereins Mountainbike Stuttgart. Foto: Marcus Euerle

Herr Herré, der Mountainbike Stuttgart e.V. ist im Februar gegründet worden und nun durch Covid-19 bereits ausgebremst?

Da wir uns gerade noch in den Anfängen befinden, haben wir aktuell sehr viel Büroarbeit. Wir bauen unsere Mitgliederverwaltung auf, arbeiten an Werbung über Social Media und Presse, sind im Austausch mit den Ämtern, und verfeinern unsere strategischen Ziele. Für die Zeit nach Corona bereiten wir klassische Vereinsaktivitäten wie Treffen und Veranstaltungen vor. Wir kommen digital oft zusammen und treiben die Themen sehr motiviert voran.

Welche sind das konkret?

Der Verein möchte sich für ein zeitgemäßes, attraktives MTB-Angebot in der Region engagieren, sich dazu mit anderen Mountainbike-Gruppierungen vernetzen, in den Dialog mit unterschiedlichen Nutzer- und Interessensgruppen sowie Behörden treten und ein bedarfsgerechtes Angebot erarbeiten. Zudem stehen die ehrenamtliche Trail- und Wegepflege sowie Aufgaben beim Bau und Betrieb von Strecken auf der Vereinsagenda. Das übergeordnete Interesse: ein rücksichtsvolles Miteinander im Wald.

Warum braucht es dafür einen Verein?

Mountainbiken ist ein beliebter Freizeitsport, auch in Stuttgart und der Region gibt es rund 60.000 Mountainbiker. Häufig sind diese Individualsportler, was bedeutet, dass sie nicht in Vereinen organisiert sind. Dies führt einerseits dazu, dass ihre Interessen in der Öffentlichkeit wenig sichtbar sind – auch weil sie ungebündelt bleiben. Andererseits sind sie etwa für die Stadtverwaltung nur schwer ansprechbar. Dies wollen wir ändern und eine Plattform bieten, die den Dialog in beide Richtungen sucht.

Wollen Individualsportler überhaupt in einen Verein?

Seit wir Anfang April die Vereinsgründung öffentlich gemacht haben, haben wir über 500 Mitglieder gewinnen können. Wir freuen uns sehr über die positive Entwicklung. An der Vielzahl der Anmeldungen und Anfragen merken wir, dass wir mit unserer Mission ins Schwarze getroffen haben und unsere Werbung und Vernetzung sehr gut funktionieren. Jeder Mountainbiker oder Unterstützer kann über das Aufnahmeformular auf unserer Website Mitglied werden.

Ruht die Arbeit in den Gremien und der Austausch mit den zuständigen Ämtern momentan oder bekommt beides gerade einen Pusch, da Fahrrad fahren in Corona-Zeiten einen Boom erfährt?

Wie bei allem bremst Corona gewisse Dinge. Auf der anderen Seite sind aktuell mehr Leute im Wald unterwegs denn je, das beschleunigt in dem Fall und zeigt auf, wie hoch der Bedarf unserer citynahen Trails ist. Leider reagiert die Stadt aktuell mit Kontrollen und der Durchsetzung von realitätsfremden Verboten auf diesen seit Jahren ansteigenden Bedarf.

Statt Verbote auszusprechen: was raten Sie Radfahrern aktuell?

Aufgrund von Corona und der erhöhten Belastung des Gesundheitssystems sollten Biker nur innerhalb bzw. unterhalb ihrer Komfortzone fahren, um etwa Unfälle und Verletzungen zu vermeiden. Schotterwege mit vielen Fußgängern wenn möglich meiden bzw. umfahren. Falls dies nicht möglich ist, Geschwindigkeit reduzieren und sich rechtzeitig bemerkbar machen. Beim Überholen sollte mehr als anderthalb Meter Abstand gehalten werden. Maximal zu zweit und möglichst früh morgens fahren, wenn im Wald wenig los ist.

Wie wird sich die Welt der Fahrradfahrer in Stuttgart nach Corona verändern?

Wir hoffen, dass mehr Leute das Fahrrad weiterhin im Alltag nutzen und die Stuttgarter Trails als super Naherholungsmöglichkeit wahrgenommen haben. Wir erwarten für den weiteren Verlauf des Jahres, dass die Stuttgarter Ämter mit uns in einen Dialog auf Augenhöhe treten, um so gemeinsam mit uns Bikern an einer Deckung unseres Bedarfs und an der Lösung der damit verbundenen Herausforderungen zu arbeiten. 

Mehr erfahren über den MTB-Stuttgart: Auf der Homepage, Instagram, Facebook oder per E-Mail Kontakt aufnehmen.

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