Vereinbarkeit von Beruf und Familie Mehr Teilzeit für Männer hilft den Frauen
Viele Unternehmen werden familienfreundlicher. Aber gerade bei der Pflege und Teilzeit von Vätern gibt es noch Nachholbedarf, meint Wirtschaftsredakteur Daniel Gräfe.
Viele Unternehmen werden familienfreundlicher. Aber gerade bei der Pflege und Teilzeit von Vätern gibt es noch Nachholbedarf, meint Wirtschaftsredakteur Daniel Gräfe.
Immer mehr Beschäftigte profitieren von familienfreundlicheren Arbeitsbedingungen. Wie so oft, kommt der Druck von außen: Die Coronakrise hat zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten durch das Homeoffice und einer stärkeren Digitalisierung geführt. Vor allem aber zwingt der Arbeits- und Fachkräftemangel zum Handeln. Wer nicht auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingeht, wird diese oft nicht gewinnen oder nicht lange halten.
Man muss den Unternehmen zugestehen, dass auch das Verständnis und die Einsicht wachsen, dass Arbeit, Kindererziehung und Pflege vereinbar sein müssen. Familienfreundliche Maßnahmen stehen vielerorts ganz oben in der Personalpolitik. Nicht zu übersehen sind aber grundsätzliche Probleme, für die auch der Gesetzgeber Verantwortung trägt: Die Möglichkeiten, Angehörige zu pflegen, sind weitaus geringer als jene, Kinder aufzuziehen. Das ist in einer alternden Gesellschaft ein Problem, das viele Unternehmen noch nicht ausreichend erfassen.
Das zweite Problem ist, dass viel mehr Männer und Väter mehr Teilzeit oder Elternzeitmonate nehmen wollen, als sie können. Wer aber mehr Frauen in Vollzeit oder mehr Mütter im Arbeitsmarkt sehen will, muss auch den Männern und Vätern mehr Angebote machen.
All das zeigt, dass die Personalpolitik der Unternehmen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen Hand in Hand gehen. Wenn noch immer die Ganztagesbetreuung in Kitas und Schulen mehr Anspruch als Wirklichkeit bleibt und Pflegeplätze rar sind, stößt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch jenseits der Personalabteilungen an ihre Grenzen.