Der Musikverein Stadtkapelle Owen bereitet sich auf das Maienfest vor. Foto: /Rainer Kellmayer
Bei Festen und Veranstaltungen müssen die Vereine auf immer mehr achten. Ein Aspekt ist das Thema Sicherheit. Schlägereien rücken den ehrenamtlichen Einsatz für die Gemeinschaft in den Hintergrund. Darüber beschweren sich Vereine im Kreis Esslingen.
„Einen solchen Ausbruch von Gewalt habe ich bisher bei unseren Festen noch nicht erlebt“, sagt Holger Macho, der den Musikverein Owen seit zehn Jahren als Vorsitzender führt. Ausgangspunkt war eine tätliche Auseinandersetzung auf der Tanzfläche. Die professionellen Sicherheitskräfte versuchten zu schlichten und brachten die Kontrahenten ins Foyer der Teckhalle, wo die Situation jedoch eskalierte: Weitere Personen schalteten sich in äußerst aggressiver Weise in den Konflikt ein.
In der aufgeheizten Atmosphäre war eine verbale Deeskalation nicht möglich. Auch weibliche Sicherheitskräfte wurden massiv tätlich angegriffen. Deshalb wies die Security die Streitenden aus der Halle und schloss die Türe zu. Da diese anschließend versuchte, die Glaswand im Eingangsbereich mit Gewalt zu zertrümmern, wurde die Türe wieder geöffnet und Pfefferspray eingesetzt.
Holger Macho Foto: Rainer Kellmayer
Als die Polizei eintraf, waren die Täter bereits auf der Flucht und wurden von den Polizisten verfolgt. Holger Macho lobt den professionellen Einsatz von Security und Polizei: „Durch das konsequente Einschreiten ist Schlimmeres verhindert worden.“
Kosten durch Security
Dennoch schlug der Vorfall in der Region hohe Wellen. „Auf unsere ehrenamtliche Tätigkeit wurde ein Schatten geworfen“, sagt Volker Grupp, der im Musikverein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Aus den Einnahmen der Feste würden insbesondere die Jugendarbeit und die Beschaffung von Instrumenten finanziert. „Wir müssen für die Security einen erheblichen Aufwand leisten. Dadurch werden unsere finanziellen Möglichkeiten deutlich eingeschränkt“. In dasselbe Horn stößt Philipp Weber, der stellvertretende Vorsitzende des Musikvereins Neuhausen. „Bei unseren Fasnetsveranstaltungen entlastet die Security zwar die Vereinsmitglieder, doch in der Vereinskasse entsteht durch die Kosten ein Loch“.
Die in der Versammlungsstättenverordnung des Landes vorgegebenen Auflagen zum Einsatz professioneller Sicherheitskräfte zeigen Wirkung. „Erfahrungsgemäß verlaufen die meisten Vereinsfeste unproblematisch“, betont Markus Drews von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Reutlingen. Deshalb würde in diesem Bereich auch keine polizeiliche Statistik geführt.
Fasnetsvereine starten Kampagnen gegen Gewalt
Auch beim Blasmusikverband Esslingen sind keine gravierenden Vorfälle bekannt. „Ich erinnere jedoch an einen Vorfall mit Gewalteinwirkung, der sich vor vielen Jahren in meiner Zeit als Vorsitzender der Stadtkapelle Plochingen ereignet hat“, berichtet Ralf Krasselt, der Geschäftsführende Präsident des Verbandes. In der Folge seien der Stadtkapelle durch die Behörden verschärfte Auflagen in puncto Security-Einsatz bei Veranstaltungen gemacht worden.
Der Einsatz von Sicherheitskräften hat sich auch beim Musikverein Wäldenbronn bewährt. Der Vorstand für Repräsentation, Uwe Eberspächer, erzählt: „Wenn es im Zelt mal kriselte, entspannte sich durch die Autorität der Ordnungskräfte die Situation schnell“. Auch bei den Festen des Musikvereins Berkheim ist Gewalt kein Thema. „Bei unseren Feten geht es – wie auch beim Berkheimer Meisenfest – friedlich zu“, sagt der Vorsitzende Marcus Schmidlechner.
Bei der Fasnet des Narrenbunds Neuhausen ist regelmäßig Sicherheitspersonal im Einsatz. Zudem laufen Kampagnen gegen Gewalt. „Bei insgesamt 60 000 Besuchern vom Schmotzigen Donnerstag bis zum Fasnetsdienstag sind kleinere Vorkommnisse mit Klärung durch die Polizei nicht vermeidbar“, sagt der Präsident des Narrenbunds, Holger Witt. Treffend ist der Leitsatz des Narrenbunds: „Jedem zur Freud und niemand zum Leid“.