Vereine in der Corona-Krise Der Ball auf dem neuen Rasen soll bald rollen

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Die Allianz beginnt mit ihrem Neubau auf den ehemaligen Sportflächen des TSV Georgii Allianz. Dieser hat zum Ausgleich einen neuen Kunstrasen bekommen. Doch wann dort richtig gespielt werden kann, ist wegen der Corona-Krise ungewiss.

Wann auf dem Platz in Stuttgart-Vaihingen richtig gespielt werden kann, ist offen. Foto: Lichtgut/Rettig
Wann auf dem Platz in Stuttgart-Vaihingen richtig gespielt werden kann, ist offen. Foto: Lichtgut/Rettig

Vaihingen - Es ist einer der modernsten Kunstrasenplätze in Stuttgart. Das Spielfeld ist 55 mal 90 Meter groß, der gesamte Platz hat eine Fläche von 5700 Quadratmeter. Verfüllt ist diese nicht mit Kunststoff, was in jüngster Zeit in Verruf gekommen ist, sondern mit Sand. 15 Kilogramm kommen auf einen Quadratmeter, was eine Gesamtmenge von 85 Tonnen bedeutet. Am Mittwoch haben Vertreter des Versicherungskonzerns Allianz den Kunstrasenplatz offiziell an den TSV Georgii Allianz übergeben. „Der Ball soll weiter rollen, auch während der sicher sehr anstrengend werdenden Bauphase“, sagte die Allianz-Personalleiterin Brigitte Preuß. Die Vereinsvorsitzende Heidemarie Haas entgegnete: „Wir sind dankbar, dass es uns ermöglicht wurde, hier weiter Sport zu betreiben.“

Hintergrund des Termins ist der in Vaihingen überwiegend skeptisch betrachtete Neubau der Allianz an der Heßbrühlstraße. Das Unternehmen will dort seine neue Zentrale mit Büros für 4000 Menschen errichten. Die Gegner des Projekts befürchten nicht nur noch mehr Verkehr rund um den Synergiepark. Sie kritisieren auch, dass weitere Flächen versiegelt werden würden und hätten sich zumindest einen Naturrasenplatz gewünscht. Inzwischen hat der Gemeinderat den Allianz-Neubau aber abgenickt. Im Juni will der Konzern mit dem Abbruch bestehender Gebäude beginnen. Im Herbst könnte der Spatenstich sein.

Alle Vereine sollen gut überleben können

Als Anfang 2016 die Pläne der Allianz bekannt wurden, auf ihren firmeneigenen Grundstücken zu bauen, fürchteten viele um die Zukunft des dort beheimateten Sportvereins TSV Georgie Allianz. Doch diese Sorgen sind mittlerweile vom Tisch. Denn die Stadt und die Allianz haben mit den im Gebiet Schwarzbach angesiedelten Vereinen ein Konzept ausgearbeitet, das allen ein Überleben sichern sollte. Die Vereine sind enger zusammengerückt, allen voran der SV Vaihingen und der TSV Georgii Allianz. Der neue Kunstrasenplatz befindet sich auf einem städtischen Grundstück, das bisher vom NLV genutzt worden war. Dieser hat zum Ausgleich ein neues Faustballfeld bekommen.

Die Allianz hat in den Bau der neuen Sportflächen, wozu auch drei Beach-Volleyball-Felder und ein Boule-Platz gehören, vier Millionen Euro investiert. Zudem baut der Konzern eine neue Sporthalle. Bis diese fertig ist, bleibt die alte Halle des TSV Georgii Allianz bestehen, um den Sportbetrieb nicht einzuschränken. Dann aber muss sie weg, weil dort ein Grünstreifen vorgesehen ist.

Corona-Krise kostete die Vereine bisher kaum Mitglieder

Bis zum ersten Spiel auf dem neuen Kunstrasenplatz, werden wohl noch einige Monate vergehen. Denn die Corona-Krise hat den Sportbetrieb lahmgelegt. Nur sehr langsam kommt er wieder ins Rollen, denn die Verantwortlichen wollen kein Risiko eingehen. Die Vereinsvorstände des TSV Georgii Allianz und des SV Vaihingen haben Corona-Regeln erarbeitet. Auf deren Grundlage können die einzelnen Abteilungen ihre Konzepte vorstellen. Beim SV Vaihingen waren in dieser Woche bereits Leichtathleten und Fußballer wieder vor Ort. „Einzelne Läufer waren hier. Die Fußballer haben in Kleingruppen ohne Körperkontakt trainiert“, sagt die SVV-Geschäftsführerin Madeleine Steinbock. Sie hat Zeiten und Flächen zugeteilt und auf dem Sportgelände Laufwege markiert, damit sich die Gruppen nicht begegnen. Zudem wird genau dokumentiert, wer wann auf dem Gelände war. Der Spielplatz bleiben vorerst noch geschlossen.

Die Vereinsmitglieder hatten Verständnis für den Shutdown. „Sie haben uns durchweg die Treue gehalten“, sagt Haas. Beim SVV habe es lediglich einen Austritt gegeben, so Steinbock. Manchmal habe sie aber Sportler vertreiben müssen, die nicht akzeptieren wollten, dass das Gelände wegen der Pandemie gesperrt ist. „Die Corona-Krise hat viele verunsichert. Es ist ein gutes Zeichen, dass es jetzt langsam wieder losgeht. Ich glaube, viel länger hätten unsere Mitglieder nicht durchgehalten. Ohne Lockerungen wäre jetzt wohl noch die ein oder andere Kündigung gekommen“, sagt Steinbock.

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