Vereinsfusion in Ludwigsburg Der Traditionsverein SpVgg 07 Ludwigsburg ist Geschichte

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Einst hat die SpVgg 07 Ludwigsburg gegen SV Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt gespielt. Jetzt ist der Verein fast pleite – und schließt sich dem MTV Ludwigsburg an. OB-Kandidat Matthias Knecht vermittelt.

Glorreiche Zeiten: Im August 1983 spielte die Sportvereinigung 07 Ludwigsburg gegen Heilbronn Foto: Baumann   Repro: StZ
Glorreiche Zeiten: Im August 1983 spielte die Sportvereinigung 07 Ludwigsburg gegen Heilbronn Foto: Baumann   Repro: StZ

Ludwigsburg - Seit dem 29. März 2019 um 19.20 Uhr ist die Sportvereinigung 07 Ludwigsburg Geschichte. In den 70er-Jahren spielten für sie Stars wie Günther Schuh bundesweit in der zweithöchsten Spielklasse gegen den 1. FC Nürnberg oder 1860 München. Größen wie Rainer Adrion oder Rainer Widmayer kamen von 07. Doch die glorreiche Zeit ist lange vorbei.

Die Herrenmannschaft spielt aktuell in der Bezirksliga gegen den Abstieg, 250 000 Euro Schulden drücken die Vereinskasse. „Ohne Verschmelzung mit dem MTV gehen im Herbst die Lichter aus“, warnte das Vorstandsmitglied Holger Pressel die Mitglieder am Freitag auf der letzten Versammlung – woraufhin diese mit nur drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen den Anschluss an den zehnmal größeren MTV 1846 Ludwigsburg beschlossen. Er ist nach der Schützengilde der zweitälteste Verein in Ludwigsburg.

Der MTV ist zehn Mal größer als die 07 Ludwigsburg

Mit 6500 Mitgliedern, soliden Finanzen und einer Männermannschaft, die in der dritten Turner-Bundesliga antritt, ist der MTV ein starker Partner. Zu stark, fanden einige Mitglieder der Spielvereinigung 07, die aktuell nur 650 Mitglieder verzeichnet. „Manche hatten die Sorge, ob da noch Platz für Fußball ist“, sagt Holger Pressel.

In dieser Ausgangslage hat Matthias Knecht als Vorsitzender des MTV Ludwigsburg und des Stadtverbandes Sport verhandelt, verhandelt und noch mal verhandelt. „Wir hatten rund 40 Arbeitsgruppensitzungen“, sagt er. Den Fusionsvertrag hat der Jurist, der im Hauptberuf Professor und Dekan an der Hochschule Kempten ist, selbst formuliert – mit Blick fürs Detail.

Die Fußballer laufen weiter in Schwarz-Gelb auf

Die Fußballer, die künftig als MTV Ludwigsburg in der Bezirksliga antreten sollen, dürfen ihre Farben Schwarz-Gelb behalten und müssen nicht im Rot-Weiß des MTV auflaufen. „Wir müssen unterschiedliche Meinungen und Hintergründe verstehen“, sagt Knecht. Auch eine starke Präsenz des Namens 07 in der Vereinschronik hat viele Bedenken zerstreut.

Diesen kooperativen Weg sieht Knecht auch als „Brücke zur OB-Kandidatur“. Denn der 43-Jährige wird nächste Woche auch offiziell seinen Hut in den Ring werfen und gegen Werner Spec bei der Oberbürgermeisterwahl am 30. Juni antreten. Die CDU unterstützt ihn seit Samstag, also einem Tag nach der Vereinsfusion, auch offiziell. Dennoch sagt Knecht: „Bei diesem Hundert-Meter-Lauf starte ich bei Null und Werner Spec bei 50.“ Falls Knecht als Erster ins Ziel läuft, gibt es einen Plan B. „Wir haben eine Lösung im Vorstand ausgearbeitet“, sagt er. Denn als Stadtoberhaupt könnte er nicht Vereinschef sein.

Matthias Knecht wird einstimmig Chef des Gesamtvereins

Am Samstag wurde Knecht trotz dieser Unwägbarkeiten zum Chef des fusionierten Vereins gewählt– einstimmig. Es ist übrigens nicht seine erste Vereinsfusion: Bereits 2017 gelang es ihm, den SC Ludwigsburg und den MTV zusammen zu führen.

Für die einst ruhmreiche Sportvereinigung ist es die Rettung vor der Insolvenz. Der Abschwung war schleichend – noch 1991 stand man im Finale der deutschen Amateurmeisterschaft gegen den SV Werder Bremen im Jahnstadion und schaffte es bis in die zweite Runde des DFB-Pokals. Ab 1997 begann der Abstieg bis in die Bezirksliga. Hohe Kosten für den Spielbetrieb, der Ausfall von Sponsorengeldern und Mitgliedsbeiträgen, Investitionen in die Infrastruktur – nach jahrelanger Überschuldung war im November 2018 beinahe Schluss. Dazu fehlte es an ehrenamtlich Engagierten. „Ich sehe die Fusion als Chance“, sagt Pressel, der als einziger „Nullsiebener“ im neuen MTV-Vorstand sitzt.

Das Erbe der Nullsiebener lebt weiter

Die Spielvereinigung bringt als Erbe einiges mit ein: drei Sportplätze, inklusive des Jahn-Stadions, und die Vereinsgaststätte sollen erhalten bleiben. Für kleinere 07-Sparten wie die Football-Mannschaft Bulldogs und die Boxabteilung ist die Fusion eine Chance, aus dem Schatten der Fußballer herauszutreten – sie waren daher schon im Vorfeld die eifrigsten Unterstützer der geplanten Fusion.

Nun werden die Strukturen zusammengelegt, alle Fäden laufen in der Geschäftsstelle des MTV zusammen. Doch möglicherweise muss der neue Großverein sich im Sommer bereits einen neuen Vorsitzenden suchen – wenn Matthias Knecht bei der Wahl erfolgreich ist. Eine interne Nachfolgeregelung ist angedacht. Doch Knecht sagt: „Bis zum Amt ist ein weiter Weg.“




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