Vereinsfusion Stadtkapelle/Lyra „Untereinander komisch zu sein, bringt nichts“

Die Zeiten, als die Stadtkapelle   ohne Hilfe von außen,  ein so zahlreiches Orchester auf die Bühne stellen konnte, sind vorbei Foto: Archiv
Die Zeiten, als die Stadtkapelle ohne Hilfe von außen, ein so zahlreiches Orchester auf die Bühne stellen konnte, sind vorbei Foto: Archiv

Der Ehrenvorsitzende der Stadtkapelle, Kurt Franke, spricht sich für eine Fusion mit der Lyra aus.

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Leonberg - Ich rate dem Verein Stadtkapelle, die Fusion mit der Lyra Eltingen einzugehen“, sagt der Ehrenvorsitzende der Stadtkapelle, Kurt Franke. Seit er 2003 nach 23 Jahren das Amt des Vereinsvorsitzenden aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hat, habe ihn natürlich auch weiterhin interessiert, wie es dem Verein geht. Aber sich einzumischen, sei nicht seine Art gewesen, sagt der 81-Jährige.

Doch angesichts der gegenwärtigen Lage und nach den heftigen Attacken gegen den amtierenden Vereinsvorstand auf der jüngsten Informationsveranstaltung müsse er sich zu Wort melden, meint Franke. Um die Zukunft der Blasmusik in der Stadt zu sichern, um dem Mitgliederschwund und einer Kapelle, die kaum noch Jugend gewinnen kann, entgegenzuwirken, sei der Vorstoß der beiden Vereinsvorstände, eine Fusion einzugehen, der richtige Weg.

Alle Animositäten ausblenden

„Ein gemeinsames Auftreten verleiht mehr Gewicht und es würde beiden guttun“, ist der Ehrenvorsitzende überzeugt. Die Zeiten, als beide Kapellen aus dem Vollen schöpfen konnten, seien vorbei. Eine älter werdende Gesellschaft, ein verändertes Freizeitverhalten, Änderungen in der Schullandschaft würden das ihrige dazu beitragen, dass Vereine schwächeln. „Mit gutem Willen von beiden Seiten müsste es eigentlich funktionieren“, meint Franke. „Man muss doch nicht so komisch untereinander sein“, rät er, die angeblichen Animositäten zwischen Leonberg und Eltingen auszublenden.

Dabei hat der 1936 im Sudetenland geborene und mit zehn Jahren in Leonberg Angekommene, wo es den Vater nach Kriegsende hin verschlagen hatte, schon einige Fusionen erlebt, die er alle als Erfolgsgeschichten empfunden hat. In jungen Jahren hat Kurt Franke im Turnverein Leonberg Tischtennis gespielt und Leichtathletik betrieben und nebenher auch 13 Jahre lang die Vereinskasse gemacht. Dann kam 1968 der Zusammenschluss mit dem Turnerbund und dem Fußballclub Leonberg zur TSG. „Uns hat das gutgetan, denn wir beim Tischtennis hatten bereits eine Spielgemeinschaft mit dem Turnerbund“, sagt Kurt Franke im Rückblick. Im neuen Verein war er Kassier. Er gehörte auch 1978 zu den Mitbegründern der TSG-Tennisabteilung, wo er neun Jahre stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer gewesen ist. Auch heute spielen das TSG-Ehrenmitglied und Ehefrau Doris noch Tennis auf dem Engelberg.

Dann kam 1980 ein Hilferuf von der Stadtkapelle. Der damalige Dirigent, der US-amerikanische Professor Robert Stanton, ein Verfechter klassicher Blasmusik, und der Vereinsvorstand waren mit der jüngst gegründeten Golden-Brass -Band aneinandergeraten. „Die wollten mit ihrer Musik das große Geld verdienen, aber die Annehmlichkeiten des Vereins unentgeltlich nutzen.“ 13 Musiker schieden aus dem Verein aus, der Vorstand warf das Handtuch. „Unsere vier Kinder, die alle bei der Stadtkapelle musizierten, meinten: Papa, du kannst das doch mit der Vereinsarbeit“, erinnert sich Kurt Franke. Und daraus wurden für den Musikliebhaber, der selbst aber keine Noten lesen kann, 23 Jahre als Vereinsvorsitzender der Stadtkapelle.

Miteinander kann gut klappen

„Es war eine große Zäsur im Verein, die Jugendkapelle wurde gegründet, von den aktiven Musikern gab es viel Unterstützung“, sagt Franke, der auch im Vorstand des Stadtverbandes Kultur war. Der Verein zählte etwa 240 Mitglieder. Es wurde viel gereist, etwa nach Kärnten zur Partnerkapelle aus Feld am See, oder nach Holland. In Lichtenstein in Sachsen half die Stadtkapelle, aus der ehemaligen DDR-Werkskapelle einen Verein aufzubauen.

„Doch der Schwerpunkt wurde auf die Jugendarbeit gesetzt“, sagt Franke. Der Verein stieg 1982 in die Altpapiersammlung ein. „Allein bis zum Ende der D-Mark haben wir damit mehr als 250 000 Mark erwirtschaftet.“ Auch heute noch sammelt der Verein gemeinsam mit dem Landkreis Altpapier. Ein Vereinestammtisch, an dem auch die Lyra und der Musikverein Höfingen teilgenommen haben, habe vieles geklärt – etwa, dass nicht die Stadt der Kapelle den Dirigenten und die Uniform finanziere. Ebenfalls hier wurde die heute gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule angebahnt.

An eine Episode, wie gut Miteinander klappen kann, erinnert sich Kurt Franke gern. Es war die Unterzeichnung der Städtepartnerschaft 1990 in Rovinj. Weil Ferien waren, stellte man eine 45-köpfige Kapelle aus Lyra, der Stadtkapelle und Musikern aus Warmbronn zusammen. „Das hat wunderbar geklappt und als wir auf der Heimreise erfuhren, dass die Lyra auf einem Termin Besetzungsprobleme hatte, sind acht von uns eingesprungen“, erzählt Franke.

„Natürlich entscheiden die Mitglieder, und vor einer Fusion gibt es noch viel zu klären, aber die Obst- und Gartenbauvereine und die Sportvereine haben es uns vorgemacht, dass es klappen kann“, sagt der Ehrenvorsitzende. Jeder müsse dann für sich selbst entscheiden, ob er weitermacht, oder dem Verein den Rücken kehrt.

„Übrigens auch beim Schwarzwaldverein, in dem wir beide mitmarschieren, klappt es – hier war vor drei Jahren in Leonberg kein Vorstand angetreten und so haben wir uns mit dem Verein in Weil der Stadt zusammengetan“, sagt Kurt Franke.




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