Vereinskultur im Strohgäu Die Konkurrenz um Mitglieder ist groß

Von Patricia Elsner 

Ausflüge für die Kinder, Schnittkurse für die Erwachsenen oder Herzsport für die Älteren: Die Vereine im Strohgäu müssen sich einiges einfallen lassen, um ihre Mitglieder zu halten und neue zu gewinnen.

Der Gartenbauverein Gerlingen bietet  Schnittkurse für Obsbäume  an. Foto: factum/Granville
Der Gartenbauverein Gerlingen bietet Schnittkurse für Obsbäume an. Foto: factum/Granville

Strohgäu - Über Halloween geht es für das Jugendblasorchester des Musikvereins Stadtkapelle Ditzingen auf eine Freizeithütte nach Backnang. Vormittags wird geübt, nachmittags dürfen sich die Kinder dann vergnügen. Ansonsten geht es während des Jahres auch zusammen in den Kletterpark oder zum Eishockeyspiel. „Mit solchen Aktionen versuchen wir, die Kinder und Jugendlichen für uns zu gewinnen“, sagt Hans-Martin Bittler, der Vorsitzende des Vereins.

Rund 40 Kinder spielen derzeit im Jugendblasorchester des Vereins. Noch vor zehn Jahren waren es etwa 60 Jungmusiker. „Aus dem Jugendorchester generieren wir unseren Nachwuchs für die Stadtkapelle“, sagt Bitttler. „Wenn wir irgendwann einmal keine Jugendlichen mehr haben, wird es dünn für uns.“ Das Vororchester für die Allerjüngsten hat der Verein bereits in das Jugendorchester integriert, weil zu wenig Kinder sich dafür angemeldet hatten. „Wir konkurrieren vor allem mit den Sportvereinen. Ich finde es ja verständlich, wenn sich die Kinder in ihrer Freizeit lieber austoben möchten.“

Die Feuerwehr in Korntal braucht Verstärkung

Auch die Feuerwehr in Korntal-Münchingen setzt auf ihren Nachwuchs. Und das Ehrenamt scheint bei den Jugendlichen beliebt zu sein. „Derzeit stehen fünf Kinder auf der Warteliste“, sagt der Kommandant Thomas Bräuner. Nicht ganz so populär ist das freiwillige Engagement allerdings bei den Korntaler Erwachsenen. „Hier fehlen uns noch Feuerwehrleute“, sagt Bräuner.

48 Männer und Frauen sind in der Korntaler Abteilung aktiv. 60 Freiwillige sind es hingegen in Münchingen. „Unsere Öffentlichkeitsarbeit haben wir daher in letzter Zeit auf die Korntaler Bevölkerung konzentriert“, sagt der Kommandant. Mit Erfolg. Seit Beginn der Kampagne mit neuen Broschüren und Werbemitteln seien vier neue Feuerwehrleute dazugekommen. Schwankende Mitgliederzahlen seien bei der Feuerwehr, die streng genommen kein Verein, sondern eine Pflichteinrichtung der Stadt ist, jedoch ganz normal. „Das bedingt sich durch den Zu- und Wegzug von Kameraden.“

1750 Mitglieder im Hemminger Sportverein

Kaum eine Veränderung der Mitgliederzahlen hat hingegen der Obst-, Wein-, und Gartenbauverein Gerlingen zu verzeichnen. „Seit zehn Jahren haben wir konstant um die 240 Mitglieder“, sagt der erste Vorsitzende des Vereins, Thomas Fauser. Dafür müsse der Verein seinen Mitgliedern und solchen die es noch werden sollen, ständig Neues bieten. „Das ist nicht mehr so einfach wie noch vor zehn Jahren“, sagt Fauser. Ausflüge mit dem Verein, Schnittkurse und der günstige Abtransport von Schnittgut seien nur ein paar der Aktivitäten, mit denen der Verein locken will. „Der Konkurrenzdruck ist groß. Wenn man als Verein langfristig überleben will, muss man von den Menschen wahrgenommen werden“, sagt der Gartenfreund.

Über niedrige Mitgliederzahlen kann sich auch die Gesang- und Sportvereinigung Hemmingen nicht beklagen. „Mit dem neuen Wohngebiet in Hemmingen haben wir viel Mitgliederzuwachs bekommen“, freut sich Jürgen Uwe Rapp, der zweite Vorsitzende des Vereins. Rund 1750 Erwachsene und Kinder seien in einer der elf Abteilungen des Vereins eingeschrieben, die meisten davon in Gymnastik, Turnen und Fußball. „Das ist ein Zuwachs von rund 200 Mitgliedern in den letzten zwei bis drei Jahren“, sagt der Vorsitzende.

Immer weniger Ehrenamtliche in Hemmingen

Probleme habe der Verein jedoch dabei, Trainer und Ehrenamtliche zu finden. Die Mitglieder seien nicht gewillt, sich für den Verein ehrenamtlich zu betätigen. „In den größeren Sportabteilungen haben wir mittlerweile angestellte Trainer“, sagt Rapp. Mit Steuervergünstigungen und Fahrtkostenpauschalen versuche der Verein, die Mitglieder trotzdem vom Ehrenamt zu überzeugen. „Die kleineren Abteilungen können sich keine Angestellten leisten, dort sind wir auf Freiwillige angewiesen.“

Auch das Programm des Vereins soll erweiter werden. „Wir machen uns durchaus Gedanken um die Zukunft und den demografischen Wandel“, sagt Rapp. Daher sollen demnächst auch Kurse speziell für ältere Menschen angeboten werden. Zum Beispiel Herzsport und Rückengymnastik.

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