Die Mitglieder des VfB Stuttgart erhalten nun Post mit besonderem Inhalt – auf elektronischem Wege. Im Newsletter „Dunkelrot Aktuell“, der das vierteljährlich erscheinende Vereinsmagazin ergänzt, wird auf das Bestreben der Initiative „VfB jetzt“ hingewiesen, die nach der Fußballsaison möglichst schnell eine außerordentliche Mitgliederversammlung anpeilt. Das ist der Kompromiss, den das VfB-Präsidium zuletzt vorgeschlagen hat – und auf den Monica Wüllner, Christoph Burandt, Hans Dürr und Andreas Waldner eingegangen sind.
Zuvor gab es einige anwaltliche Schreiben. Ein juristischer Streit drohte. Doch nun rückt das Quartett von der eigenen Idee ab, dass ihr Aufruf mit dem eigens formulierten Text direkt über den VfB an die Mitglieder per Email verschickt wird. Durch diese Vorgehensweise wäre aus ihrer Sicht nicht nur das Gleichheitsprinzip erfüllt, sondern ebenso der Datenschutz gewährleistet gewesen, da keine Adressen an einen Datentreuhänder nach außen gegangen wären.
Das VfB-Präsidium um Claus Vogt hatte jedoch einen anderen Weg im Auge – auch auf Beratung von Stefan Brink. Der frühere Landesdatenschutzbeauftragte wurde vom Verein für dieses Projekt hinzugezogen. Demnach sollte den Mitgliedern zunächst eine Widerspruchsfrist eingeräumt werden, ehe die Informationen der Initiative erfolgen. Für den Versand sollte ebenfalls die Initiative verantwortlich zeichnen. Und dafür müssten die Mitgliederdaten schließlich doch an einen Treuhänder gehen.
„Spielverzögerung als Taktik“, titelte daraufhin „VfB jetzt“ auf ihrer Homepage. Denn ein solches Vorgehen hätte die Aktion deutlich in die Länge gezogen. Vorbei. Zähneknirschend hat man dem neuen Vorschlag des Vereins zugestimmt, über den Newsletter zu kommunizieren. Die Initiative will keine Zeit mehr verlieren und umgehend alle Mitglieder erreichen. Bisher gibt es knapp 1500 unterzeichnete Anträge für eine außerordentliche Versammlung. 6500 sind allerdings nötig, um das Quorum von zehn Prozent der Stimmberechtigten zu erreichen.
Bis zum 22. Mai sollte die Unterschriftenaktion ursprünglich über die Bühne sein. Jetzt verweist der VfB im Newsletter darauf, dass die vier Mitglieder „wie alle“ die satzungsgemäßen Rechte ausüben können, von den inhaltlichen Positionen distanzieren sich die Vereinsgremien allerdings. „Insbesondere vor dem Hintergrund der bereits auf 10. September 2023 terminierten ordentlichen Mitgliederversammlung halten Präsidium und Vereinsbeirat eine zusätzliche außerordentliche Mitgliederversammlung nicht für zielführend“, heißt es. Auf der Tagungsordnung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung stünden allein Abwahlanträge, die das Präsidium mit Vogt an der Spitze sowie den Vereinsbeirat betreffen.