Vereinspolitik beim VfB Stuttgart Warum dem VfB wieder eine Zerreißprobe droht

Das Präsidium mit Claus Vogt (Mitte) an der Spitze sowie Rainer Adrion (links) und Christian Riethmüller muss sich beim VfB Stuttgart einigen Problemen stellen. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Bei Teilen der Vereinsgremien nimmt die Kritik an Präsident Claus Vogt zu – und kommen rund um den VfB Stuttgart unangenehme Fragen auf.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Das Präsidium des VfB Stuttgart hat sich das so einfach vorgestellt. Erst erfolgt die Prüfung der Lage, und anschließend wird die Stellungnahme zu einem externen Rechtsgutachten auf der eigenen Internetseite veröffentlicht. Darin erklärt man den eventuellen Satzungsverstoß bei zwei Mitgliedern des Vereinsbeirats für obsolet – und ausgestanden ist die Angelegenheit. Doch der Umgang mit der Causa hat intern Wirbel ausgelöst. Vor allem der Präsident Claus Vogt gerät in die Kritik, weil in der Vereinserklärung ein falscher Eindruck zulasten seines einstigen Widersachers Pierre-Enric Steiger erweckt wird – und nun werfen VfB-Gremienmitglieder unangenehme Fragen auf.

 

Im Detail geht es zunächst um das Engagement von Marc Nicolai Schlecht im Vereinsbeirat. Ein Gutachten, das der einstige Präsidentschaftskandidat Steiger in Auftrag gegeben hat, gelangt zu dem Schluss, dass der Mediziner aufgrund seiner Tätigkeit als Mannschaftsarzt beim ersten Frauenteam des VfB gar nicht in dem Gremium sitzen darf (wir berichteten). Das Präsidium sieht dies nach Einschätzung des Clubjustiziars Jan Räker genau anders und erklärt dazu: „Um jegliche Diskussionen zu vermeiden, beendet er dennoch seine Tätigkeit für die erste Frauenmannschaft. Das Präsidium bedauert, dass dem Team dadurch eine wichtige Unterstützung verloren geht.“

Damit wird Steiger der Schwarze Peter zugeschoben. Nur: Schlecht hatte seine Tätigkeit schon vorher beendet. Weil ein möglicher Satzungsverstoß bereits seit Wochen beim VfB kontrovers diskutiert wird – oder soll man sagen: Es wird darüber in Präsidium und Vereinsbeirat heftig gestritten? Schlecht macht keinen Hehl daraus, dass die Formulierung des Präsidiums nicht präzise ist. „Ich habe mein Engagement als Mannschaftsarzt beim ersten Frauenteam des VfB bereits vor Eingang des externen Auftragsgutachtens beendet. Seit das erste Frauenteam rückwirkend zum Juli in die VfB AG übertragen wurde, hat sich der VfB mit der Möglichkeit eines eventuellen Satzungsverstoßes beschäftigt. Das war im September. Auf diese neue Konstellation haben der VfB und ich reagiert“, sagt er. Der VfB verweist auf erneute Nachfrage in diesem Zusammenhang auf die bereits veröffentlichte Stellungnahme.

Das sagt Vereinsbeirat Marc Nicolai Schlecht

Mehr gibt es aus Sicht des Vereins offenbar nicht zu sagen. Vor dem Wechsel des Frauenteams vom VfB e. V. in die VfB AG war die Sache ja nicht relevant, und warum das Präsidium den Zeitablauf der Öffentlichkeit gegenüber verschwiegen hat, bleibt vorerst ungeklärt. Unter Gremienmitgliedern haben die Aussagen in der VfB-Mitteilung deshalb zu Irritationen geführt. Das betrifft zunächst den Vereinsbeirat, da in dem Rechtsgutachten von außerhalb neben Schlecht auch im Fall von André Bühler von einem Satzungsverstoß die Rede ist. Beide werden zusammen mit Rainer Weninger und Michael Astor dem Vogt-Lager zugerechnet.

Die weiteren Vereinsbeiratsmitglieder (Martin Bizer, Kai Engler, Werner Gass, Bernadette Martini, Susanne Schosser) streben jetzt eine Aufklärung an – möglichst intern, auf jeden Fall sachlich und transparent. Dennoch droht dem VfB eine vereinspolitische Zerreißprobe, da es offensichtlich zusätzlich um die Machtverhältnisse in den Vereinsgremien geht.

Die Stimmungslage ist entsprechend gereizt. Zumal ein Präsidiumsmitglied der Stellungnahme widersprochen hat – öffentlich auf einer Regionalversammlung des Clubs bei Tübingen. Christian Riethmüller verdeutlichte am vergangenen Freitag, dass der mögliche Satzungsverstoß im Fall Schlecht schon vor der Übergabe des Rechtsgutachtens (8. November) bekannt gewesen sei. Das klingt zwischen Riethmüller und seinen Präsidiumskollegen Claus Vogt und Rainer Adrion nicht nach Einigkeit in der Sache.

Das sagt Pierre-Enric Steiger

Schlecht selbst führt aus: „Ich habe meine Tätigkeit als Mannschaftsarzt des ersten Frauenteams beendet, um den VfB und auch mich vor etwaigen Diskussionen zu schützen. Als VfBler und Fan der Mannschaft werde ich diese weiterhin als Zuschauer begleiten und moralisch unterstützen. Für das zweite Frauenteam und die U 17 bin ich nach wie vor zuständig.“ Zudem ist ihm wichtig, klarzustellen: „Ich habe nie eine Bezahlung von der VfB AG erhalten und stand auch zu keiner Zeit in einem Vertragsverhältnis zu dieser. Die Kooperationsvereinbarung zur medizinischen Betreuung der Damenmannschaften wurde ausschließlich mit dem VfB e. V. getroffen. Ohnehin handelt es sich eher um eine Aufwandsentschädigung denn um eine Bezahlung. Bei der Tätigkeit standen Idealismus und die Liebe zum VfB stets im Vordergrund.“

Ein Herz für das Trikot mit dem Brustring haben auch alle anderen. Dennoch drehen sich viele Fragen nicht um die Inhalte. Steigers Ansinnen, ob die von ihm beauftragte Kanzlei Einblick in die juristische Ausarbeitung des VfB habe könne, um nachvollziehen zu können, wo und warum man angeblich falsch lag, lief ins Leere. „Das hat Claus Vogt abgelehnt, da es eine interne Angelegenheit sei“, sagt Steiger. Für den VfB sei die Sache damit abgeschlossen. „Das respektiere ich. Auch wenn ich es schade finde – weil ich glaube, dass es ein wenig mehr Transparenz im Sinne der Mitglieder gewesen wäre.“ Doch Ruhe wird beim VfB kaum einkehren, denn das Hinterfragen dürfte so schnell nicht aufhören.

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