Vereinspolitik des Bundesligisten Warum es beim VfB Stuttgart gewaltig rumort
Der Sportdirektor Sven Mislintat hat sich kritisch zur Situation des VfB Stuttgart geäußert – aber wie reagiert nun der Präsident und Aufsichtsratschef Claus Vogt darauf?
Der Sportdirektor Sven Mislintat hat sich kritisch zur Situation des VfB Stuttgart geäußert – aber wie reagiert nun der Präsident und Aufsichtsratschef Claus Vogt darauf?
Stuttgart - Das böse M-Wort macht an der Mercedesstraße 109 in Bad Cannstatt wieder die Runde: Machtkampf. Bereits zu Jahresbeginn hatte dieser beim VfB Stuttgart getobt, als sich der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger und der Präsident Claus Vogt darüber stritten, wer denn auf welche Weise den Fußball-Bundesligisten künftig führen solle. Monatelang dauerte die Auseinandersetzung und wurde vor allem über die Aufklärung der Datenaffäre in der Öffentlichkeit ausgetragen.
Bis heute ist vielen Anhängern unverständlich, warum sich Hitzlsperger und Vogt nicht zusammenraufen konnten. Klar ist jedoch, dass Vogt als Präsident wiedergewählt wurde, und Hitzlsperger seinen Rückzug als AG-Chef für das nächste Jahr angekündigt hat. Und da es hinter den Kulissen nun wieder um die Besetzung von Führungsposten und die damit verbundene Richtlinienkompetenz geht, rumort es im Club.
Es könnte sich sogar ein neuer Machtkampf ergeben – diesmal zwischen dem Aufsichtsrat der AG und Sven Mislintat. Denn der Sportdirektor hat im Interview mit unserer Redaktion das Vorgehen bei der Suche nach einem neuen Sportvorstand kritisiert. Der Aufsichtsrat möchte sich zu Mislintats Ausführungen jedoch aktuell nicht äußern. Intern wird dennoch intensiv darüber beraten, wie mit der öffentlich platzierten Kritik des Sportdirektors umzugehen ist.
Erfreut sind Claus Vogt und Rainer Adrion, die zusammen mit Bertram Sugg im Aufsichtsrat die Bestellung der neuen Vorstände vorbereiten, jedenfalls nicht. Vogt steckt in seiner Funktion als Chef des Kontrollgremiums gar in einer Zwickmühle. Einerseits ist Mislintat der Mann, der die Stuttgarter sportlich wieder auf ein Erfolgsgleis gesetzt hat. Er ist auch der Kaderplaner, der bei den Fans deshalb große Wertschätzung genießt, und er ist der Transferexperte, durch dessen Personalpolitik der Club bisher viele Millionen von Euro eingenommen beziehungsweise an Gehältern gespart hat. Geld, das der VfB in der Coronakrise dringend benötigt.
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Andererseits will sich der Aufsichtsrat nicht vorschreiben lassen, wen er als Sportvorstand zu bestellen hat. Unabhängig von Namen ist das Kontrollgremium außerdem bestrebt, das Ressort „Sport“ auf der obersten Hierarchieebene erneut zu besetzen – und sei es mit einer vierten Person, da Hitzlsperger eine Doppelfunktion innehat.
Schon allein das führt in Zeiten immenser Einnahmeverluste zu Diskussionen. Ein weiterer Vorstandsposten kostet, zumal wenn eine Fachkraft von außen geholt wird. Mislintat ist jedoch nicht grundsätzlich gegen eine externe Lösung. Sie muss nur gut sein, sich mit den vorhandenen Kompetenzen ergänzen oder sie bereichern. Weshalb er dafür plädiert, sich der Angelegenheit von der inhaltlichen Seite zu nähern.
Mislintat sieht den VfB mit drei Direktoren im Sport jedenfalls stark aufgestellt. Neben ihm kümmert sich Markus Rüdt um die Organisation und Thomas Krücken um den Nachwuchs. Aus diesem Trio ließe sich einer nach vorne schieben. Mislintat selbst legt aber keinen Wert auf eine Beförderung. Er will nah an der Mannschaft sein. Weshalb womöglich Rüdt als jemand, der konzeptionell denkt und ohnehin viel Verwaltungsarbeit erledigt, infrage kommt. Doch das ist nur eine interne Möglichkeit. Von extern wird Joti Chatzialexiou gehandelt, sportlicher Leiter beim Deutschen Fußball-Bund. Der 45-Jährige gilt als gut vernetzt, und er arbeitet beim Verband seit Jahren konzeptionell. Allerdings weist er noch keine Erfahrung im Bundesligageschäft auf. Dennoch stand Chatzialexiou am Ende eines Auswahlverfahrens, das von einer Beratungsagentur begleitet wurde.
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Mislintat überzeugt das offenbar nicht. Zudem verwundert es, dass der Aufsichtsrat mit ihm anfänglich zwar gesprochen hat, er jedoch nicht weiter einbezogen wurde. Daraus ergibt sich neben der inhaltlichen Diskussion noch ein Kommunikationsproblem. Zumal Mislintat seine jetzt öffentlich geäußerte Kritik zuvor direkt bei Vogt und Adrion, die auch im VfB-Präsidium sitzen, vorgebracht haben soll.
Gehört wurde der Sportdirektor bislang nicht richtig. Jetzt kämpft Mislintat um den neu gebauten VfB – und Vogt fällt die Rolle des Vermittlers zu. Schließlich soll der Sportdirektor dem Club erhalten bleiben und ein möglichst starker Vorstand installiert werden. Wozu in erster Linie ein passender AG-Chef gefunden werden soll. Mit ihm ließe sich im Kernbereich womöglich eine gemeinsame Lösung erarbeiten, die dem VfB einen weiteren Machtkampf erspart.