Verfahren gegen Black Jackets Auf die Razzia folgt der Prozess

Auch das Clubheim der Black Jackets in Remseck wurde im Oktober durchsucht. Die Polizei nahm 17 Männer  fest, sechs davon stehen jetzt vor Gericht. Foto: factum/Granville
Auch das Clubheim der Black Jackets in Remseck wurde im Oktober durchsucht. Die Polizei nahm 17 Männer fest, sechs davon stehen jetzt vor Gericht. Foto: factum/Granville

Sechs teils hochrangige Mitglieder der Black Jackets aus dem Kreis Ludwigsburg müssen sich vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe: Erpressung und Drogenhandel.

Lokales: Tim Höhn (tim)
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Ludwigsburg/Stuttgart - Der Staatsanwalt redet schnell, und er hat dafür einen triftigen Grund: Die Anklageschrift ist lang. Schutzgelderpressung, Drogenhandel, Manipulation von Spielautomaten – die sechs Männer auf der Anklagebank haben, wenn die Vorwürfe zutreffen, eine intensive kriminelle Karriere hinter sich. Der Hauptangeklagte ist 28 Jahre alt und Präsident der Ludwigsburger Ortsgruppe der Black Jackets. Wenige Stühle weiter sitzt sein Vize, 32 Jahre. Die vier anderen Angeklagten im Alter zwischen 20 und 22 Jahren stehen in der Hierarchie der Gruppe deutlich weiter unten. Nach einer groß angelegten Razzia gegen Black Jackets im Kreis Ludwigsburg kamen die Sechs in Haft. Seit Freitag müssen sie sich vor der vierten Großen Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts verantworten.

Die Männer sollen unter anderem Schutzgeld erpresst haben

Die Anklage geht davon aus, dass die Männer zahlreiche Glücksspielautomaten in Discotheken, Spielhallen und Gaststätten im Raum Ludwigsburg, Waiblingen und Heilbronn manipuliert haben, um Gewinne abzuräumen, die ihnen nie zustanden. Seit dem vergangenen Sommer sollen sie in wechselnder Besetzung blitzschnell kleine Löcher in Automaten gebohrt und Drähte umgesteckt haben, so dass auf dem Display Spielgewinne aufleuchteten. Zwei der Angeklagten hatten zuvor für eine Automatenfirma gearbeitet, sie kannten sich aus – es funktionierte. Die fingierten Guthaben, meist Beträge um die 500 Euro, „holten die Angeklagten dann an der Kasse ab“, erklärt der Staatsanwalt.

Für die Erpressungen sollen sich die Ludwigsburger Black Jackets überwiegend Leute aus dem Umfeld ihrer Gruppierung ausgesucht haben. Besonders häufig, so die Staatsanwaltschaft, habe es sich bei den Opfern um Aussteiger gehandelt. Diese seien massiv unter Druck gesetzt, eingeschüchtert und bedroht worden, bis sie sich zu Schutzgeldzahlungen bereit erklärt hätten. Darüber hinaus sollen die Angeklagten im vergangenen September sieben Kilogramm Kokain gekauft haben, um es weiter zu verkaufen. Bei den Wohnungsdurchsuchungen wurden zudem Dopingmittel gefunden. Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass einige der Angeklagten die Testosteronpräparate selbst schluckten, „um groß und stark zu werden“. Die Kammer hat bis August 13 Verhandlungstage angesetzt. Vier der Angeklagten haben bereits angekündigt, dass sie sich im Verlauf des Verfahrens zu den Vorwürfen äußern wollen.

Bei der Razzia waren 450 Polizisten im Einsatz

Die Black Jackets sind in ihrer Struktur mit Rockergruppen vergleichbar und unterteilt in zahlreiche Ortsgruppen, so genannte Chapter. Die Mitglieder haben häufig einen Migrationshintergrund. Die Ermittlungen gegen das Ludwigsburger Chapter waren nach einer Anzeige eines Geschäftsmannes aus Kornwestheim ins Rollen gekommen, der von einem anderen Mitglied der Gruppe erpresst worden und daraufhin zur Polizei gegangen war. Der Erpresser wurde bereits zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Bei der Razzia im Oktober nahmen die 450 Einsatzkräfte – durchsucht wurden Wohnungen in Kirchheim, Schwieberdingen, Bönnigheim, Ludwigsburg und Stuttgart sowie das Clubheim der Gruppe in Remseck – 17 weitere Personen fest. Drei davon wurden kürzlich wegen Drogenhandels verurteilt, das Verfahren gegen einen vierten Angeklagten läuft noch.

Ebenfalls nicht beendet ist der Mammutprozess in Stuttgart-Stammheim, in dem sich mehrere Black Jackets aus einem anderen Chapter unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten müssen.




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