In der Kirchstraße nahe der Stiftskirche soll sich die Tat ereignet haben – zwar nachts, aber an einer Stelle der Stadt, die selten ganz menschenleer ist. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Meldung über die Vergewaltigung einer Jugendlichen am 1. April auf offener Straße in der Stuttgarter Innenstadt hat für Entsetzen gesorgt – und erst einmal viele Fragen offen gelassen. Die Polizei setzt ein Puzzle zusammen.
Ein Vorfall in der Nacht auf den 1. April hat viele Menschen in Stuttgart bewegt. Laut Polizei ist da ein 15 Jahre altes Mädchen in der Innenstadt auf offener Straße vergewaltigt worden. Zwar nachts um 1 Uhr, allerdings im Bereich der Stiftskirche, wo normalerweise auch zu dieser Zeit noch Menschen unterwegs sind. Offen geblieben waren zu Beginn der Ermittlungen zahlreiche Fragen.
Vier Wochen später fügt sich das Puzzle langsam zusammen. Das Wichtigste: Die Polizei hat offenbar nach den jetzigen Erkenntnissen keine Zweifel, dass sich die Tat wirklich ereignet hat. „Wir haben keine Hinweise darauf, dass die Aussagen nicht stimmen“, sagt eine Sprecherin.
Zurückhaltung wegen des Alters des Opfers
Dieser Punkt ist nicht unwichtig. Nicht, weil es grundsätzliches Misstrauen gegenüber Opfern gäbe, sondern weil im Sommer 2023 ein ähnlicher Fall für große Aufregung gesorgt hatte. Damals hatte eine junge Frau ausgesagt, in einem Hauseingang auf der Königstraße vergewaltigt worden zu sein. Nach einer Erhöhung der Zahl der Sicherheitskräfte und einer hitzigen öffentlichen Debatte über die Sicherheit in der Innenstadt hatte die Frau nach zehn Tagen intensiver Fahndung nach dem detailliert beschriebenen angeblichen Täter zugegeben, die Geschichte erfunden zu haben.
Im aktuellen Fall sind auch weitere Details inzwischen klar. Zuviel darf die Polizei aus Ermittlungsgründen und auch wegen des Alters der Betroffenen nicht sagen, aber sicher ist, dass die 15-Jährige in jener Nacht mit einer Freundin, die ebenfalls minderjährig ist, unterwegs war. Die bestätigt offenbar die Aussagen.
Demnach haben sich die beiden in der Nacht zum 1. April gegen 1 Uhr in einem Schnellrestaurant in der Königstraße aufgehalten. Dort lernten sie offenbar zwei ihnen zuvor unbekannte Männer kennen. Gemeinsam sollen die vier den Burgerladen dann verlassen haben und Richtung Stiftskirche gegangen sein. Warum die Mädchen mit den Männern mitgegangen sind, sagt die Polizei nicht.
Im Bereich der Kirchstraße hat sich die kleine Gruppe offenbar aufgeteilt. Während die Freundin des Opfers wohl mit einem der Männer weitergegangen ist, blieb die 15-Jährige mit dem anderen ein Stück zurück. Er soll sie daraufhin vergewaltigt haben. Ob sein Begleiter von dem Plan wusste und deshalb als Komplize gilt, ist offen. Die 15-Jährige begab sich nach der Vergewaltigung in eine ihr bekannte Jugendschutzeinrichtung in der Nähe. Dort vertraute sie sich einer Mitarbeiterin an, die die Polizei verständigte.
Nach wie vor hat die Polizei „keine Erkenntnisse zum Täter“, so die Sprecherin. Die Ermittlungen liefen weiter auf Hochtouren. Gesucht werden weiterhin Zeugen, die am frühen Morgen des 1. April im Bereich der Kirchstraße etwas Auffälliges beobachtet haben oder Hinweise zum Verdächtigen geben können. Laut Beschreibung der 15-Jährigen war er zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß und zwischen 20 und 28 Jahre alt. Er hatte einen dunklen Teint und trug einen Vollbart. Zeugen werden gebeten, sich unter der Rufnummer 07 11 / 89 90 - 57 78 bei der Kriminalpolizei zu melden.