Vergrößerung oder nicht? Irritationen um den Nationalpark

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Hat die CDU eine Kehrtwende in ihrer Haltung zum Nationalpark Nordschwarzwald hingelegt? Äußerungen des Frakionsvize Peter Hauk schienen darauf hinzudeuten. Doch der rückt seine Aussagen gegenüber der StZ zurecht.

In einem Nationalpark ohne Teilung könnten sich nicht nur Besucher ungestörter bewegen. In der Bilderstrecke zeigen wir die Geschichte des Nationalparks Nordschwarzwald. Foto: dpa 20 Bilder
In einem Nationalpark ohne Teilung könnten sich nicht nur Besucher ungestörter bewegen. In der Bilderstrecke zeigen wir die Geschichte des Nationalparks Nordschwarzwald. Foto: dpa

Stuttgart - Der Agrarminister äußerte sich maliziös. „So ein Meinungsumschwung innerhalb von eineinhalb Jahren ist ein großer Erfolg“ kommentierte Alexander Bonde (Grüne) die jüngsten Äußerungen von Peter Hauk (CDU) zum Nationalpark Nordschwarzwald. Hauk, wie die ganze CDU ein entschiedener Kritiker des Vorhabens, hatte im Badischen Schlagzeilen gemacht mit einem Vorschlag, das zweigeteilte Gebiet zu arrondieren. Schlussfolgerungen, dass er den Park dadurch vergrößern wolle, wies der frühere Vorsitzende der Landtagsfraktion gegenüber der Stuttgarter Zeitung jedoch zurück.

„Ich will den Park nicht ausweiten“, sagte Hauk auf Nachfrage. Vielmehr habe er der Regierung vorgehalten, es sei ein Manko, dass der Park kein zusammenhängendes Gelände sei. Der insgesamt zehn mal zehn Kilometer große Nationalpark erstreckt sich mit gut 7600 Hektar rund um den Ruhestein, den nördlichen Teil bilden knapp 2500 Hektar beim Hohen Ochsenkopf. Das Gebiet ist getrennt durch einen Wald im Besitz der 120 Mitglieder der Murgschifferschaft, einer alten Genossenschaft. Hauk forderte die Regierung auf, mit Angrenzern zu verhandeln, zum Beispiel mit den Murgschiffern um das Gelände zu arrondieren.

Grafik: Nationalpark Schwarzwald - zweigeteilt (für eine größere Ansicht klicken Sie auf die Grafik)

Für einen Park an einem Stück

Die CDU wolle einen Nationalpark an einem Stück, erneuerte Hauk die alte Kritik. Die CDU will aber keineswegs die beiden Teile durch den Wald der Murgschiffer verbinden. Vielmehr wolle man den Park in die Höhe verschieben, wiederholte Hauk frühere Forderungen. „Im Durchschnitt sollten die Flächen auf über 800 Metern liegen“, sagte der studierte Förster Hauk. Ihm missfällt, dass der Park gegenwärtig bis auf 550 Höhenmeter hinabreicht. Durch Verhandlungen könnte das Land Fläche in der Höhe gewinnen. Flächen in den tieferen Lagen fielen dann aus dem Park heraus. „Der Park wird dann kleiner, aber wir hätten das Manko der zwei Flächen geheilt“, lautet Hauks Forderung. Auch werde das Risiko der Schädigung der angrenzenden Wälder durch den Borkenkäfer minimiert.

Dem Naturschutzminister Bonde wirft Hauk vor, er habe nicht ausgiebig genug mit den Angrenzern verhandelt und die Zweiteilung „billigend in Kauf genommen“. Ein Manko hätte aber auch der Vorschlag der CDU. Der Park wäre dann deutlich kleiner als 10 000 Hektar. Dies wird international als sinnvolle Mindestgröße betrachtet.

Offenbar haben sich die Murgschiffer gesprächsbereit gezeigt. Einen Flächentausch halten sie nicht für ausgeschlossen, man müsse halt geduldig mit ihnen verhandeln, meldet die „Badische Zeitung“. Das Ministerium winkt ab. „Verhandlungen stehen gegenwärtig überhaupt nicht an“, erklärt ein Sprecher des Agrarministers.

Von den Irritationen abgesehen, hat Hauk bei seinem Auftritt im Badischen Wolfgang Schlund, dem Chef des Naturparks, dennoch eine Freude gemacht. Die CDU wolle den Nationalpark im Fall einer Rückkehr an die Regierung nicht rückabwickeln, hatte Hauk bei der Diskussion gesagt, dazu steht er auch jetzt noch.

Erkenntnis oder Taktik?

Auch der Minister, der von dem Auftritt vor zwei Wochen jetzt erfahren hat, ist zufrieden. „Es freut mich, dass auch die Opposition von der Fundamentalopposition runter kommt“, sagte Bonde am Dienstag vor Journalisten und blickte zurück: „Herr Hauk hat ja damals vor der Entvölkerung ganzer Dörfer im Schwarzwald gewarnt, wenn der Nationalpark kommt. Offensichtlich hat man da jetzt etwas gelernt, oder die Position aus taktischen Gründen verändert“.

Der Park wurde am 1. Januar 2014 offiziell eingerichtet. Inzwischen ist dort Bonde zufolge eine Menge in Bewegung. Er berichtete von „hunderten von Veranstaltungen und Besuchergruppen“. Momentan werde das Tourismus- und das Wegekonzept zusammen mit der Region entwickelt. Ein großes Besucherzentrum solle im Jahr 2018 entstehen. Die ersten Rangerstationen gehen laut Bonde dieses Jahr an den Start.

Der Nationalparkchef Wolfgang Schlund freut sich über steigendes Interesse aus den Hochschulen. Das wissenschaftliche Monitoring der Gebiete habe bereits begonnen. Erste bemerkenswerte Funde verzeichne man bei Pilzen. Jetzt erstelle man ein Konzept für das Monitoring der Bäche und Karseen im Nationalpark.