Solarpanels sind zuletzt günstiger geworden – die staatliche Förderung brauche es deshalb nicht mehr, sagt Ministerin Reiche. Foto: Florian Schuh/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen abschaffen. Wie sieht es dann mit der Rendite aus? Ein Rechenbeispiel schafft Klarheit.
Auch mit nur mittlerer Mathebegabung konnte bisher jeder Hausbesitzer leicht ausrechnen, ob sich eine Solaranlage für ihn lohnt. Denn die zentralen Faktoren wie die Investitionskosten und das Entgelt für den eingespeisten Strom standen fest. Unterm Strich kam fast immer raus: Ja, es lohnt sich, zumindest über 15 bis 20 Jahre gesehen. Ganz ohne Mathebegabung kann man die Rendite übrigens mit einem Rechner der Stiftung Warentest prüfen.
Doch nach dem Willen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) soll diese Vergütung wegfallen, die bisher 20 Jahre lang einen festen Preis garantiert hat. Sie liegt derzeit bei 7,86 Cent pro Kilowattstunde und sinkt halbjährlich um ein Prozent. Künftig müsste ein Hausbesitzer nehmen, was ihm der Netzversorger noch zu zahlen bereit wäre, wenn er überhaupt noch einen Abnehmer fände. Fest kalkulieren ließe sich das jedenfalls nicht mehr, schon gar nicht über 20 Jahre. Denn vielleicht wechselt der Preis sogar stündlich.
Bestehende Anlagen bekommen weiter ihre Einspeisevergütung
Kleine, aber wichtige Entwarnung: An der fixen Vergütung für bereits bestehende Anlagen will auch Reiche nicht rütteln.
Das Hauptargument der Ministerin ist nun, dass sich kleinere Solarkraftwerke bis 30 Kilowattpeak, wie sie heute auf Ein- und Mehrfamilienhäuser gebaut werden, sowieso rechneten und deshalb keiner Förderung mehr bedürften. Zudem kündigte Reiche weitere Belastungen an: Besitzer von Windkraft- und Solaranlagen müssten sich an den Kosten des Netzausbaus beteiligen. Und die Anlagen müssten ihren Strom intelligent einspeisen können, Stichwort Smart meter. Letzteres ist sicher sinnvoll.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sorgt mit ihren Aussagen zu Solaranlagen für heftige Debatten. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Aber wie sieht dann die Kalkulation aus? Andreas Köhler, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, fasst seine Einschätzung so zusammen: Entscheidend sei künftig, wie viel man selbst verbrauchen kann. Denn die eingesparten Kosten für Strom, den man nicht beziehen muss, machen dann den Löwenanteil der „Einnahmen“ aus. Um den Eigenverbrauch zu erhöhen, müsste man zwingend einen Speicher dazubauen.
Also stellen wir mal eine einfache Rechnung an, bei der wir so tun, als ob man gar keine Einspeisevergütung mehr bekommen würde. Für ein Sonnenkraftwerk mit zehn Kilowattpeak Leistung – das ist ungefähr die Größe bei einem Einfamilienhaus – zahlt man derzeit im Schnitt 15.000 Euro, für einen Speicher mit zehn Kilowatt etwa 7000 Euro. Da man die Mehrwertsteuer zurückbekommt, bleiben 18.500 Euro.
Bei einer Familie mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr könnte man mit Hilfe des Speichers 70 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzen. Über 20 Jahre hinweg spart man also die Kosten für 49.000 Kilowattstunden Strom. Bei 35 Cent pro Kilowattstunde (es gäbe auch günstigere Tarife) entspricht dies 17.150 Euro. Sprich, man müsste in zwei Jahrzehnten lediglich 1350 Euro mit der zusätzlichen Vergütung für eingespeisten Strom erzielen, um zumindest keinen Verlust zu machen. Das ist vermutlich machbar. Nicht berücksichtigt bei diesem Rechenbeispiel sind aber Kosten für Wartung, Versicherung oder Smart Meter.
Reiches Aussage könnte sich also bestätigen, dass eine Solaranlage auch ohne fixe Vergütung wirtschaftlich sein könnte. Allerdings: Die obige Kalkulation ist beinahe eine Best-case-Rechnung. Andreas Köhler sagt, dass eine kleinere Anlage etwa auf einem Reihenmittelhaus in Relation teurer sei und sich dann nicht mehr rechnen könnte. Ohne Speicher dürfte die Rendite ganz ausfallen. Und wer die Solaranlage über einen Kredit finanziert, bekommt ebenfalls Probleme. Köhler betont: „Wir müssen aufpassen, dass die Energiewende nicht elitär wird und sich nur noch die Reichen das leisten können.“
Nur mit Speicher und hohem Stromverbrauch lohnt sich eine Anlage noch
Benjamin Weigl vom unabhängigen Portal Finanztip hat weitere Fälle durchgerechnet und kommt zu dem Ergebnis: Nur wer viel Strom benötigt, hat noch eine Renditechance. Bei einem Stromverbrauch von 8000 Kilowattstunden im Jahr dauere es 17 Jahre, bei 3000 Kilowattstunden 31 Jahren, und darunter lohne es sich gar nicht mehr.
Ob man künftig den überschüssigen Strom überhaupt noch gegen Geld einspeisen kann, ist offen. Benjamin Weigl geht davon aus, dass die Direktvermarktung theoretisch möglich ist, in der Praxis aber meist nicht funktionieren werde: „Es fehlen oft die technischen Voraussetzungen und passenden Dienstleister.“
Auch der Sprecher der Stadtwerke Stuttgart, Matthias Nowak, sagt: Nach derzeitiger Gesetzeslage müsste ein Netzbetreiber den Solarstrom nicht mehr abnehmen. Sollte eine neue Regelung kommen, kauften die Stadtwerke den Strom weiter, aber dann „auf Basis des aktuellen Spotmarkt-Preises“. Und der ist extrem variabel.
So könnte der Wegfall der Einspeisevergütung, falls sie denn käme, vor allem zu einem führen: zu weiterer Verunsicherung. Denn wenn die Investition unsicher ist oder jedenfalls nicht zu kalkulieren, würden viele lieber auf eine Solaranlage verzichten.
Allerdings ist die Lage bei Solaranlagen anders: In Baden-Württemberg und in vielen anderen Bundesländern gibt es eine Pflicht, ein Sonnenkraftwerk zu installieren, wenn neu gebaut oder das Dach saniert wird. Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) weicht aus bei der Frage, ob das Land dann die Pflicht zurücknehmen würde. Der Amortisationszeitraum einer Solaranlage sei von vielen Faktoren abhängig, sagt sie vage. Ganz klar ist sie dagegen bei der Frage, was sie von Reiches Vorstoß hält: „Dass uns Bundesministerin Reiche bei der Energiewende hängen lässt, ist ein fatales Signal an die Hauseigentümer.“
Thekla Walker sagt zwar auch, dass eine intelligente Reform der Einspeisevergütung sinnvoll wäre, da die EEG-Kosten weiter steigen: „Die Wirtschaftsministerin legt aber die Axt an.“ Denn die Solarenergie sei im Gegensatz zur Windkraft sehr konfliktarm – das sollte man nicht kaputt machen. Tatsächlich kommt auch der neue Monitoringbericht aus Reiches Ministerium zu dem Ergebnis, dass der Ausbau steigen müsse.
Im Fazit kann man also sagen: Wer auf Nummer sicher gehen will, dass sich seine Solaranlage innerhalb von höchstens 20 Jahren rentiert, sollte lieber jetzt handeln – und bestellen.