Gewa in Fellbach Der Tower-Bauherr ist pleite

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Wohnungskäufer und Kommunalpolitiker bangen um die Fertigstellung des Fellbacher Wohnturms. Die GEWA wird „unverzüglich“ einen Insolvenzantrag stellen. Investor Warbanoff will das Hochhaus in der Insolvenz weiterbauen.

Der Gewa-Tower mit Hotel (im Vordergrund) ist  weit im Bau fortgeschritten. Foto: Michael Käfer 19 Bilder
Der Gewa-Tower mit Hotel (im Vordergrund) ist weit im Bau fortgeschritten. Foto: Michael Käfer

Fellbach - Die Gespräche zur Wiederaufnahme der Bautätigkeiten zwischen der Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG und dem Generalunternehmer Baresel über die Fortführung der vor wenigen Tagen unterbrochenen Arbeiten an dem im Rohbau fertigen Hochhaus sind an diesem Freitag gescheitert. Dies geht aus einer vorgeschriebenen Insiderinformation hervor, die auch auf einer Gewa-Tower-Webseite zu lesen ist. Die Emittentin einer Anleihe mit einem Volumen von etwa 35 Millionen Euro wird nun unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen, ist dort angekündigt. Den Gläubigern der Anleihe droht nun ein Komplettverlust ihrer Investition.

Befürchtungen in der Stadt Fellbach, das ehrgeizige, 107 Meter hohe und damit weithin sichtbare Bauprojekt werde eine Bauruine wie sein Vorgänger auf dem Areal am östlichen Ortsrand zwischen Schorndorfer und Eberhardstraße, müssen sich allerdings nicht notwendigerweise realisieren. Geplant ist laut der Mitteilung, das Gewa-Tower-Projekt innerhalb eines geordneten Insolvenzverfahrens fertigzustellen. „Gespräche dazu laufen bereits auch unter Einbeziehung des Generalunternehmers“, heißt es in der Mitteilung.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Gewa-Gruppe Marc G. Warbanoff und sein Vater, Michael Georg Warbanoff, waren für Anfragen nicht zu erreichen. Nach einer Information, die Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull am Freitagabend erhalten hat, will der Generalunternehmer, die Baresel GmbH, das Projekt übernehmen und fertigbauen.

Vor wenigen Tagen gab es nur „Abstimmungsbedarf“

Erst vor wenigen Tagen hatten die Investoren ebenfalls durch eine Ad-hoc-Meldung noch relativ beruhigend geklungen: Die „Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG führt Gespräche mit Generalunternehmer zur Klärung offener Punkte“, hieß es dort, verbunden mit dem Hinweis, dass 45 Wohnungen, also etwa 68 Prozent aller Wohnungen, in dem Turm verkauft seien. Im Zuge des erfolgreichen Verkaufs des Gewa-Tower-Hotels sollte der Kaufpreis für das Hotel erst im ersten Quartal 2017 fließen, also erst nach der Fertigstellung und der Abnahme. Daraus entstand ein „Abstimmungsbedarf hinsichtlich der weiteren Finanzierung und Bauplanung“. Danach fiel erst der entscheidende Satz, der die seit langem kursierenden Gerüchte einer bevorstehenden Insolvenz weiter befeuerte: „Bis zur Klärung der offenen Punkte wurden die Bautätigkeiten unterbrochen.“ Vage sprach die Firma von „Gesprächen mit dem Generalunternehmer“ und von „ergänzenden Lösungsmöglichkeiten“, die von Seiten der Gesellschaft geprüft würden.

Dass nur sieben Tage nach dieser Äußerung und nach einer Talfahrt der Anleihenotierung jetzt die Insolvenz angekündigt wurde, stieß manchen Beobachtern bereits sauer auf: „Damit hat sich eine dramatische Wende ergeben, denn vor wenigen Tagen wurden die Probleme noch als behebbar deklariert. Aus Anlegersicht ist einmal mehr irritierend, dass der Abstimmungsbedarf von Firmenseite vor wenigen Tagen noch heruntergeredet wurde“, schreibt das Anlegerportal Bond Guide. Diese Tatsache könnte auch noch zu einem Rechtsstreit führen: „Hier müssen Juristen allerdings Vorsatz und Unwissenheit auf Seiten des Emittenten klären, so viel scheint schon jetzt deutlich“, heißt es dort weiter.

Oberbürgermeisterin Zull will sich in die weiteren Gespräche einschalten

Die erst seit kurzem amtierende Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull zeigte sich von der Entwicklung überrascht, hatte sie doch noch am Morgen vor den entscheidenden Gesprächen der Warbanoffs an diesem Freitag ein Gespräch mit den Investoren geführt und dabei nur die Information erhalten, dass die Gesellschaft nach einer Lösung sucht. „Ich habe jetzt zuerst nur aus der Ad-hoc-Mitteilung erfahren, dass dies nicht gelungen ist.“ Ihr Eindruck aus dem Gespräch ist es, dass der zögerliche Verkauf der Wohnungen letztlich zu der Situation geführt hat.

Die Stadtchefin hofft jetzt wie die Bauherrn auf das angekündigte geordnete Insolvenzverfahren: „Es ist ja nicht so ungewöhnlich, dass solch ein Verfahren noch zu einem guten Ende führt.“ Sobald klar ist, wer für die weitere Entwicklung die Gesprächspartner der Stadt sein können, will sich die Oberbürgermeisterin wieder einschalten. Der möglichen Übernahme einer Bürgschaft erteilte sie eine Absage.




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