Verkauf an Peugeot Opel-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Von Klaus Dieter Oehler 

Bei einem Verkauf an Peugeot wäre ein Abbau von Arbeitsplätzen wohl unvermeidlich. Die General-Motors-Tochter wird zum Spielball der Interessen. Angeblich soll selbst der Vorstand nicht in die Verhandlungen eingeweiht gewesen sein.

Wird Opel bald französisch? Foto: Getty
Wird Opel bald französisch? Foto: Getty

Frankfurt - Am Tag nach der überraschenden Verkündung der Verkaufsgespräche herrscht unter den Beschäftigten des Autobauers Opel in Rüsselsheim gedämpfte Stimmung. Die einen meinen trotzig, dass es doch egal sei, ob man zu den Amerikanern oder zu Franzosen gehöre. Schon in den letzten Jahren habe man sich von General Motors ohnehin nicht mehr geliebt gefühlt – 2009 sollte Opel schließlich schon einmal verkauft werden. Die anderen dagegen zittern um ihren Arbeitsplatz. „Peugeot und Opel sind sich viel zu ähnlich, das wird nicht ohne Jobabbau über die Bühne gehen“, ist sich ein Arbeiter sicher, der gerade ins Werk kommt.

Wieder einmal ist Opel zum Spielball der Interessen geworden – und das ist für die rund 19 000 Mitarbeiter in Deutschland das größte Problem. Angeblich soll selbst der Vorstand nicht in die Verhandlungen zwischen Detroit und Paris eingeweiht gewesen sein. Nur Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hatte demnach einen kleinen Informationsvorsprung gegenüber seinen Kollegen. Am Mittwoch sollte es offiziell werden: Da wurden die Chefin des Mutterkonzerns General Motors Mary Barra und der Aufsichtsratsvorsitzende Dan Ammann in Rüsselsheim erwartet. Gerade dieses Vorgehen aber erbost die Opelaner. Schon immer habe GM über Opel nur aus eigenem Interesse gehandelt, schimpfen einige Mitarbeiter. Ein Kritikpunkt, den der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz vor allem in der Krise 2009 immer wieder auf den Punkt gebracht hat. Auch jetzt sagen die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat, dass der Vorgang eine „beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher und europäischer Mitbestimmungsrechte“ darstelle. Aber von Mitbestimmung haben die Amerikaner noch nie viel gehalten.

Ohrfeige für Ingenieure aus Rüsselsheim

Überhaupt, so urteilen Experten, scheint die sympathisch auftretende 55-jährige GM-Chefin Barra von Europa als Absatzmarkt nicht viel zu halten. Hohe Sicherheits- und Abgasstandards kosten viel Geld, hinzu kommt die derzeitige Unruhe innerhalb der Europäischen Union, die auch aus Sicht der Opel-Führung dazu geführt hat, dass man 2016 keinen Gewinn erzielt hat. Barra setze daher vorrangig auf Märkte, in denen man einfache Autos noch immer gut verkaufen könne. Und dafür, so heißt es zumindest aus Unternehmenskreisen, brauche sie nicht mehr die deutsche Ingenieurkunst, sondern könne sich auch auf die Arbeit des chinesischen Partners Dongfeng verlassen. Eine Ohrfeige für die Ingenieure des Technikzentrums in Rüsselsheim, das bisher immer als „Keimzelle“ des Konzerns bezeichnet wurde.

Wie schon 2009 hat sich auch dieses Mal die Politik schnell zu Wort gemeldet. „Wir brauchen ein starkes Opel-Werk“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel signalisierte, dass man zu Gesprächen bereit sei. Dabei wird man sicher auch mit der französischen Regierung sprechen, die gemeinsam mit Dongfeng vor drei Jahren den PSA-Konzern vor dem Bankrott retten musste und die heute mit 14 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist.

Bei solchen Gesprächen werden vor allem die Arbeitsplätze im Mittelpunkt stehen. Nach Ansicht von Experten aber kann die Politik da wenig ausrichten. „Die Unternehmen stellen ähnliche Produkte her und haben ähnliche Kunden“, meint etwa Jürgen Pieper von Bankhaus Metzler. Wenn ein Zusammengehen also Sinn machen soll, dann nur, indem man die Kosten senkt – sprich Arbeitsplätze abbaut. Das sieht auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer so, der davon ausgeht, dass die Produktion eines gemeinsamen Unternehmens von Paris aus gesteuert würde. Und wenn es nicht gelingt, den Absatz der Marken deutlich zu steigern, müssen eben Kapazitäten „angepasst“ werden, wie Manager dies nennen.

Chancen für Opel

Es gibt aber auch Experten, die durchaus Chancen für Opel sehen. Erstmals könnten die Rüsselsheimer auch über die Grenzen von Europa hinaus aktiv werden – eine Maßnahme, die Detroit bisher weitgehend verhindert hat. Zusammen würde der Dreier-Bund aus Peugeot, Citroen und Opel den Lokalrivalen Renault in Europa hinter sich lassen und auf Rang zwei hinter Volkswagen aufrücken. Opel könnte seine Produktion besser auslasten. Allerdings blieben nach Meinung von Fachleuten auch dann noch hohe Überkapazitäten.

Als Knackpunkte für einen Zusammenschluss mit Peugeot sieht der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Franz die Patente und hohen Pensionsverpflichtung von Opel. Der Detroiter Mutterkonzern habe bereits bei dem Versuch, Opel vor einigen Jahren an ein Konsortium aus dem Autozulieferer Magna und der russischen Sberbank zu verkaufen, die Hände auf allen technischen Erfindungen und Lizenzen behalten. Eine hohe Hürde seien zudem die Pensionsverpflichtungen für die Opelaner, die laut Franz zuletzt bei 4,6 Milliarden Euro lagen. „Das kann sich noch als Hindernis für einen Verkauf herausstellen.“ Für Opel gibt es jedoch kein Zurück. Denn sollte der Verkauf an Peugeot platzen, würde dies die ohnehin angekratzte Marke vollends beschädigen.